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11.06.2015

09:21 Uhr

Germanwings-Absturz

Angehörige von Germanwings-Opfer treffen Chefermittler

Neue Erkenntnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine: Darüber informiert Chefermittler Brice Robin in Paris die Angehörigen der Opfer. Sie sollen zuerst erfahren, was er am Abend der Öffentlichkeit preisgeben will.

Brice Robin (Mitte) hat sich in Paris mit den Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes getroffen und über den Stand der Ermittlungen informiert. Reuters

Chef-Ermittler des Germanwings-Absturzes

Brice Robin (Mitte) hat sich in Paris mit den Angehörigen der Opfer des Germanwings-Absturzes getroffen und über den Stand der Ermittlungen informiert.

ParisEinen Tag nach der Überführung der ersten Opfer des Germanwings-Absturzes nach Deutschland treffen Hinterbliebene am Donnerstag den französischen Chefermittler. Staatsanwalt Brice Robin informiert die Angehörigen im Außenministerium in Paris unter anderem über die Ermittlungen und die abgeschlossene Identifizierung der Toten. In Haltern am See am nördlichen Rand des Ruhrgebiets bereiten sich die Hinterbliebenen auf die Beerdigungen in den kommenden Tagen vor.

Für den frühen Abend (17.45 Uhr) hat Robin eine Pressekonferenz angekündigt. Dabei dürfte der Staatsanwalt von Marseille auch Angaben zum Stand der Ermittlungen machen. Zuletzt hatte er sich dazu nicht mehr öffentlich geäußert, weil er zunächst mit den Familien sprechen wollte.

Wie sicher ist das Fliegen?

Wie sicher ist das Fliegen - auch im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln?

Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel, sagen Experten. „Obwohl in das letzte Jahr die tragischen Schicksale von MH370 und der ins Meer gestürzten A320 von AirAsia fallen, war es rein statistisch betrachtet sogar das sicherste Jahr in der Geschichte der zivilen Luftfahrt“, sagt Dennis Dahlenburg vom Online-Portal Aero.de. Der Weltluftfahrtverband IATA habe errechnet, dass es 2014 weltweit nur einen schweren Unfall je 4,4 Millionen Flüge gab - „gemessen am Straßen- oder Schienenverkehr ist schon das äußerst selten“. Der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg sagt, 2014 habe es weltweit rund 1000 Tote im Luftverkehr gegeben. „Im selben Jahr starben allein auf Deutschlands Straßen 3300 Menschen.“ In der EU gab es zugleich insgesamt 25.700 Tote im Straßenverkehr.

Was sagt die Statistik des Flugverkehrs?

Nach einer aktuellen Studie der Allianz-Versicherungsgruppe hat sich die Flugsicherheit in den zurückliegenden Jahrzehnten stark verbessert. Zugleich stieg die Zahl der Fluggäste dramatisch. 2014 flogen demnach weltweit etwa 3,3 Milliarden Menschen. 1960 waren es nur 106 Millionen.

Und wie hoch ist das Risiko, Opfer eines Absturzes zu werden?

1959 betrug das Risiko eines tödlichen Flugzeugabsturzes der Allianz-Studie zufolge für einen Passagier 1:25.000 Abflüge in den USA und Kanada. Heute liege das Risiko eines Fluggasts, in den USA oder in der EU bei einem Absturz sein Leben zu verlieren, bei 1:29 Millionen. Dagegen geben Statistiker das Risiko, an einem Blitzschlag zu sterben, mit 1:10,5 Millionen an. Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Fahrradunfalls liege sogar bei 1:340.000.

Wie steht es um die Sicherheit deutscher Airlines?

„Deutsche und europäische Airlines sind besonders betriebssicher - sie haben bestens ausgebildete Besatzungen, penibel gewartete Flotten und unterliegen einer funktionierenden behördlichen Aufsicht“, sagt Dahlenburg.

Was sind die häufigsten Unfallursachen in der Luftfahrt?

„Meistens gibt es nicht die eine Ursache“, sagt Luftfahrtexperte Schellenberg. „Oft ist es ein Zusammenspiel von Mensch und Technik.“ Das heißt, es trete etwa ein technischer Fehler auf und der Mensch reagiere falsch. Nach Schätzungen gehen in der gewerblichen Luftfahrt 70 Prozent der tödlichen Unfälle auf menschliches Versagen zurück.

Der Copilot von Flug 4U9525 soll den bisherigen Ermittlungen zufolge das Flugzeug am 24. März absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht haben. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Am Mittwoch wurden die ersten Särge mit den sterblichen Überresten der deutschen Opfer an ihre Familien übergeben. Ein Konvoi aus weißen und schwarzen Leichenwagen fuhr von Düsseldorf nach Haltern – 16 Spanischschüler der zehnten Klasse stammten von dort.

In Haltern fuhren die Fahrzeuge am Joseph-König-Gymnasium vorbei, in dem die Jugendlichen zur Schule gingen. Zahlreiche Menschen mit weißen Rosen und Grablichtern in den Händen drückten am Straßenrand ihre Anteilnahme aus. Unter ihnen waren viele Schüler des Gymnasiums, die sich an den Händen hielten und Tränen in den Augen hatten.

Von

dpa

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