Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2011

18:46 Uhr

Ghostwriter

Die unsichtbare Branche

Doktorarbeiten aus fremden Federn? Es geht um hunderte Kunden, tausende Euro. Vor dem Berliner Landgericht gab es jetzt Einblick in eine sonst verborgene Branche.

Nicht unter jedem Doktorhut steckt immer ein kluger Kopf. Mancher hat sich für die Promotion einen Ghostwriter gesucht. Quelle: dpa

Nicht unter jedem Doktorhut steckt immer ein kluger Kopf. Mancher hat sich für die Promotion einen Ghostwriter gesucht.

Berlin Seit der Plagiats-Affäre um den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird eine Frage verstärkt erörtert: Geht es immer mit rechten Dingen zu beim Schreiben von Diplom- oder Doktorarbeiten oder existiert eine Grauzone? Am Dienstag gab es am Berliner Landgericht Einblicke in einen Bereich, der sonst eher im Verborgenen wirkt.

Zwei Firmen für wissenschaftliches Ghostwriting streiten sich in dem Prozess um die Marktführerschaft. Nun wollen sie die Sache in einem Vergleich beenden. Am 3. Mai will das Gericht eine Entscheidung bekanntgeben. „Es bringt ja nichts, sich gegenseitig alles zu zerschießen“, brachte es Kläger-Anwalt Bernd von Nieding zum Schluss auf den Punkt. Es geht um hunderte Kunden und angebliche Millionenumsätze.

Akademiker müssen ihre wissenschaftliche Arbeit selbst erstellen. Trotzdem gibt es einen Markt der Geisterschreiber, die wissenschaftliche Dienstleistungen verkaufen. Auf der Website des Berliner Klägers heißt es: „Wir sind die Guten!“. Wissenschaftliche Texte aller Art können bestellt werden sowie Dissertationen, Magister- oder Seminararbeiten.

Guttenberg war zurückgetreten, weil ein Großteil seiner Doktorarbeit aus nicht gekennzeichneten Texten fremder Autoren besteht. Die Universität Bayreuth hatte ihm deshalb den Titel aberkannt. Es gab in dem Zusammenhang auch Spekulationen über Fremdschreiber. Derzeit wird geprüft, ob Guttenberg als Doktorand vorsätzlich getäuscht hat.

Der Chef der Berliner Ghostwriting-Firma für wissenschaftliche Texte verteidigte am Rande des Prozesses sein Angebot: „Das ist sehr wohl ein ehrenwertes Geschäft.“ Die Texte seien ausschließlich Entwürfe und nur als Orientierung für die Kunden gedacht, betonte der Germanist und Unternehmensberater. Als Autoren dürften bei ihm nur solche in die Tasten greifen, die selbst einen guten Uni-Abschluss haben. Einer der Beweggründe für die wissenschaftlichen Auftragsschreiber sei wohl Langeweile in der Arbeit.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

AndreAdrian

22.03.2011, 22:45 Uhr

Ghostwriter, Doktorvatervermittler, Herrenausstatter

Die 6000 bis 10000 Euro für einen Doktorarbeit-Übungstext ist nur der Anfang für den Doktortitel ohne Schweiss und Mühe. Ein Doktorvater muss her. Auch dafür gibt es Vermittler. Billig sind die Doktorväter aus dem Ausland: Je mehr Dritte Welt umso billiger. Das ein solcher Doktortitel der Universität Mulokuck aus Waschwistan in Deutschland nicht geführt werden darf, interessiert die wenigsten Spesenritter.
Seit Buyreuth sind deutsche Doktorväter die einen Externen (gerne auch Kuckuck genannt) durchfüttern seltener geworden. Aber Geld öffnet ja bekanntlich viele Türen. Es sollte aber schon deutlich mehr als 100000 Euro sein um sich in den Club der Doktores und Doktorinas einzukaufen.
Die Logik hinter den Kauft-dir-einen-Doktorhut Spiel ist ganz einfach: Wer 6-stellige Beträge für zwei Buchstaben ausgibt muss in Geld schwimmen. Und Geld mag intelligente Leute, egro sind die Reichen auch intelligent.

Account gelöscht!

23.03.2011, 10:42 Uhr

"Und Geld mag intelligente Leute, egro sind die Reichen auch intelligent"

Ja, das sehe wir ja weltweit... .
Noch nie so einen Quatsch gelesen. Beschaffen Sie sich einen besserern Gostwriter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×