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08.09.2016

14:47 Uhr

Glücksspiel in Australien

Makabre Geschäfte mit Windhunden

VonUrs Wälterlin

Die Regierung des australischen Bundesstaates New South Wales hat Windhundrennen verboten. Die Anklage lautet auf Tierquälerei. Eine Branche, die prächtig verdient, rüstet sich zum Kampf.

Im australischen Bundesstaates New South Wales werden sie künftig nicht mehr die Köderattrappe verfolgen. Die Rennen sind künftig Geschichte. picture alliance

Windhundrennen

Im australischen Bundesstaates New South Wales werden sie künftig nicht mehr die Köderattrappe verfolgen. Die Rennen sind künftig Geschichte.

BungoniaLeone Bown ist im Dauerstress. „Putzen, desinfizieren, Klauen schneiden, die Zähne bürsten – das gehört zum Alltag im Rennstall“, sagt die Züchterin und Trainerin von Windhunden. Man hat den Eindruck, die sogenannten „Greyhounds“ seien für die Mittfünfzigerin ein Kinderersatz. In einem Laufgitter bewacht eine ebenso schlanke wie muskulöse Rüdin vier kleine Welpen.

Sogar das Kinderspielzeug fehlt nicht. „Das Mädchen hat mir schon viel Freude gemacht, und Geld“, sagt Bown, das Tier sei eine „hervorragende Rennerin“. Eine gute halbe Million Euro habe sie in die Farm im Dorf Bungonia gesteckt, etwa zwei Stunden südlich von Sydney, meint die Frau. Gehege, Unterkünfte für die Hunde, alles vom Feinsten. Sogar eine Test-Rennstrecke habe sie gebaut. „Und jetzt das“, sagt Bown, „alles kaputt. Mein Sport, meine Rente, mein Lebensstil“.

Ab Mitte kommenden Jahres wird im Bundesstaat New South Wales das Züchten, Trainieren und Rennen von Windhunden verboten sein. Das haben Regierung und Parlament beschlossen. Kein Kompromiss, kein Vergleich, kein Ausweg. Die Härte des Entscheids ist selbst für die oft hemdsärmelige Politik Australiens radikal. „Mit gutem Grund“, sagt Regierungsschef Mike Baird.

FAQ Spielsucht

Massen-Phänomen Internetabhängigkeit

In Deutschland gibt es rund 800.000 Internetanhängige. Bei 2,6 Millionen weiteren Menschen liegt Missbrauch vor. Das Diagnostische Statistische Manual ist einer der einflussreichsten Kriterienkataloge für psychische Erkrankungen. Als abhängig von Online-Spielen gilt, auf wen fünf der folgenden neun Kriterien zutreffen.

Quelle: Bert te Wildt: Digital Junkies

1

Sind Sie so in Ihre Online-Spielnutzung vertieft, dass Sie über frühere Internet-Aktivitäten nachdenken, Ihre nächsten kaum erwarten können und sie zur dominanten Aktivität des täglichen Lebens werden?

2

Leiden Sie unter Entzugssymptomen, wenn Sie nicht zum Spielen ins Internet gehen können?

3

Ist der Bedarf gestiegen, die Zeiträume der Online-Spielaktivität zunehmend auszudehnen?

4

Haben Sie schon erfolglos versucht, Ihre Online-Spielnutzung zu kontrollieren?

5

Besteht wegen Ihrer Nutzung von Online-Spielen ein Interessenverlust an früheren Hobbys und Aktivitäten?

6

Setzen Sie Ihr exzessives Online-Spielen fort, obwohl Ihnen die daraus resultierenden psychischen und sozialen Probleme bewusst sind?

7

Haben Sie schon Familienmitglieder, Therapeuten oder andere Menschen in Ihrem Umfeld über das Ausmaß Ihrer Online-Spielnutzung getäuscht?

8

Gebrauchen Sie Online-Spiele, um negativen Stimmungen – z.B. Gefühlen von Hilflosigkeit, Schuld, Angst – zu entkommen oder sie zu lindern?

9

Haben Sie wegen Ihrer exzessiven Online-Spielnutzung schon einmal eine bedeutsame Beziehung, eine Arbeitsstelle, eine Bildungs- oder Karrierechance gefährdet oder verloren?

Eine Untersuchungskommission war zum Schluss gekommen, in der Windhundeindustrie sei Tierquälerei derart verbreitet, dass der Sektor nicht mehr reguliert werden könne. 20 Prozent aller Trainer würden statt einer Attrappe aus Kaninchenfell lebende Ködertiere verwenden, um ihre Hunde beim Training auf der Rennstrecke zur Höchstleistung anzutreiben. So genanntes „Live Baiting“ ist streng verboten.

Streunender Hund

Skurrile Freundschaft: Herrenloser Hund begleitet Extremsportler auf 125-km-Lauf

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Ein Fernsehsender hatte den Skandal ans Licht gebracht. Mit versteckter Kamera aufgenommene Filme zeigten schreiende Ferkel und Kaninchen, die auf der Bahn vor den Hunden entlang gezogen werden. Holen die Hunde die Köder ein, zerreißen sie sie bei lebendigem Leib. Ein weiteres Problem ist der chronische Überschuss an Welpen aus einer Zucht, die industrielle Dimensionen hat.

Laut der Untersuchung sollen in den letzten zwölf Jahren 72.000 Welpen und erwachsene Hunde getötet worden sein, weil es an Bedarf fehlte oder die Tiere für die Rennbahn zu langsam waren. „Abfalltiere“, so der Fachausdruck. Für Züchter wie Bown, die „nie, absolut nie“ lebende Köder verwendet haben, sind solche Berichte „übertrieben“, die Verfehlungen seien „Ausnahmen“. Hunde getötet, die zu langsam waren, habe sie noch nie. „Wir finden denen ein neues Heim“, sagt sie.

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