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14.01.2005

14:12 Uhr

Gewaltverbrechen

Modeschöpfer Moshammer ermordet

Der Münchener Modeschöpfer Rudolph Moshammer ist tot. Staatsanwaltschaft und Polizei gehen nach ersten Ermittlungen von einem Verbrechen aus.

Rudolph Moshammer ist tot aufgefunden worden. Foto: dpa

Rudolph Moshammer ist tot aufgefunden worden. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Moshammer sei am Freitag gegen 09.00 Uhr von seinem Fahrer tot in seinem Haus im Münchner Nobel-Vorort Grünwald aufgefunden worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Moshammer sei mit einem Kabel um den Hals entdeckt worden. „Wir müssen im Moment davon ausgehen, dass es sich um ein Verbrechen handelt“, sagte er. Moshammer, der selbst sein Geburtsjahr früher mit 1945 angegeben hatte und sich später als alterslos bezeichnete, galt als eine der schillerndsten Figuren der Münchner Schickeria. Gewalteinwirkung auf den Hals Moshammers dürfte die Todesursache sein, sagte der Polizeisprecher. „Die Auffindesituation lässt eindeutig auf ein Verbrechen schließen“, sagte er vor Journalisten vor dem Haus Moshammers in Grünwald.

Die Polizei riegelte das Grundstück ab. Auf dem Gelände sicherten Beamte in Overalls Spuren. In der Einfahrt stand ein Rolls-Royce mit den Initialen Moshammers „RM“ im Kennzeichen. Nach Angaben der Polizei wurde Moshammer von seinem Fahrer im ersten Stock der Villa entdeckt. Daraufhin habe er die Polizei alarmiert. Spuren, die auf einen Einbruch hindeuteten, seien zunächst nicht gefunden worden. Einzelheiten wollten Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Nachmittag bekannt geben.

Moshammer hatte eine schwere Kindheit

Moshammer, der wöchentlich mehrmals auf Prominenten-Partys und in der Boulevardpresse auftauchte, war auch sozial engagiert. So unterstützte er etwa Obdachlose mit Sach- und Nahrungsmittelspenden und verteilte mit seiner 1993 gestorbenen Mutter einst selbst Essen an Bedürftige unter den Isar-Brücken. Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) würdigte das soziale Engagement Moshammers. „Sein aufrichtiger Einsatz für die Menschen, die auf der Straße leben, hat mich sehr beeindruckt“, erklärte sie.

In der Öffentlichkeit erschien Moshammer stets mit seiner kleinen Hündin Daisy auf dem Arm. Mit tiefschwarzen Haaren, scheinbar gepudertem Gesicht und geschminkten Augen wirkte Moshammer auf viele häufig wie ein Schauspieler in einem Film über den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. Moshammer besaß eine Boutique für Luxusmode in der Maximilianstraße in der Münchener Innenstadt. „Eigentlich verkaufe ich Schönheit und Jugend“, soll Moshammer einmal gesagt haben.

Zuletzt machte Moshammer, der eine schwere Kindheit gehabt haben soll, publik, dass sein Jugendtraum gewesen sei, Eiskunstläufer zu werden. „Ich war fasziniert vom Eistanzen. Mein Vater hat gesagt, das kommt gar nicht in Frage. Dann hab ich heimlich Stunden genommen - bis der Vater draufgekommen ist“, sagte er vor wenigen Wochen der österreichischen Zeitung „Der Standard“. Zuletzt hatte Moshammer für die Eislauf-Show „Holiday on Ice“ einige Kostüme kreiert. Vor drei Jahren hatte er auch einmal an der deutschen Ausscheidung für den europäischen Schlager-Grand-Prix teilgenommen, war mit dem Lied „Teilt Freud und Leid“ aber chancenlos geblieben.

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