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30.07.2014

14:48 Uhr

Glücklose Glückspieler

Sechs Richtige und trotzdem weiter arm

Viele Lottospieler holen ihre Gewinne nicht ab. Im vergangenen Jahr blieben bundesweit 34,8 Millionen Euro liegen. Wie lange die Glücksspieler Zeit haben und was mit dem herrenlosen Geld passiert.

Nordrhein-Westfalens Lotto-Spieler haben im vergangenen Jahr rund 8,6 Millionen Euro Gewinne nicht abgeholt. Bundesweit waren es sogar fast 35 Millionen. dpa

Nordrhein-Westfalens Lotto-Spieler haben im vergangenen Jahr rund 8,6 Millionen Euro Gewinne nicht abgeholt. Bundesweit waren es sogar fast 35 Millionen.

Berlin/DüsseldorfDeutsche Lottospieler haben im vergangenen Jahr Gewinne in Höhe von 34,8 Millionen Euro nicht abgeholt. Das hat eine eigene Umfrage der „Bild“-Zeitung bei den 16 Lottogesellschaften der Bundesländer ergeben. Beim Deutschen Lotto- und Totoblock seien deswegen 6,6 Millionen Euro in Fonds geflossen und über bundesweite Sonderauslosungen wieder ausgespielt worden, teilte die Saarland-Sporttoto GmbH in Saarbrücken mit. 2012 waren es demnach 6,2 Millionen, im Jahr davor 5,2 Millionen.

Insgesamt geht erfolgreichen Tippern aber noch viel mehr Geld durch die Lappen. Denn: Nur Gewinne von mehr als 100.000 Euro fließen in Fonds des Deutschen Lotto- und Totoblocks, kleinere Gewinne bleiben bei den Lottogesellschaften in den Ländern. Was damit geschieht, sei in Landesgesetzen unterschiedlich geregelt, sagt Stefan Kilpper, Unternehmenssprecher von Westlotto in Münster. In einzelnen Bundesländern fließt ein Anteil auch in den Landeshaushalt.

Ein Lotto-Gewinn ist nicht ewig gültig. Kilpper verweist auf die 13-Wochen-Frist nach der Ausspielung. „Wenn ein Spieler seinen Gewinn nicht innerhalb dieses Zeitraums abholt, verfällt der Anspruch darauf“, sagt der Westlotto-Sprecher. Allein in Nordrhein-Westfalen seien im vergangenen Jahr rund 8,6 Millionen Euro nicht abgeholt worden. Darunter fielen große Beträge von mehr als 100.000 Euro, aber auch ganz kleine Beträge.

Laut Kilpper kommt es allerdings nur sehr selten vor, dass hohe Beträge nicht abgeholt werden. Der jüngste Fall bei Westlotto liegt eineinhalb Jahre zurück. Anfang 2013 hätte ein Glücksspiralen-Gewinner zwischen einer monatlichen Sofortrente von 7500 Euro und einer einmaligen Auszahlung von 2,1 Millionen Euro wählen können. Doch der oder die Glückliche wurde trotz medialer Aufrufe nicht gefunden.

In Nordrhein-Westfalen gibt es zwei Möglichkeiten, Lotto zu spielen: zum einen anonym in jeder Lotto-Annahmestelle, zum anderen online mittels einer registrierten Kundenkarte. „Wer die hat, läuft gar nicht erst Gefahr, dass sein Gewinn verfällt. Denn so haben wir die Daten des Spielers und können ihm das Geld direkt zukommen lassen.“

Wer dagegen anonym spiele, müsse auch den Original-Schein vorweisen, wenn er den Gewinn abholt. Eine Kopie oder ähnliches gelte nicht. „Außerdem haben wir schon die wildesten Ausreden gehört. Der eine hat den Schein mitgewaschen. Der andere hat ihn aus Versehen weggeworfen oder er wurde vom Hund gefressen“, erinnert sich Kilpper schmunzelnd.

Gewinne bis 1000 Euro werden in den Lotto-Annahmestellen in bar ausgezahlt. Alle anderen Beträge darüber hinaus werden überwiesen. Bundesweit spielte der Deutsche Toto- und Lottoblock im vergangenen Jahr eine Gewinnsumme von insgesamt 3,36 Milliarden Euro aus.

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