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18.09.2015

17:21 Uhr

Germanwings-Absturz

Copilot hielt sich selbst für depressiv

Wochen vor dem Absturz ist der Germanwings-Copilot nach neuen Berichten davon ausgegangen, depressiv zu sein. Ärztlich bestätigt wurde sein Verdacht aber nicht. Worauf genau Andreas L. behandelt wurde bleibt geheim.

Die Gedenkstätte für die Opfer des Germanwings-Absturzes in Frankreich. Reuters

Luftfahrt-Tragödie

Die Gedenkstätte für die Opfer des Germanwings-Absturzes in Frankreich.

DüsseldorfDer Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat sich nach „Spiegel“-Informationen zwei Monate vor dem Absturz als depressiv eingestuft und in Psychotherapie begeben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Vermerke der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft, die man habe einsehen können. „Es hat aber kein Arzt die Diagnose „Depression“ bestätigt oder Suizidalität bescheinigt“, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Andreas L. hat den bisherigen Ermittlungen zufolge den Airbus der Lufthansa-Tochter vor einem knappen halben Jahr, am 24. März, absichtlich in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die meisten Opfer stammten aus Deutschland.

Dem „Spiegel“ zufolge hat L. in den Wochen vor dem Absturz verschiedene Psychopharmaka eingenommen, darunter Antidepressiva. Die Staatsanwaltschaft wollte das weder bestätigen noch dementieren, ergänzte aber: „Antidepressiva werden nicht nur zur Behandlung von Depressionen verabreicht.“ Welche Diagnose dem Piloten bescheinigt wurde, wollen die Ermittler aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nach wie vor nicht sagen.

Die Chronologie der Germanwings-Katastrophe

6:48 Uhr

Der Morgen beginnt mit einem Flug von Düsseldorf nach Barcelona. An Bord der Maschine reisen 122 Passagiere nach Spanien. Nach der Landung an der Mittelmeerküste werden keine Probleme bekannt.

10:01 Uhr

Die Maschine startet auf dem Flughafen in Barcelona 26 Minuten später als geplant zurück in Richtung Deutschland.

10:45 Uhr

Der Airbus A320 hat nach Angaben von Germanwings seine reguläre Flughöhe erreicht. Französische Medien berichten später, das Wetter sei gut gewesen.

10:46 Uhr

Die Maschine geht nach Angaben der Fluggesellschaft für 8 Minuten in einen Sinkflug, der nicht mit der Flugsicherung abgesprochen ist. Dem Online-Dienst Flightradar24 zufolge sank die Maschine dabei mit einer Geschwindigkeit von 3000 bis 4000 Fuß - etwa 900 bis 1200 Meter - pro Minute, vergleichbar mit einem Landeanflug.

10:47 Uhr

Aus dem Flugzeug wird nach ersten Angaben des französischen Verkehrsstaatssekretärs ein Notsignal gesendet, weil sich die Maschine in einer „unnormalen Situation“ befunden habe. Die französische Flugkontrolle teilt später aber mit, es habe keinen Notruf gegeben.

10:53 Uhr

Die Radarverbindung bricht auf 6000 Fuß Höhe (ca. 1800 Metern) ab. Die Maschine ist im Estrop-Massiv rund 100 Kilometer nordwestlich von Nizza abgestürzt.

11:30 Uhr

Etwa zu diesem Zeitpunkt erhält der Flughafen Düsseldorf nach Angaben eines Sprechers die Information, dass die Maschine vom Radar verschwunden ist. Ein Krisenstab wird eingesetzt.

11:55 Uhr

Die Maschine hätte in Düsseldorf landen sollen. Angehörige und Freunde der Opfer werden in Düsseldorf und Barcelona betreut und am Flughafen in einen geschützten Bereich gebracht.

13:00 Uhr

Das Luftfahrtbundesamt teilt mit, es sei ein Krisenstab gebildet worden.

Der 27-Jährige war nach bisherigem Stand 2008 wegen einer schweren Depression behandelt, später aber als geheilt und flugtauglich eingestuft worden. In der Zeit vor dem Absturz soll er über Sehstörungen geklagt und eine Erblindung befürchtet haben. Dafür fanden die Ärzte aber keine körperlichen Anhaltspunkte. Der behandelnde Psychiater habe L. laut den Vermerken, auf die sich der „Spiegel“ beruft, ein Mittel gegen Schlafstörungen verschrieben und ihn gebeten, dies mit der Flugmedizin-Abteilung seines Arbeitgebers abzuklären.

Von

dpa

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