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03.01.2007

10:04 Uhr

Grenzenlose Expansion

Google packt die Welt ins Netz

VonH.-P. Siebenhaar

Google will neue Geschäfte abseits des Verkaufs von Internetwerbung erobern. Die amerikanische Suchmaschine greift sich alle Inhalte, die Nutzer mögen und attackiert mit ihrer grenzenlosen Expansion das Geschäft der Medien- und Telekomkonzerne.

Eine Aufnahme aus Google Earth. Ohne Rückgriff auf die Satellitenbilder des Konzerns geht für Kartografen bald nichts mehr.

Eine Aufnahme aus Google Earth. Ohne Rückgriff auf die Satellitenbilder des Konzerns geht für Kartografen bald nichts mehr.

DÜSSELDORF. Der frisch gebackene Telekom-Chef René Obermann wollte bei der Präsentation seiner neuen Führungsriege am Nikolaustag nichts dem Zufall überlassen. Frisch gepudert, mit einer magentafarbenen Hermés-Krawatte lächelte der neue Vorstandschef aus seinem tiefblauen Anzug gewinnend in die Journalistenrunde, um im total überfüllten Konferenzraum der imposanten Bonner Konzernzentrale Pluspunkte zu sammeln.

"T-Home auf der Basis von VDSL ist nur ein Anfang", sagte er im besten Ingenieur-Deutsch. "Wir werden das konsequent weiterverfolgen. Ich möchte heute Stichworte wie interaktives Fernsehen und die Möglichkeiten von HDTV gar nicht weiter ausführen." Wäre derzeit auch gar nicht möglich. Denn Obermann feilt mit seinen engsten Vertrauen noch an der neuen Strategie für den ins Schlingern gekommenen Telekom-Koloss.

Das superschnelle Internet namens VDSL und neue interaktive Angebote - von der Telekom unter dem Namen "T-Home" vermarktet - werden künftig eine Schlüsselrolle spielen. Ob sich damit allerdings die Deutsche Telekom an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen kann, steht in den Sternen. Nur eines ist klar: Der Wettbewerb wird noch härter und brutaler.

Denn längst konkurrieren nicht nur Telekomkonzerne untereinander. Andere Gegenspieler sind hinzugetreten. Dazu zählen auch Medienkonzerne wie Bertelsmann, deren Geschäftsinteressen denen der Telekoms entgegenstehen. Es geht um Produkte wie Filme auf Abruf, Gewinnspiele über einen schnellen Online-Anschluss oder Internetfernsehen, für die Kunden zu zahlen bereit sind. Hier liegen die strategischen Felder, auf denen Telekom - und Medienkonzerne ihre Kräfte messen werden. Der Name des anstehenden Turniers lautet: Telekom trifft auf RTL.

Die Kontrahenten vergessen bei diesem Kräftemessen, dass die eigentliche Gefahr für die beiden Branchen von Google ausgeht. Das weltgrößte Internetunternehmen greift mit seinem aggressiven Expansionskurs das Geschäftsmodell der Telekom - und der Medienindustrie gleichermaßen an.

In den USA stellt Google ein interessantes Experiment an. Werbekunden der Online-Suchmaschine können jetzt direkt Werbeplätze in den größten US-Zeitungen von der "New York Times" über "Washington Post" bis zum "Boston Globe" buchen. Warum lassen sich renommierte Blätter auf die zweifelhafte Allianz ein? Die Zeitungen sind angesichts rückläufiger Werbeerlöse und sinkender Auflage auf zusätzliche Einnahmequellen angewiesen. Die Schützenhilfe von Google ist daher hoch willkommen. Doch sie erfolgt nicht ohne Risiko für die Printmedien. Google gewinnt dadurch an Marktmacht. Die Blätter könnten angesichts der cleveren Verbindung zwischen Online- und Offlinewerbung schnell in eine Abhängigkeit geraten.

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