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23.06.2017

19:04 Uhr

Grenfell Tower

Kühlschrank löste Feuerkatastrophe in London aus

Ein Kühlschrank hat den Brand des Grenfell Tower ausgelöst. Die Gebäudeverkleidung habe Sicherheitstests nicht bestanden, teilt die Londoner Polizei mit. Viele weitere britische Hochhäuser scheinen ebenfalls gefährdet.

Ein brennender Kühlschrank soll für die Katastrophe verantwortlich sein. AP

Ruine des Grenfell Tower

Ein brennender Kühlschrank soll für die Katastrophe verantwortlich sein.

LondonEin defekter Kühlschrank hat nach Erkenntnissen der Ermittler die Londoner Feuerkatastrophe mit mindestens 79 Toten ausgelöst. Zudem hätten die Fassadenverkleidung und die Isolierung des Grenfell Towers die Sicherheitstests nach dem Unglück nicht bestanden, sagte Fiona McCormack von Scotland Yard am Freitag in der britischen Hauptstadt. Es sei keine Brandstiftung gewesen.

Die Ermittler erwägen demnach eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Man sehe sich alle Unternehmen an, die am Bau und an der Sanierung des Hochhauses beteiligt gewesen seien, hieß es weiter.

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Ein britischer Abgeordneter wittert „Totschlag durch Unternehmen“. Die Ermittlungen rund um den Brand in London sind in vollem Gang. Auch ein deutscher Mittelständler lieferte nach London – und verspricht Transparenz.

Die offizielle Prüfung der Brandursache bestätigte damit nun amtlich jene Vermutungen, die schon seit dem Brand in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche in den britischen Medien kursierten.

Berichten zufolge hatte die brennbare Gebäudeverkleidung erheblich zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen. Das Hochhaus war erst vor kurzem renoviert worden. Die Behörden untersuchen allgemeine Sicherheitsverstöße und Verstöße gegen den Brandschutz, berichtete die Polizei weiter. Die Ermittler hätten Unterlagen von mehreren Organisationen beschlagnahmt, sagte McCormack.

Der verheerende Brand zerstörte nach Angaben der Bezirksverwaltung von Kensington und Chelsea 151 Wohnungen: 129 davon in dem Hochhaus selbst, 22 weitere in der unmittelbaren Umgebung. Die Bewohner von 363 Haushalten seien in Hotels innerhalb des Stadtteils oder in der Nähe untergebracht worden. Mitarbeiter der Bezirksverwaltung kümmerten sich mit den betroffenen Familien um eine dauerhafte Unterbringung der Opfer. Dafür hat die Stadt Berichten zufolge bereits 68 neue Wohnungen in der Nähe des Grenfell Tower angekauft.

Unklar ist weiterhin, wie viele Menschen genau sich in dem Hochhaus aufgehalten hatten. Was man seit der Katastrophe an sterblichen Überresten gefunden habe, sei inzwischen aus dem Gebäude gebracht worden, sagte McCormack. Die Ermittler befürchten jedoch, dass weitere Menschen in dem Sozialbau gewesen sein könnten, über die nichts bekannt sei. Berichten zufolge könnten möglicherweise zahlreiche Bewohner illegal in dem Haus gelebt haben.

Das Innenministerium habe der Polizei versichert, das es nicht am Einwanderungsstatus der Bewohner interessiert sei, hieß es weiter. „Wir wollen nur sichergehen, dass wir wissen, wer vermisst wird“, sagte McCormack. Betroffene sollten sich bei der Polizei melden.

Überlebende gehen von einer wesentlich höheren Opferzahl aus als die Behörden. Viele Freunde und Nachbarn seien seit dem Brand verschwunden, Kinder nicht mehr in Schulen aufgetaucht.

Feuer in London: Der Grenfell Tower

Bau

Das Gebäude in London wurde 1974 fertiggestellt.

Lage

Der Grenfell Tower liegt in einem hochpreisigen Bezirk Londons, dem Royal Borough of Kensington and Chelsea.

Wohnungen

Das 24-stöckige Hochhaus hat 120 Wohnungen.

Nutzung

Neben Sozialwohnungen und Büroräumen finden sich auch ein Boxclub und ein Kindergarten in dem Gebäude. Es wird im Auftrag des Bezirks verwaltet.

Management

Es wird verwaltet von Kensington and Chelsea Tenant Management Organisation (KCTMO), der größten derartigen Organisation in England, im Auftrag von Kensington and Chelsea London Borough Council.

Renovierung

Das Gebäude wurde von 2012 bis 2016 für 10 Millionen Pfund renoviert von Rydon Ltd. Dabei wurden neue Wohneinheiten geschaffen, eine neue Heizungsanlage eingebaut und die Außenwand mit einer gedämmten Vorhangfassade versehen.

Kritik der Bewohner

Im November 2016 kritisierte eine Bewohner-Organisation, die Grenfell Action Group, die KCTMO als „Mini-Mafia“. Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften würden ignoriert.

Die forensischen Untersuchungen könnten sich der Polizei zufolge bis Ende des Jahres hinziehen. Auch das alte britische Kühlschrankmodell, das das Feuer ausgelöst hat, wird genau überprüft. Der Hersteller (Hotpoint) rief Verbraucher mit einem solchen Gerät und bestimmten Seriennummern auf, sich bei einer Notfallnummer zu melden.

Die Hochhaus-Untersuchungen ziehen unterdessen weite Kreise. Experten konnten bis zum Freitagabend an mindestens 14 weiteren Gebäuden eine leicht entflammbare Verkleidung nachweisen, darunter waren Hochhäuser in Manchester und Plymouth. Hunderte weitere Gebäude werden derzeit noch auf eine mögliche Feuergefahr hin untersucht.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Frau Annette Bollmohr

23.06.2017, 12:30 Uhr

Jetzt, wo man weiß, was diese Katastrophe ausgelöst hat, weiß man wenigstens auch, was man zu tun hat, damit sie sich nicht wiederholen kann.

Auch wenn das für die Opfer natürlich kein wirklicher Trost sein kann: Immerhin.

Rainer von Horn

23.06.2017, 12:37 Uhr

Die wahre Gefahr sind nicht die Kühlschränke, sondern die verwendeten Aussenmaterialien bei der Dämmung von Gebäuden. Man googele mal "Brandgefahr durch Gebäudedämmung".

Früher wäre der Küchenbrand ein isoliertes Ereignis einer Wohnung oder Etage geblieben, heute dient die Aussendämmung als Brandbeschleuniger. Alles für´s Klima.

http://www.wiwo.de/finanzen/immobilien/waermedaemmung-brandgefahr-und-bergeweise-sondermuell/7688474-4.html

Herr Peter Spiegel

23.06.2017, 12:40 Uhr

Dank Regierung, Firmen, Behörden und Öko-Wahn kleben diese Iso-Platten überall. Es wird Zeit, daß die Platten wieder abkommen und auf den Sondermüll landen.

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