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31.03.2006

08:08 Uhr

GEW begrüßte das Eingeständnis der Lehrer

„Strafen heizen Täter weiter an“

Nach dem Hilfe-Brief des Kollegiums an die Behörden hat Berlins Schulsenator nach dem Bekanntwerden des dramatischen Schreibens mit einem Sofortprogramm reagiert: Unter anderem wird der Unterricht bis auf weiteres unter Polizeischutz stattfinden. Wissenschaftler warnen indes, Sanktionen stoppten die Gewalt an den Schulen nicht.

Der Eingang zur Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtbezirk Neukölln. Foto: dpa

Der Eingang zur Rütli-Hauptschule im Berliner Stadtbezirk Neukölln. Foto: dpa

HB BERLIN. Das Problem der zunehmenden Gewalt an Schulen lässt sich nach Ansicht des Hamburger Erziehungswissenschaftlers Peter Struck nicht durch Sanktionen in den Griff bekommen. „Solche Täter sind relativ immun gegen Strafen, das heizt sie zumeist noch weiter an“, sagte Struck in einem Gespräch mit NDR Info. „Wir wissen, dass es nur hilft, wenn unerwünschtes Verhalten aus dem Mund von hoch anerkannten Gleichaltrigen verpönt wird und wenn erwünschtes Verhalten von hoch anerkannten Gleichaltrigen verstärkt wird.“

Es gebe derzeit eine „deutliche Zunahme von Gewalt an Schulen“, sagte der Wissenschaftler der Universität Hamburg. „Das ist allerdings regional sehr unterschiedlich und sehr oft sind die Hauptschulen betroffen, weil sie ja auch schwierige Schüler konzentrieren.“

Die Lehrer der Rütli-Schule im Berliner Problemviertel Neukölln hatten sich angesichts eskalierender Gewalt in einem dramatischen Hilferuf an die Schulaufsicht gewandt. Die Lage sei geprägt von Zerstörung, Gewalt und menschenverachtendem Verhalten auch gegen Lehrer, schrieben die Pädagogen in einem am Donnerstag bekannt gewordenen Brief. Sie würden mit Gegenständen beworfen oder gar nicht wahrgenommen, einige Kollegen gingen nur noch mit Handy in den Unterricht, um notfalls schnell Hilfe anfordern zu können. „Wir sind ratlos.“

Von diesem Freitag an sollen Polizisten dafür sorgen, dass keine Waffen ins Gebäude gelangen. Nach Aussage von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) wird die Schule zudem künftig von zwei Sozialarbeitern und zwei Schulpsychologen unterstützt. „Es wird keine Schule in Berlin geben, die aufgibt“, sagte der Senator am Donnerstag.

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