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12.12.2014

16:05 Uhr

Gesundheit im Supermarkt

Neue Regeln für Lebensmittel-Verpackungen

Wirbel um ein Millionstel Millimeter und vier Buchstaben: „Nano“-Partikel müssen ab Samstag auf Lebensmittel-Verpackungen gekennzeichnet werden. Die Industrie fürchtet misstrauische Verbraucherreaktionen.

Ratlos im Supermarkt: Kunden können oft nur schwer erkennen, was in ihren Einkäufen steckt. dpa

Ratlos im Supermarkt: Kunden können oft nur schwer erkennen, was in ihren Einkäufen steckt.

BerlinAuf der Zutatenliste mancher Lebensmittel soll ab diesem Samstag der Begriff „Nano“ auftauchen. „Ab 13. Dezember gilt die neue Lebensmittelinformationsverordnung der EU“, sagt Ralf Greiner vom Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe. „Alle technisch hergestellten Nanomaterialien müssen dann auf der Zutatenliste mit dem Zusatz 'Nano' kenntlich gemacht werden.“ Der Begriff soll in Klammern hinter der jeweiligen Substanz stehen

Ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Als „Nano“ werden von der EU Partikel mit weniger als 100 Nanometern Durchmesser eingestuft. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar kommt auf etwa 80.000 Nanometer, Viren auf 50 bis 100 Nanometer.

Viele Lebensmittel wie Instant-Suppen, Salz, Kaffeeweißer enthalten zum Beispiel Partikel aus Siliziumdioxid, damit sie nicht verklumpen. Winzige Titandioxidkrümel lassen Kaugummis, Dragees und Joghurt-Dressings weiß strahlen. Sowohl beim Silizium- als auch beim Titandioxid seien die Partikel zwar im Allgemeinen größer als 100 Nanometer, erklärt Greiner. Es sei aber nicht auszuschließen, dass ein gewisser Anteil kleiner sei. Die Einstufung als „Nano“ gelte auch dann, wenn nur ein Teil der Substanz die Größendefinition erfülle. Die Lebensmittel müssten dann entsprechend deklariert werden.

Die wichtigsten Änderungen bei Lebensmittel-Packungen

Neue Vorgaben

Für Lebensmittel gelten von Samstag (13. Dezember) an neue Vorgaben bei der Kennzeichnung - die wichtigsten im Überblick:

Schriftgröße

Bei Pflichtangaben wie den Zutaten müssen die gedruckten Buchstaben mindestens 1,2 Millimeter groß sein, bei kleineren Packungen mindestens 0,9 Millimeter groß.

Allergie-Kennzeichnung

Die 14 wichtigsten allergieauslösenden Stoffe müssen in der Zutatenliste hervorgehoben werden - etwa fettgedruckt. Bei loser Ware wie beim Bäcker können Kunden auch mündlich informiert werden. Eine schriftliche Dokumentation muss aber verfügbar sein.

Lebensmittel-Imitate

Wenn ein Ersatzstoff verwendet wird, muss er direkt neben dem Produktnamen genannt werden - zum Beispiel wenn Pflanzenfett statt Käse als Pizzabelag dient.

Pflanzliche Öle

Bei raffinierten pflanzlichen Ölen und Fetten muss der Ursprung genannt werden - also nicht nur „Pflanzenfett“, sondern „Pflanzenfett (Kokos)“.

Fleisch und Fisch I

Wenn ein Fleischprodukt etwa mit Enzymen aus kleinen Teilen zusammengeklebt wurde, muss aufs Etikett „aus Fleischstücken zusammengefügt“. Das gilt auch für Fischprodukte.

Fleisch und Fisch II

Falls Fleisch oder Fisch mit so viel Wasser aufgespritzt wurde, dass es mehr als fünf Prozent des Gewichts ausmacht, muss dies auf der Packung vermerkt sein. Das gilt nur für Fleisch- oder Fischstücke, die aussehen, als ob sie ein Teil eines Tierkörpers sind - also nicht für Wurst, Pastete oder Fischklöße.

Tiefkühlkost

Bei Fisch und Fleisch muss in einem Aufdruck „eingefroren am...“ das Datum genannt werden.

Nano

Produkte können zugesetzte winzige Nanopartikel enthalten, etwa um Stoffe besser löslich zu machen. Dann muss künftig hinter dem Inhaltsstoff das Wort „Nano“ aufgedruckt werden.

Internet

Bei online angebotenen verpackten Lebensmitteln müssen alle Pflichtangaben wie Zutaten, Allergieauslöser und Füllmenge vor dem Kauf-Klick einsehbar sein - das Mindesthaltbarkeitsdatum ausgenommen.

Wahrscheinlich werde die Industrie aus Furcht vor der Verbraucherreaktion aber vorerst auf Zutaten verzichten, die als Nanomaterialien im Sinne der Verordnung definiert werden könnten, nimmt Greiner an. Gezielt hergestellte Nanomaterialien spielten im Lebensmittelbereich noch keine große Rolle, ergänzt der Leiter des Instituts für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik des MRI, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Das habe aus seiner Sicht vor allem zwei Gründe: „Unklare gesetzliche Regelungen und die Furcht, dass der Verbraucher das negativ bewertet.“

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