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20.01.2004

10:46 Uhr

Gesellschaft für deutsche Sprache entscheidet

Stichwort: „Worte“ und „Unworte“ des Jahres

Die „Worte“ und „Unworte“ des Jahres gelten als Ausdruck des Zeitgeistes in Deutschland. Zum ersten Wort des Jahres wurde 1971 „aufmüpfig“ gewählt.

HB/dpa FRANKFURT. Seit 1977 entscheidet sich die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden jährlich für einen Begriff. Seit 1991 geißeln Sprachwissenschaftler zudem abwertende und schönfärberische Begriffe als „Unworte“. Es folgen die „Worte“ und - mit einer kurzen Begründung der Jury - die „Unworte“ seit 1991:

Wort des Jahres

1991: „Besserwessi“
1992: „Politikverdrossenheit“
1993: „Sozialabbau“
1994: „Superwahljahr“
1995: „Multimedia“
1996: „Sparpaket“
1997: „Reformstau“
1998: „Rot-Grün“
1999: „Millennium“
2000: „Schwarzgeldaffäre“
2001: „Der 11. September“
2002: „Teuro“

Unwort des Jahres (mit einer Kurzbegründung)

1991: „Ausländerfrei“
(fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda)
1992: „Ethnische Säuberung“
(Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien)
1993: „Überfremdung“
(Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern)
1994: „Peanuts“
(Der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, geringschätzig über die offenen Handwerkerrechnungen in Höhe von rund 50 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider)
1995: „Diätenanpassung“
(Beschönigung der Diätenerhöhung im Bundestag)
1996: „Rentnerschwemme“
(falsches, angstauslösendes Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt)
1997: „Wohlstandsmüll“
(Umschreibung arbeitsunwilliger und -unfähiger Menschen des früheren Verwaltungspräsidenten von Nestlé, Helmut Maucher)
1998: „sozialverträgliches Frühableben“
(zynisch wirkende Ironisierung des Ex-Präsidenten der Bundesärztekammer Karsten Vilmar)
1999: „Kollateralschaden“
(Verharmlosung der Tötung Unschuldiger als Nebensächlichkeit, Nato-offizieller Terminus im Kosovo-Krieg)
2000: „National befreite Zone“
(zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird)
2001: „Gotteskrieger“
(Kein Glaube an einen Gott gleich welcher Religion kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen) 2002: „Ich-AG“
(Beleg für zunehmende Versuche, schwierige soziale und sozialpolitische Sachverhalte mit sprachlicher Kosmetik schönzureden)

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