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04.01.2006

09:24 Uhr

Grubenunglück in USA

Aus Überlebenden werden Tote

Die Angehörigen sprachen schon von einem Wunder: 12 der 13 nach der Grubenexplosion im US-Staat West Virginia vermissten Bergleute sollten gerettet worden sein. Alles nur ein Missverständnis heißt es nun. Die Wahrheit ist grausam.

Nur mit Atemschutz konnten die Retter zu den Verschütteten vordringen. Im eingestürzten Stollen hatten sich giftige Gase angesammelt. Foto: AP

Nur mit Atemschutz konnten die Retter zu den Verschütteten vordringen. Im eingestürzten Stollen hatten sich giftige Gase angesammelt. Foto: AP

HB TALLMANSVILLE. Bei dem schweren Minenunglück in der amerikanischen Kohlegrube von Tallmansville ist entgegen ersten Medienberichten doch nur 1 Bergmann gerettet worden. Das bestätigte ein Sprecher der Bergbaugesellschaft am Mittwoch. Gouverneur Joe Manchin hatte zuvor erkklärt, 12 Männer seien noch am Leben, einige bräuchten allerdings ärztliche Hilfe.

Ein 13. vermisster Kumpel war nach Angaben der Betreiberfirma International Coal Group (ICG) bereits tot aufgefunden worden. Die Leiche des getöteten Minenarbeiters sei noch nicht identifiziert, sagte eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des Roten Kreuzes am Dienstag. Der Körper sei relativ dicht am Unglücksort gefunden worden, teilten die Behörden mit. Es habe den Anschein, als sei der Mann von dem Fahrzeug gefallen, mit dem die Bergleute vom Ort der Explosion flohen. Die anderen zwölf Kumpel seien tiefer in dem Bergwerk gefunden worden.

In einer Kirche nahe des Kohlebergwerk Sago, in der sich hunderte Verwandte und Freunde der Vermissten versammelt hatten, läuteten nach der Falschmeldung über die Rettung die Glocken. Angehörige brachen in Jubel und Freudentränen aus und riefen: „Sie sind am Leben!“ „Es geschehen Wunder in West Virginia, und heute erleben wir eines“, sagte Charlotte Weaver, deren Ehemann Jack unter den Vermissten war. „Ich hatte oft Angst, aber ich konnte nicht aufgeben. Wir haben einen elfjährigen Sohn, und ich konnte nicht nach Hause gehen und ihm sagen: „Daddy kommt nicht nach Hause'.“ Die Freude wich nun der Trauer.

Das Kohlebergwerk Sago 160 Kilometer nordöstlich von Charleston in West Virginia war am Montagabend bei einer vermutlich von einem Blitzschlag ausgelösten Explosion teilweise eingestürzt. Sechs Bergarbeiter konnten sich retten.

In dem Bergwerk werden nach Angaben der Betreiberfirma ICG jährlich 800 000 Tonnen Kohle produziert. Bei einer Betriebsprüfung Ende vergangenen Jahres wurden 46 Sicherheitsmängel aufgedeckt.

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