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17.09.2015

08:02 Uhr

Gesetzesverschärfung

Bräunungsstudios in Frankreich droht das Aus

VonThomas Hanke

Der französische Senat hat Solarstudios verboten, weil sie entscheidend zum Anstieg der Fälle von Hautkrebs beitragen sollen. Die Nationalversammlung muss noch zustimmen. Das Gesetz wäre Teil eines umfangreichen Pakets.

Bräunungsgeräte sollen in Frankreich verboten werden. AFP

Solarienverbot

Bräunungsgeräte sollen in Frankreich verboten werden.

ParisDer französische Senat hat in der Nacht zum Mittwoch ein Gesundheitsgesetz der Regierung verschärft und ein Verbot von Solarstudios eingefügt. „Der Verkauf und die Bereitstellung von Bräunungsgeräten, egal ob gratis oder gegen Bezahlung, sind verboten“, heißt es im neuen Text. Im Fall der Zuwiderhandlung drohe eine Geldstrafe von 100.000 Euros.

Als Bräunungsgeräte werden alle Apparate defniert, die ultraviolette Strahlung zu ästhetischen Zwecken aussenden. Das Verbot wird damit begründet, dass es keinen Zweifel mehr an ihrer Schädlichkeit gebe. „Eine einzige Bestrahlung im Alter von 35 Jahren erhöht das Krebsrisiko um 59 Prozent“, schreibt der liberale Abgeordnete Jean-François Longeot, der den Änderungsantrag formuliert hat.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Zwischen 1980 und 2005 habe sich die Zahl der Fälle von Hautkrebs in Frankreich verdreifacht. Wissenschaftliche Institutionen geben dem Senator recht und verweisen auf ein wesentlich erhöhtes Risiko, Hautkrebs zu entwickeln, wenn man sich im Sonnenstudio bestrahlen lässt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich ebenfalls gegen die Grillstationen ausgesprochen. Seit 2003 rät sie von der Nutzung der Strahlenquellen ab. In Frankreich sind 2011 1620 Menschen an Hautkrebs gestorben. Melanome belegen den Rang neun auf der Liste der häufigsten Krebsarten.

Das Verbot, das der Senat will, kann allerdings nur in Kraft treten, wenn die Nationalversammlung es bestätigt. Ob das geschehen wird, ist ungewiss. Die sozialistische Regierung wollte lediglich neue Auflagen für Bräunungsstudios formulieren.

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Das Gesundheitsgesetz ist ein äußerst umfangreiches Paket. Es sieht unter anderem auch viele neue Regeln für den Verbraucherschutz vor. So soll der Alkoholkonsum eingeschränkt werden, indem „Happy Hours“ strikter reguliert werden. Voranpreschen will Frankreich außerdem bei der Verringerung des Verbrauchs von Zucker, dessen übermäßiger Genuss stark gesundheitsschädlich ist. In der Gastronomie werden Zapfanlagen verboten, mit denen man gratis sein Glas Cola oder Limo immer wieder auffüllen kann.

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