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18.07.2013

17:47 Uhr

Gerichtsverfahren

„Costa“-Videos als Beweise zugelassen

Die Panik der Passagiere, die chaotischen Szenen nach der Havarie: Die Überwachungsvideos der „Costa Concordia“ dienen im Prozess gegen Unglückskapitän Schettino als Beweise. Weitere Anträge lehnte das Gericht ab.

Das Wrack der Costa Concordia liegt noch immer im Mittelmeer. Im September soll es aufgerichtet und später weggeschleppt werden. Reuters

Das Wrack der Costa Concordia liegt noch immer im Mittelmeer. Im September soll es aufgerichtet und später weggeschleppt werden.

GrossetoDie dramatischen Überwachsungsvideos der Unglücksnacht der „Costa Concordia“ können im Prozess gegen Kapitän Francesco Schettino als Beweise verwendet werden. Das Gericht im toskanischen Grosseto entschied am Donnerstag, die Aufnahmen in dem Verfahren gegen den Kapitän zuzulassen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, die Videos als Beweismittel aufzunehmen, um damit die Geschehnisse der Unglücksnacht zu rekonstruieren. Weitere Beweisanträge lehnte das Gericht hingegen ab.

Schettino ist der einzige Angeklagte in dem Prozess um die Schiffskatastrophe. Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 zu nahe an die italienische Insel Giglio herangefahren und gekentert. 32 der mehr als 4200 Menschen an Bord starben, über 100 wurden verletzt.

Das Wrack liegt noch immer im Mittelmeer, es soll im September aufgerichtet und später weggeschleppt werden. Neue Unterwasser- Untersuchungen haben ergeben, dass der Schiffsrumpf immer stärker rostet und der Bug des Schiffes weiter versinkt. Das erschwere die Bergung des Wracks, berichteten italienische Medien am Donnerstag.

Der 52-jährige Schettino wies Berichte zurück, er habe während der Anklageverlesung gleichmütig gewirkt. „In Wirklichkeit waren es Anstand und Respekt.“ Es seien sehr persönliche Gefühle gewesen, die er für sich behalten wolle.

Staatsanwalt Francesco Verusio kritisierte die Verteidigung erneut für den am Mittwoch vorgeschlagenen Deal. „Schettino legt keine Rechenschaft über das ab, was er angerichtet hat. Vielleicht ist er in seinem ganz eigenen Film“, sagte er. Dem Unglückskapitän drohe ein sehr viel höhere Strafe als die am Mittwoch von der Verteidigung angebotenen drei Jahre und fünf Monate Haft.

Das Gericht entschied, die für Freitag vorgesehene Verhandlung zu verschieben. Der Prozess wird damit nach der Sommerpause am 23. September fortgesetzt. Schettino muss sich in dem Mammutverfahren mit mehr als 400 Zeugen und über 250 Nebenklägern unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie Verlassen des Schiffs verantworten. Unter den Nebenklägern ist auch die Moldauerin Domnica Cemortan. Die angebliche Ex-Geliebte Schettinos verfolgte den Prozess weiter im Gerichtssaal.

Von

dpa

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