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08.05.2015

14:09 Uhr

Großbritannien-Wahl

20-Jährige sticht Labour-Außenexperten aus

Sie ist das jüngste Parlamentsmitglied seit 1667: Mhairi Black geht für die Schottische Nationalpartei nach London. Bereits im Wahlkampf macht die Studentin klar, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt.

Während des Wahlkampfs setzt die 20-Jährige auf Heimatverbundenheit. AFP

Mhairi Black

Während des Wahlkampfs setzt die 20-Jährige auf Heimatverbundenheit.

PaisleyMit ihren 20 Jahren ist Mhairi Black künftig nicht nur die jüngste Abgeordnete im britischen Unterhaus – sie wird auch das jüngste Parlamentsmitglied im Westminster-Palast seit 1667 sein. Eingeschüchtert ist die junge Schottin dadurch kein bisschen: Die Vertreterin der Schottischen Nationalpartei (SNP) findet, dass sich die anderen Abgeordneten in London eher für das rechtfertigen müssen, was sie in den vergangenen Jahren getan beziehungsweise nicht getan haben.

Black, die ihren Vornamen „Mary“ ausspricht, gewann bei der britischen Parlamentswahl den Wahlkreis Paisley and Renfrewshire South – und stach damit Douglas Alexander aus – den Wahlkampfmanager der Labour-Partei. Vor der Abstimmung hatte die forsche Studentin den Außenpolitik-Experten einen „Karrierepolitiker“ geschimpft – einen, der sich nie in seinem Wahlkreis nahe Glasgow habe sehen lassen. Darüber hätten die Menschen bei ihr im Wahlkampf geklagt. Sie selbst demonstrierte Heimatverbundenheit – auch über ihre Begeisterung für den Glasgower Fußballverein Partick Thistle.

Das sind die Parteien in Großbritannien

Neues Parlament wird gewählt

In wenigen Tagen wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Dabei werden sich Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Ed Miliband voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Traditionell wünscht man sich einen klaren Sieger, eine Partei, die absolute Mehrheit im Unterhaus hat. Stattdessen sich alle möglichen Kombinationen denkbar. Das sind die Parteien in Großbritannien:

Die Konservativen

Weniger Arbeitslose und eine gute Konjunktur, Senkung des Haushaltsdefizits um ein Drittel – eigentlich müsste Premierminister David Cameron die Wahl entspannt angehen. Die Konservative Partei (Conservative Party) liegt derzeit bei 33 Prozent, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Ein Sieg könnte zu einer Niederlage für Europa werden.

Labour Partei

Im Gegensatz zu Cameron bekennt sich sein größter Herausforderer Labour Parteichef Ed Miliband klar zur EU. Die Sozialdemokraten kommen aktuell auf 34 Prozent. Sollte er bei der Unterhauswahl neuer Premierminister werden, will Miliband kein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten.

Ukip

Die UK Independence Party ist eine EU-skeptische und rechtspopulistische Partei, deren Hauptziel der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ist. Parteivorsitzender ist Nigel Farage. Die EU-Gegner der Ukip liegen der Umfrage zufolge bei 14 Prozent.

Die Liberaldemokraten

Die Liberaldemokraten (Liberal Democrats), mit denen David Cameron bei einem Sieg koalieren würde, liegen bei acht Prozent. Vorsitzender ist Nick Clegg. Er warnte zum Beispiel vor den schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs für die britische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten (SNP)

Die schottischen Nationalisten (Scottish National Party) setzen sich für ein unabhängiges Schottland ein. Die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, wirbelt derzeit Großbritanniens Politik durcheinander. Die Partei kommt auf nur vier Prozent.

Die Grünen

Wenn es nach den Plänen der britischen Grünen (Green Party) geht, soll die Monarchie abgeschafft werden, die Mitgliedschaft in Terrororganisationen strafffrei sein und Drogen legalisiert werden. Im Wahlprogramm der Vorsitzenden Natalie Bennet geht es natürlich um den Umweltschutz. Die Grünen liegen der Umfrage zufolge bei fünf Prozent.

Andere Parteien

Außerdem stellen sich zur Wahl: die walisische Regionalpartei Plaid Cymru sowie die nordirischen Parteien Democratic Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Alliance Party und Unabhängige und die katholische nordirische Partei Sinn Féin. Laut der YouGov-Umfrage liegen diese Parteien insgesamt bei drei Prozent.

Die Studentin der Glasgower Universität wuchs in einer Familie von Labour-Anhängern auf. Doch die Partei hat sich ihrer Meinung nach mittlerweile zu sehr von ihren linken Wurzeln und den Menschen entfernt. Dass es in ihrem Wahlkreis zahlreiche Probleme gibt, weiß Black eindringlich zu berichten. Seit Jahrzehnten befinde sich ihre Heimatstadt im Abstieg, erzählt die Studentin. Einer von fünf Einwohnern lebe mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze, eine von drei Familien sei gezwungen, ihre Lebensmittel von Wohlfahrtsorganisationen zu beziehen.

Sie selbst habe nicht kandidiert, um Karriere zu machen, versichert die junge Frau mit dem blonden Haar und dem offenen Lächeln. „Ich verabscheue diese Idee. Ich will nur helfen“, sagte sie der Zeitung „The Times“. Ihren Kritikern, die ihr mangelnde Erfahrung vorwerfen, entgegnet sie, dass sie immerhin alt genug sei, um Steuern zu zahlen und in den Krieg zu ziehen.

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Zu ihrem bisherigen politischen Engagement gehört laut der Website der SNP der Kampf gegen den Irak-Krieg und die Arbeit für die Hilfsorganisation Oxfam. Zudem zählt Black zu den Schotten, die sich im vergangenen Jahr vehement für eine Abspaltung von Großbritannien eingesetzt haben. Die Kampagne habe das Denken in Schottland verändert, sagt Black. „Bis dahin hieß es immer 'Stimmt für Labour, haltet die Tories draußen', aber dann kam das Referendum und plötzlich wachten alle auf.“

Dass das Referendum dennoch verloren ging, hat Black nicht entmutigt. „Das heißt nicht, dass der Traum gestorben ist.“ Die Unterstützung für die SNP ist seitdem enorm gewachsen. Die Partei, die nur in Schottland antrat, konnte ihre Sitze im britischen Unterhaus von sechs auf 56 fast verzehnfachen. Und die dadurch nun gestärkte schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon hat schon im Wahlkampf nicht ausgeschlossen, noch einmal ein Referendum anzusetzen.

Von

afp

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