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16.10.2011

09:55 Uhr

Geschäftsmodell Höhenrausch

Faszination Achttausender

Vor 25 Jahren bezwang Reinhold Messner den Himalaya-Gipfel des Lhotse - und damit als erster Mensch alle Achttausender der Welt. Er fand viele Nachahmer - und Höhenrausch wurde zum Geschäftsmodell.

Eine geführte Tour an den Hängen des Himalaya-Gebirges. dpa

Eine geführte Tour an den Hängen des Himalaya-Gebirges.

BerlinEs war ein Kampf gegen die Natur, den Körper und die anderen Gipfelstürmer. Vor 25 Jahren stand Reinhold Messner auf dem 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse im Himalaya und damit als erster Mensch auf allen Achttausendern der Welt. Inzwischen haben das 27 Menschen nachgemacht, darunter auch drei Frauen. Für viele Bergsteiger ist heute allerdings nicht der Gipfelsieg entscheidend, sondern der Stil.

Die 14 mächtigen Berge im Himalaya und im angrenzenden Karakorum zu erklimmen, galt als besondere Sensation, weil Messner bei seinen Touren auf Sauerstoffflaschen verzichtete. Der Südtiroler Messner und sein österreichischer Seilpartner Peter Habeler brachten den Alpinstil ins Himalaya. Das bedeutet, dass sie auf Schnelligkeit und Selbstgenügsamkeit setzten und sich allein oder in kleinen Seilschaften durch den Schnee kämpften.

Zuvor waren die Expeditionen oft riesige Materialschlachten. 1978 war eine Gruppe von 42 japanischen Bergsteigern am zweithöchsten Berg der Welt, dem K2, unterwegs und zog hinter sich eine Schlange von mehr als 1200 Trägern her. Die Sherpas brachten Tonnen an Material mit und kochten in den Lagern. Der Aufstieg zum Gipfel wurde gespurt und mit kilometerlangen Seilen und Leitern gesichert.

Die 14 höchsten Berge der Welt

Mount Everest

Höhe: 8850 Meter (Höhenmessungen schwanken zwischen 8846 und 8850 Metern)

Lage: Himalaya, an der Grenze zwischen Nepal und China (Tibet)

K2

Höhe: 8611 Meter (Höhenmessungen schwanken zwischen 8607 oder 8614 Metern)

Lage: Karakorum, an der Grenze zwischen China und Pakistan

Kangchendzönga

Höhe: 8586 Meter

Lage: Himalaya, zwischen Nepal und dem indischen Bundesstaat Sikkim

Lhotse

Höhe: 8516 Meter

Lage: Himalaya, zwischen Nepal und China (Tibet)

Makalu

Höhe: 8463 Meter

Lage: Himalaya, zwischen Nepal und China (Tibet)

Cho Oyu

Höhe: Messungen schwanken zwischen 8188 und 8201 Metern

Lage: Himalaya, Nepal, 20 Kilometer westlich vom Mount Everest

Dhaulagiri

Höhe: 8167 Meter

Lage: Himalaya, Nepal

Manaslu

Höhe: 8163 Meter

Lage: Himalaya, Nepal

Nanga Parbat

Höhe: 8126 Meter

Lage: Himalaya, Pakistan

Annapurna

Höhe: 8091 Meter

Lage: Himalaya, Nepal

Gasherbrum I

Höhe: 8068 Meter

Lage: Karakorum, Pakistan

Broad Peak

Höhe: Messungen schwanken zwischen 8047 und 8051 Metern

Lage: Karakorum, zwischen Pakistan und China

Gasherbrum II

Höhe: 8035 Meter

Lage: Karakorum, zwischen Pakistan und China

Xixabangma (Shisha Pangma)

Höhe: 8013 Meter

Lage: Himalaya, Tibet an der Grenze zu Nepal

Bis heute gibt es diese beiden gegensätzlichen Weltanschauungen: Den einen gilt der Alpinstil als Ideal, den anderen ist jede Form von logistischer Unterstützung und fremder Hilfe recht, um den Gipfel zu erreichen. Für diese Menschen bieten Expeditionsorganisatoren professionell geführte Reisen mit Bergführern an. Für mehrere 10.000 Euro können durchschnittlich fitte Bergsteiger einen Achttausender kaufen.

„Diese Menschen wollen Bergsteigen in der konfektionierten Form“, sagt Bernd Schröder vom Deutschen Alpenverein. „Sie kaufen Achttausender als Dienstleistung.“ Das Base Camp am Mount Everest sei heute schon so überrannt, dass über den Bau eines Hotels nachgedacht würde.

Der Bergführer Kari Kobler aus der Schweiz, der selbst seit Jahren Gäste ins Himalaya bringt, sieht durch die Erschließung der Berge weitere Folgen. „Weil heute ganz normale Bergsteiger den Everest besteigen können, müssen die anderen, die gut sind, ihre Leistungen steigern.“ Mittlerweile fahren Menschen mit Ski und Snowboard vom Mount Everest herab, setzen sich bei Winterexpeditionen Temperaturen von 60 Grad unter Null aus oder unterbieten sich im Geschwindigkeitsklettern.

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