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12.01.2015

16:41 Uhr

Gesundheitsgefahr Putenfleisch

Fleisch vom Discounter mit Keimen belastet

Auf billigem Putenfleisch können Gesundheitsgefahren lauern: Der BUND warnt vor resistenten Keimen als Folge von Massentierhaltung und sorglosem Medikamenteneinsatz. Ärzte und Krankenhäuser sind daran nicht unschuldig.

Krankheitsüberträger? Zwei Wochen alte Puten. dpa

Krankheitsüberträger? Zwei Wochen alte Puten.

BerlinDer BUND hat in Putenfleisch von Discountern bei einer Untersuchung in knapp 90 Prozent der Fälle stark antibiotikaresistente Keime nachgewiesen. Von 57 untersuchten Proben seien auf 50 besonders resistente Bakterien gefunden worden, teilte die Umweltorganisation am Montag im Vorfeld der Grünen Woche in Berlin mit.

Das sei ein klares Zeichen für den fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Putenmast, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, sich die Hände nach dem Berühren des Fleisches gut zu waschen und die Speisen stets durchzugaren.

Untersucht wurde Putenfleisch, dass bei fünf verschiedenen Discounterketten in verschiedenen Städten Deutschlands gekauft wurde. In neun von zehn Proben fanden die Tester die gegen viele Antibiotika unempfindlichen MRSA-Keime (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) und ESBL-bildende Keime, die bestimmte Antibiotika zerstören.

Die Spur der Antibiotika

Kritische Keime in Wurstprodukten

Wenn Kunden im Supermarkt eine Zwiebelmettwurst kaufen, machen sich wohl nur wenige Gedanken über mögliche späte Spuren der Tierhaltung. Dabei können manche Mettbrötchen kritische Keime tragen, wie eine Stichprobe im Auftrag der Grünen im Bundestag ergab. Das Problem: Diese Bakterien sind widerstandsfähig gegen infektionshemmende Antibiotika. Kritiker warnen seit langem, dass die massenhafte Medikamentengabe in Mastanlagen auch Auswirkungen auf Lebensmittel haben kann. Generell sollen weniger Antibiotika in den Stall. Denn zusehends schlagen sie auch bei Menschen nicht mehr an.

Ergebnisse der Untersuchung der Grünen

Für eine Stichprobe wurden in 13 deutschen Städten Wurstprodukte in Supermärkten und Bäckereien gekauft: Mett, Teewurst, Salami und Schinken. Dies sind Rohwurstsorten, die bei der Herstellung nicht erhitzt und vor dem Essen nicht gebraten oder gekocht werden, wie die Grünen-Fraktion erläutert. In 10 der 63 Proben wurden in einem Labor ESBL-Keime gefunden, nämlich sechsmal in Zwiebelmettwurst, in einer Teewurst, einer Salami und zwei Mettbrötchen. Dramatisch sei vor allem das Ergebnis bei Putenprodukten, sagt Grünen-Agrarexperte Friedrich Ostendorff: sechs von neun Proben waren positiv.

Wie die Keime in Wurstprodukte gelangen

Problematisch sind die entdeckten Keime, weil sie Enzyme namens ESBL (extended-spectrum beta-lactamases) produzieren. Diese machen sie gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich (resistent). Generell fördere die Anwendung von Antibiotika auch bei Tieren die Verbreitung von ESBL-Bakterien, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung - weil ihre Widerstandsfähigkeit ihnen einen Vorteil im Vergleich zu konkurrierenden Bakterien verschaffe. „Mastställe sind quasi ein riesiges Trainingsgebiet für Keime“, formulieren es die Grünen. Auf Lebensmittel übertragen würden derartige Bakterien etwa beim Schlachten oder der Milchgewinnung, erläutert das Bundesinstitut.

Um welche Antibiotika-Mengen es in den Ställen geht

Die Gesamtmenge der Antibiotika für die Tierhaltung ist zuletzt etwas zurückgegangen. Nach jüngsten Daten für 2012 wurden 1619 Tonnen an Tierärzte abgegeben und damit 87 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Als besorgniserregend gilt aber eine markante Zunahme bei einigen besonders wichtigen Wirkstoffen - diese dienen als Reserve, wenn normale Antibiotika nicht mehr anschlagen. In riesigen Mastanlagen mit Tausenden Hühnern oder Schweinen bekommen oft ganze Gruppen Medikamente, wenn ein Tier krank ist. Die Grünen fordern daher eine Abkehr vom „System der massenhaften Billigfleischproduktion“.

Wie der Antibiotika-Einsatz eingedämmt werden soll

„Wir nehmen die Problematik sehr ernst“, sagt eine Sprecherin des Bundesernährungsministeriums. Dabei könnten sich Resistenzen auf harmlose wie krankmachende Keime beziehen. Zum 1. April sind gerade schärfere Regeln in Kraft getreten. Künftig müssen Bauern für Hühner, Puten, Schweine und Rindern alle sechs Monate melden, welchen Stoff sie wie vielen Tieren in welchen Mengen über wie viele Tage geben. In einer bundesweiten Datenbank soll sichtbar werden, wenn ein Landwirt übermäßig viel Antibiotika einsetzt. Liegt eine Mastanlage in der oberen Hälfte oder sogar im obersten Viertel gemessen am Betriebstyp, muss gegengesteuert werden - etwa mit besserer Hygiene im Stall.

Den Grund für die hohe Belastung sieht Weiger in der industriellen Putenmast und dem Wunsch der Verbraucher nach billigem Fleisch. „Werden zu viele Tiere auf engem Raum gehalten, müssen zwangsläufig große Mengen von Antibiotika gegeben werden, die dann in den Küchen der Verbraucher landen“, sagte Weiger.

Der BUND fordert daher Änderungen im Tierschutz- und im Arzneimittelrecht. Vor allem müsse der Gebrauch sogenannter Reserveantibiotika in der Massentierhaltung verboten werden. Reserveantibiotika werden in der Humanmedizin dringend benötigt, um schwere Infektionen zu behandeln, gegen die normale Antibiotika nicht mehr wirken.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.01.2015, 17:16 Uhr

Das sei ein klares Zeichen für den fortgesetzten Antibiotika-Missbrauch in der Putenmast, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

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Jetzt argumentieren bestimmt die Züchter :

" Sei doch froh dass was zum essen hast. "

oder

" Was willst du noch, sparst schon in der Apotheke kosten für anti-Grippe mitteln. "






Frau Christina Dörr

13.01.2015, 07:10 Uhr

MRSA Keime lassen sich wohl bei 70 Grad abtöten.

Bei ESBL Keimen sieht es dagegen anders aus. Dieser Keim ist hochresistent gegen alles.Das Thema wird von den Ärzten immer erst mal heruntergespielt . Jedoch sollte man diesen sehr ernst nehmen. Über 10.000 Leute sterben jedes Jahr an diesem Keim. Es gibt nur zwei hoch dosierte Antibiotika die bisher auf dem Markt sind und dort gegen helfen.

Die Verbraucherschützer und die Regierung machen die Augen zu und informieren die Menschen nicht ausreichend bzw. verbieten den Einsatz von übertriebenen Mengen Antibiotika in der Tierhaltung. Die Lebensmittelindustrie darf schön so weitermachen wie bisher. Das ist der eigentliche Skandal.

G. Nampf

13.01.2015, 12:35 Uhr

Wer so doof ist, billiges Fleisch im Supermarkt oder beim Discounter zu kaufen, hat es verdient, daß er resistente Keime und Antibiotika mitkauft.

Gutes Fleisch gibt es beim Metzger, es kostet nur mehr.

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