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23.03.2017

19:34 Uhr

Germanwings-Unglückspilot

Ermittler weisen Vorwürfe des Vaters von Andreas Lubitz zurück

Der Vater des Copiloten Andreas Lubitz zieht das Ermittlungsergebnis zum Germanwings-Absturz 2015 in Zweifel. Er möchte das Bild von seinem Sohn geraderücken. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wies die Vorwürfe zurück.

Günter Lubitz möchte das Bild seines Sohnes als „Massenmörder“ korrigieren. AP

Monument für die Opfer

Günter Lubitz möchte das Bild seines Sohnes als „Massenmörder“ korrigieren.

DüsseldorfZum zweiten Jahrestag des Germanwings-Absturzes mit 150 Toten liefern sich die Staatsanwaltschaft und die Familie des Todespiloten Andreas Lubitz einen Schlagabtausch. Die Düsseldorfer Anklagebehörde wies am Donnerstag Vorwürfe zurück. Zuvor hatten Günter Lubitz, Vater des Copiloten Andreas Lubitz, sowie der von ihm als Gutachter beauftragte Luftfahrt-Experte Tim van Beveren und ein Professor der Uni Halle die Ermittlungen kritisiert.

Die Zweifel sollen an diesem Freitag, dem zweiten Jahrestag des Absturzes, auch Thema einer Pressekonferenz in Berlin sein – fast auf die Minute genau zum Zeitpunkt des Absturzes. Vertreter der Opfer kritisierten den Zeitpunkt als „unverantwortlich“ und „geschmacklos“.

Copilot Lubitz soll am 24. März 2015 einen Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings gegen ein Bergmassiv in den französischen See-Alpen gesteuert haben. Die Ermittler gehen von einer absichtlichen Tat und einem Alleinverschulden des Copiloten aus.

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Andreas L. wird für den Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten vor zwei Jahren verantwortlich gemacht. Nun meldet sich seine Familie zu Wort und bezweifelt die „Annahme des dauerdepressiven Copiloten“.

Günter Lubitz möchte das Bild seines Sohnes als „Massenmörder“ korrigieren. „Er war ein sehr verantwortungsvoller Mensch. Ein solches Verhalten passt einfach nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit“, sagte er der Wochenzeitung „Zeit“.

Bereits in der Einladung zu der geplanten Veranstaltung hatte Lubitz' Vater die „Annahme des dauerdepressiven Copiloten, der vorsätzlich und geplant in suizidaler Absicht das Flugzeug in den Berg gesteuert haben soll“, bezweifelt.

Dies sei „menschlich nachvollziehbar“, sagte der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa. Nach Überzeugung der Ermittler hatte der psychisch kranke Copilot die Maschine allerdings absichtlich gegen den Berg fliegen lassen. „Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Absturzursache, die nicht auf absichtliches – mutmaßlich suizidales – Verhalten zurückzuführen ist“, sagte Kumpa.

Dagegen äußerte Lubitz' Vater im „Zeit“-Interview Zweifel an der Unvoreingenommenheit der Ermittler. „Es gab ganz offensichtlich Dinge, die man gar nicht erst ermittelt hat, vielleicht weil man sie nicht ermitteln wollte“, sagte er der Wochenzeitung.

Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa organisiert wie im Vorjahr ein Treffen der Angehörigen in Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle. Am Freitag soll es dort ebenso wie im westfälischen Haltern eine Gedenkfeier geben. Unter den Toten waren auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Halterner Joseph-König-Gymnasiums. Sie waren auf dem Rückflug von einem Schüleraustausch in Spanien gewesen.

Im Gedenken an die spanischen Opfer der Flugkatastrophe versammelten sich in Barcelona bereits am Donnerstag Angehörige der Toten. Der Germanwings-Unglücksflug hatte sich auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf befunden. 50 der 150 Getöteten stammten aus Spanien.

Nach Überzeugung der Ermittler flog der psychisch kranke Copilot die Maschine absichtlich gegen einen Berg. Reuters, Sascha Rheker

Andreas Lubitz

Nach Überzeugung der Ermittler flog der psychisch kranke Copilot die Maschine absichtlich gegen einen Berg.

Unterdessen geht auch der Rechtsstreit um den Absturz und die Folgen für die Hinterbliebenen weiter. Am Freitag will ein Opferanwalt fünf Schmerzensgeld-Klagen gegen die Fluggesellschaft Germanwings einreichen. „Die bislang gezahlten Beträge sind selbst nach deutschen Maßstäben zu gering bemessen“, sagte der Mönchengladbacher Anwalt Christof Wellens.

Germanwings habe für die Leiden der Opfer jeweils 25.000 Euro gezahlt. Hinzu komme ein Schmerzensgeld von je 10.000 Euro für jeden nahen Hinterbliebenen. Mit den Klagen wolle er eine „deutliche Erhöhung, mindestens eine Verdoppelung“ erreichen. Wellens vertritt nach früheren Angaben die Familien von 35 Opfern.

Von

dpa

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