Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2014

13:24 Uhr

Gewalt gegen Frauen in Indien

Todesstrafe gegen Vergewaltiger bestätigt

Sie hatten eine 23-Jährige im indischen Delhi missbraucht und tödlich verletzt. Nach einem aktuellen Urteil sollen die für die global kritisierte Gewalttat verantwortlichen Männer sterben. Die Verteidiger fechten das an.

Sie wollen, dass die Männer mit dem Tode für ihre Tat bestraft werden: Demonstranten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Doch noch kann der Fall vor höhere Instanzen gehen. dpa

Sie wollen, dass die Männer mit dem Tode für ihre Tat bestraft werden: Demonstranten in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Doch noch kann der Fall vor höhere Instanzen gehen.

Neu DelhiEin Gericht in der indischen Hauptstadt Neu Delhi hat die Todesurteile gegen die Vergewaltiger und Mörder einer 23 Jahre alten Studentin aufrecht erhalten. Beide Verteidiger erklärten, sie wollten gegen das Urteil vom Donnerstag Rechtsmittel beim Obersten Gerichtshof des Landes einlegen.

Die vier Männer hatten die junge Frau im Dezember in einem Bus in Delhi entführt und nacheinander vergewaltigt. Mit einer Eisenstange verletzten sie die Inderin so sehr, dass sie zwei Wochen später an den inneren Verletzungen starb. Der Fall hatte große Proteste im Land ausgelöst und weltweit für Empörung gesorgt.

Die Mutter des Opfers sagte vor dem Gerichtssaal, erst wenn die Täter am Galgen hingen, werde die Gerechtigkeit gesiegt haben. Es sei ein barbarisches Verbrechen gewesen, das die gesamte Gesellschaft beschämt habe.

Bei der Tat am 16. Dezember 2012 waren insgesamt sechs Täter beteiligt gewesen. Einer von ihnen war im März erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden. Ein weiterer war noch minderjährig, er erhielt die Höchststrafe von drei Jahren Jugendarrest.

Chronologie zur tödlichen Vergewaltigung in Indien

16.12.2012

Eine 23 Jahre alte Physiotherapie-Studentin wird in einem privaten Bus in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt. Die Täter schlagen die Frau und einen Freund, der sie begleitet, und misshandeln sie mit zwei Eisenstangen.

17.12.

Die Polizei nimmt vier Verdächtige fest, später noch zwei weitere. Das Opfer schwebt in Lebensgefahr.

18.12.

Demonstranten gehen in mehreren Städten auf die Straße und fordern die Todesstrafe für Vergewaltiger. Die Opposition fordert im Parlament schärfere Gesetze, um Vergewaltigungen zu stoppen.

22.12.

Nach kleineren Studentenprotesten gehen in Neu Delhi Tausende auf die Straße. Die Polizei setzt Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Menge ein.

23.12.

Die Proteste schlagen in Gewalt um - laut Polizei, weil sich Krawallmacher unter die Protestierenden mischen. Es gibt mehr als 100 Verletzte auf beiden Seiten.

25.12.

Ein Polizist, der bei den Demonstrationen verletzt worden war, stirbt im Krankenhaus.

26.12.

Die indische Regierung ordnet eine Untersuchung des Falls an. Die Kommission soll mögliche Versäumnisse der Polizei und anderer staatlicher Stellen herausfinden. Sie soll auch Maßnahmen für mehr Schutz und Sicherheit von Frauen vorschlagen.

27.12.

Der Gesundheitszustand der 23-Jährigen verschlechtert sich rapide, sie erleidet Hirnschäden und wird nach Singapur in eine Klinik für Organtransplantationen ausgeflogen.

29.12.

Die junge Frau stirbt an Organversagen. Tausende demonstrieren erneut gegen sexuelle Gewalt und für mehr Frauenrechte.

30.12.

Die Leiche der vergewaltigten Inderin wird in Neu Delhi nach traditionellen Riten verbrannt. Zwischen Demonstranten und Polizei kommt es erneut zu Auseinandersetzungen.

3.1.2013

Die Justiz erhebt Anklage wegen Mordes, Vergewaltigung und Entführung gegen fünf Beschuldigte. Ihnen droht die Todesstrafe. Das Alter des sechsten Beschuldigten wird noch geprüft.

4.1.

Indiens Innenminister kündigt an, die Regierung werde Gewalt gegen Frauen künftig „mit eiserner Hand“ bekämpfen.

5.1.

In einem Interview erhebt der Begleiter des Opfers schwere Vorwürfe. Passanten hätten zunächst nicht geholfen, die Polizisten überdies wertvolle Zeit verschwendet. Die Polizei weist dies zurück.

9.1.

Der Anwalt eines Beschuldigten behauptet, sein Mandant sei von Polizisten misshandelt worden, um ein Geständnis zu erzwingen.

14.1.

Mit mehreren Anträgen versuchen die drei Anwälte der Angeklagten, den Prozessbeginn hinauszuzögern.

16.1.

Eines der neuen Schnellgerichte, die nach dem Tod der Studentin eingesetzt wurden, fällt sein erstes Urteil und verhängt die Todesstrafe. Ein Mann hatte ein Kind missbraucht und ermordet.

13.03.2014

Der Fall der 23-Jährigen wurde von einer Richterin im Januar 2013 an ein Schnellgericht in Neu Delhi übergeben, landesweit sollen 2000 neue Richter für solche Schnellgerichte eingestellt werden. Im September 2013 sprach das Schnellgericht bereits Todesurteile gegen die meisten der Angeklagten aus. Nun bestätigte ein normaler Gerichtshof in Neu Delhi die Entscheidung, welche die Verteidigung angefochten hatte.

Anwalt A.P. Singh sagte nach der Urteilsverkündung, es handle sich um ein politisches Urteil. Die Regierung wolle so Stärke im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen beweisen. Schließlich sei das jetzige Urteil, wie auch schon die Entscheidung der niedrigeren Instanz im September, kurz vor wichtigen Wahlen gesprochen worden.

Beobachter erwarten, dass der Fall durch alle Instanzen geht; außerdem ist ein Gnadengesuch beim Präsidenten möglich. In Indien wird kaum noch hingerichtet, zuletzt gab es vereinzelte Fälle in den Jahren 1995, 2004 sowie 2012 und 2013.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×