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19.05.2015

19:13 Uhr

Germanwings-Absturz

Staatsanwalt gibt Opfer zur Beerdigung frei

Alle Opfer des Germanwings-Unglücks sind eindeutig identifiziert, ihre Angehörigen informiert. Nun können die Toten beerdigt werden. Der zuständige Bürgermeister hat die Leichenscheine für die Opfer ausgestellt.

Die Kommission zur Identifizierung der Opfer hatte laut Staatsanwalt Brice Robin die Arbeit der DNA-Experten der französischen Gendarmerie bestätigt. dpa

Germanwings A320

Die Kommission zur Identifizierung der Opfer hatte laut Staatsanwalt Brice Robin die Arbeit der DNA-Experten der französischen Gendarmerie bestätigt.

Marseille/DüsseldorfDer Staatsanwalt von Marseille hat die 150 Opfer des Germanwings-Absturzes zur Beerdigung freigegeben. Der für den Absturzort zuständige Bürgermeister von Prads-Haute-Bléone, Bernard Bartolini, habe die Leichenscheine für die Opfer ausgestellt, teilte Staatsanwalt Brice Robin am Dienstag in Marseille mit. Zuvor seien alle Opfer eindeutig identifiziert worden.

Damit können die Angehörigen ihre Toten bestatten. Die Germanwings-Mutter Lufthansa habe Kopien der Sterbeurkunden bekommen, um die Rückführung der Leichen zu ermöglichen.

Die Kommission zur Identifizierung der Opfer hatte laut Robin am vergangenen Freitag die Arbeit der DNA-Experten der französischen Gendarmerie bestätigt. Einem Polizeisprecher in Düsseldorf zufolge sollten die Angehörigen anschließend aufgesucht und im Beisein von Seelsorgern über das Ergebnis informiert werden. Bei den Opfern aus Nordrhein-Westfalen sei dies bis auf einen Fall inzwischen geschehen.

Wie sicher ist das Fliegen?

Wie sicher ist das Fliegen - auch im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln?

Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel, sagen Experten. „Obwohl in das letzte Jahr die tragischen Schicksale von MH370 und der ins Meer gestürzten A320 von AirAsia fallen, war es rein statistisch betrachtet sogar das sicherste Jahr in der Geschichte der zivilen Luftfahrt“, sagt Dennis Dahlenburg vom Online-Portal Aero.de. Der Weltluftfahrtverband IATA habe errechnet, dass es 2014 weltweit nur einen schweren Unfall je 4,4 Millionen Flüge gab - „gemessen am Straßen- oder Schienenverkehr ist schon das äußerst selten“. Der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg sagt, 2014 habe es weltweit rund 1000 Tote im Luftverkehr gegeben. „Im selben Jahr starben allein auf Deutschlands Straßen 3300 Menschen.“ In der EU gab es zugleich insgesamt 25.700 Tote im Straßenverkehr.

Was sagt die Statistik des Flugverkehrs?

Nach einer aktuellen Studie der Allianz-Versicherungsgruppe hat sich die Flugsicherheit in den zurückliegenden Jahrzehnten stark verbessert. Zugleich stieg die Zahl der Fluggäste dramatisch. 2014 flogen demnach weltweit etwa 3,3 Milliarden Menschen. 1960 waren es nur 106 Millionen.

Und wie hoch ist das Risiko, Opfer eines Absturzes zu werden?

1959 betrug das Risiko eines tödlichen Flugzeugabsturzes der Allianz-Studie zufolge für einen Passagier 1:25.000 Abflüge in den USA und Kanada. Heute liege das Risiko eines Fluggasts, in den USA oder in der EU bei einem Absturz sein Leben zu verlieren, bei 1:29 Millionen. Dagegen geben Statistiker das Risiko, an einem Blitzschlag zu sterben, mit 1:10,5 Millionen an. Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Fahrradunfalls liege sogar bei 1:340.000.

Wie steht es um die Sicherheit deutscher Airlines?

„Deutsche und europäische Airlines sind besonders betriebssicher - sie haben bestens ausgebildete Besatzungen, penibel gewartete Flotten und unterliegen einer funktionierenden behördlichen Aufsicht“, sagt Dahlenburg.

Was sind die häufigsten Unfallursachen in der Luftfahrt?

„Meistens gibt es nicht die eine Ursache“, sagt Luftfahrtexperte Schellenberg. „Oft ist es ein Zusammenspiel von Mensch und Technik.“ Das heißt, es trete etwa ein technischer Fehler auf und der Mensch reagiere falsch. Nach Schätzungen gehen in der gewerblichen Luftfahrt 70 Prozent der tödlichen Unfälle auf menschliches Versagen zurück.

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter war am 24. März auf dem Rückweg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. Wie die französische Untersuchungsbehörde Bea anhand der Flugschreiberdaten feststellte, hatte der 27 Jahre alte Copilot Andreas L. bewusst den tödlichen Sinkflug eingeleitet, während der Pilot nicht im Cockpit war. Bei dem Unglück starben alle 150 Menschen an Bord, unter ihnen 72 Deutsche.

Für die Identifizierung der Opfer waren von den zuständigen Experten ursprünglich zwei bis vier Monate kalkuliert worden. Bei den Arbeiten entnahm ein Team an der Einsatzzentrale in Seyne-les-Alpes Proben der im Absturzgebiet gefundenen Leichenteile. Die DNA-Spuren wurden dann im Kriminalinstitut der Gendarmerie in Pontoise bei Paris ausgewertet. Für den Abgleich der Proben mit der DNA von Angehörigen wurden auch deutsche Experten herangezogen.

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dpa

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