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28.08.2013

12:26 Uhr

Gespenstische Leere

Die Flucht vor dem Blindgänger in Hannover

Wegen einer Zehn-Zentner-Bombe mussten rund 9000 Menschen Hannovers Altstadt verlassen. Rathaus, Landtag und Rotlichtviertel lagen direkt in der Gefahrenzone. Die Größe der Bombe war für die Altstadt eine echte Gefahr.

Ein Hinweisschild an der "Jack the Rippers"-Bar weist auf eine verfrühte Schließungszeit hin. Die Zehn-Zentner-Bombe zwingt die Polizei, dass gesamte Stadtzentrum zu evakuieren. dpa

Ein Hinweisschild an der "Jack the Rippers"-Bar weist auf eine verfrühte Schließungszeit hin. Die Zehn-Zentner-Bombe zwingt die Polizei, dass gesamte Stadtzentrum zu evakuieren.

HannoverIn Hannovers Innenstadt herrscht über Stunden gespenstische Leere. Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg verhagelt Wirten in den Kneipen der Altstadt oder im Rotlichtviertel das Geschäft. „Das war heute wirklich keine Bombenstimmung bei uns“, sagt Francisco Gomez. Er steht vor seinem Restaurant am Ballhofplatz und will gerade abschließen. Nur drei Tische hat der Kellner am Abend bedienen können. „Ich hoffe, dass ich morgen komme und alles noch hier ist.“ Die Baustelle gleich gegenüber ist menschenleer. Riesige rote Überseecontainer bilden einen schützenden Halbkreis um eine weiße Plastikplane am Boden. Darunter liegt sie, die Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

„Ich liebe das Abenteuer“, scherzt Udo Stuck fünfzig Meter weiter. Der 57-Jährige lehnt an einem Stehtisch vor seiner Stammkneipe und nimmt einen Schluck aus seinem Glas. „Ich kann doch meinen Wirt nicht alleine lassen“, sagt er. „Wenn man in so einer zerbombten Stadt wie Hannover lebt, muss man immer mit sowas rechnen“, meint seine Tischnachbarin. Dann brechen die beiden auf, es ist kurz vor 21.00 Uhr, in einer Stunde wird die Gegend geräumt. Erst um 4.00 Uhr kann die Feuerwehr Entwarnung geben. Spezialisten haben den Blindgänger entschärft.

Zuvor Großalarm für die Einsatzkräfte: Hunderte Helfer evakuieren das Stadtzentrum. In der Gefahrenzone liegen Rathaus, Landtag, Restaurants und das Rotlichtviertel. Die Polizei klappert die Türen ab, rund 9000 Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Hotels quartieren ihre Gäste aus. Staatsoper und Schauspielhaus brechen Proben ab. Die NordLB schickt Wertpapierhändler und Sicherheitskräfte früher nach Hause.

Das Diakoniekrankenhaus Friederikenstift und der Hauptbahnhof bleiben von der Evakuierung verschont. „Gut, dass heute kein Freitag- oder Samstagabend ist“, sagt Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft Hannover, ein Zusammenschluss von Händlern, Hotels, Gaststätten in der Innenstadt. Die Stadt entleere sich in den Abendstunden fast von alleine. „Aber die Größe der Bombe ist für die Altstadt wirklich bedrohlich.“

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