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14.06.2017

21:05 Uhr

Großbritannien

Zwölf Tote bei Großbrand in Hochhaus

London kommt nicht zur Ruhe. Nach dem Terror erschüttert ein Hochhausbrand mit bisher zwölf Toten die Briten. Um dem Flammentod zu entkommen, springen Menschen in die Tiefe oder werfen sogar ihre Kinder herunter.

Mindestens 30 Verletzte

Londoner Hochhaus-Brand: Genaue Zahl der Toten noch unklar

Mindestens 30 Verletzte: Londoner Hochhaus-Brand: Genaue Zahl der Toten noch unklar

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LondonBei einem gewaltigen Brand in einem Hochhaus im Zentrum Londons sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Dutzende weitere wurden verletzt. Die Zahl der Todesopfer dürfte nach Einschätzung von Scotland Yard vom Mittwochabend weiter steigen. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden mindestens 79 Patienten in Kliniken behandelt, 18 von ihnen seien in einem kritischen Zustand. Die Ursache des Brands in dem 24-stöckigen Gebäude blieb zunächst unklar.

Die Polizei rechnete am Mittwochabend nicht mehr damit, weitere Überlebende in dem Gebäude zu finden. „Leider erwarte ich nicht, dass es noch mehr Überlebende geben wird“, sagte Stuart Cundy von der Londoner Polizei. Einige Menschen würden aber noch immer vermisst. Eine genaue Zahl nannte Cundy nicht.

Das Feuer war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen. Augenzeugen berichteten von Schreien. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Eltern warfen demnach in ihrer Verzweiflung Kinder aus dem brennenden Hochhaus. Eine Mutter habe ihren Säugling aus dem „neunten oder zehnten Stock“ geworfen, sagte eine Augenzeugin der britischen Nachrichtenagentur PA. Ein Mann habe den Säugling gefangen.

Trümmerteile flogen aus dem Gebäude, wie ein dpa-Reporter berichtete. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei sperrte alle Wege weiträumig ab. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen. Für Bewohner wurden Notfallzentren eingerichtet.

Der Rettungseinsatz wird nach Angaben der Polizei noch mehrere Tage dauern. „Wir bleiben hier, bis die Arbeit getan ist. (...) Wir planen über Nacht hierzubleiben“, sagte ein Sprecher der Londoner Feuerwehr am Mittwochabend. Der Brand sei noch nicht gelöscht.

Am frühen Morgen stand das Gebäude im Stadtteil Kensington noch lichterloh in Flammen. Nach der Katastrophe ist das Hochhaus entgegen ersten Befürchtungen nicht einsturzgefährdet. Spezialisten hätten den Sozialbau untersucht und für weitere Lösch- und Bergungsarbeiten sicher befunden, teilte die Feuerwehr am Abend mit.

Die Feuerwehr teilte mit, dass 65 Menschen aus den Flammen gerettet worden seien. Die Brandschützer hätten inzwischen alle 24 Stockwerke des Gebäudes erreicht, sagte ein Sprecher am Abend. Medienberichten zufolge sollen sich bis zu 600 Menschen in dem Sozialbau befunden haben, als das Feuer ausbrach.

Feuer in London: Der Grenfell Tower

Bau

Das Gebäude in London wurde 1974 fertiggestellt.

Lage

Der Grenfell Tower liegt in einem hochpreisigen Bezirk Londons, dem Royal Borough of Kensington and Chelsea.

Wohnungen

Das 24-stöckige Hochhaus hat 120 Wohnungen.

Nutzung

Neben Sozialwohnungen und Büroräumen finden sich auch ein Boxclub und ein Kindergarten in dem Gebäude. Es wird im Auftrag des Bezirks verwaltet.

Management

Es wird verwaltet von Kensington and Chelsea Tenant Management Organisation (KCTMO), der größten derartigen Organisation in England, im Auftrag von Kensington and Chelsea London Borough Council.

Renovierung

Das Gebäude wurde von 2012 bis 2016 für 10 Millionen Pfund renoviert von Rydon Ltd. Dabei wurden neue Wohneinheiten geschaffen, eine neue Heizungsanlage eingebaut und die Außenwand mit einer gedämmten Vorhangfassade versehen.

Kritik der Bewohner

Im November 2016 kritisierte eine Bewohner-Organisation, die Grenfell Action Group, die KCTMO als „Mini-Mafia“. Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften würden ignoriert.

Das Gebäude wurde 1974 erbaut und war von 2014 bis 2016 saniert worden. In dem brennenden Hochhaus hatte es bereits Beschwerden über unzureichenden Brandschutz gegeben. Die Baufirma Rydon reagierte schockiert auf den Hochhausbrand. Sie war für die Sanierung zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und die sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma mit.

Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. „Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden.“ Scotland Yard erklärte auf Anfrage, dass es sich bei der Brandursache nicht um einen Terroranschlag handele.

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich nach eigenen Worten „tief betroffen von den tragischen Todesfällen“. Die Bundesregierung würdigte den Kampf der Rettungskräfte gegen die Flammen. „Es ist heroisch, wie die Feuerwehr gegen den Brand um das Leben der Menschen, die sich noch in dem Haus befinden, kämpft“, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Demnach ging der erste Notruf um 00.54 Uhr (Ortszeit) ein. Im Einsatz waren 200 Feuerwehrkräfte und 40 Löschfahrzeuge. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Feuerwehrleute verletzt, sagte Feuerwehrchefin Cotton.

Von

dpa

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