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18.01.2004

00:01 Uhr

Aus aller Welt

Hagens soll Körper von Hingerichteten verwendet haben

Der umstrittene Präparator Gunther von Hagens soll jahrelang mit Leichen chinesischer Häftlinge gehandelt haben. Darunter sollen auch die Körper exekutierter Gefangener gewesen sein.

HB BERLIN. Bei der umstrittenen Ausstellung "Körperwelten" wurden laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" möglicherweise auch die Leichen chinesischer Häftlinge verwendet. Ausstellungsmacher Gunther von Hagens habe offenbar über Jahre hinweg mit Leichen gehandelt. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft prüft deshalb jetzt nach den Worten von Oberstaatsanwältin Elke O'Donoghue die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens.

Laut "Spiegel" hat von Hagens für die Herstellung seiner Präparate auch Körper von chinesischen Strafgefangenen benutzt, die hingerichtet worden seien. Einer Inventurliste vom November 2003 zufolge hätten in seiner Firma "Von Hagens Plastination Ltd." im chinesischen Dalian insgesamt 647 "Ganzkörper" gelagert, die für Ausstellungen und den Verkauf an Universitäten aufbereitet werden sollten.

Dagegen habe Hagens immer angegeben, bislang lediglich 250 Leichen von "Körperspendern" erhalten zu haben. Laut "Spiegel" ist das nicht der Fall: Unter den in Dalian gelagerten Körpern hätten sich offenbar auch die sterblichen Überreste von hingerichteten Strafgefangenen befunden.

Nach internen Geschäftsunterlagen seien im Dezember 2001 die Leichen eines junges Mannes und einer jungen Frau angeliefert worden, die nur kurze Zeit zuvor exekutiert worden waren. So wiesen die Köpfe der Toten "ein Einschussloch" auf, schreibt das Wochenblatt.

Hagens räumte gegenüber dem "Spiegel" ein, dass Mitarbeiter seines Unternehmens die Leichen damals angenommen hätten. Er selbst sei über den Vorgang allerdings "entsetzt" gewesen und habe die Mitarbeiter später entlassen.Die Sprecherin des Instituts für Plastination, das der Leichenpräparator in Heidelberg betreibt, wollte sich zunächst nicht weiter zu den Vorwürfen äußern. Sie kündigte jedoch für voraussichtlich Donnerstag eine Pressekonferenz in Frankfurt an, wo Hagens' Leichenschau „Körperwelten“ derzeit gezeigt wird."

Die Ausstellung "Körperwelten" mit plastinierten Leichen und Leichenteilen wurde nach ihrem Auftakt 1996 in Japan unter anderem in Mannheim, Basel, Berlin, Köln und Brüssel gezeigt. In München war sie 2002 erst nach einem Gerichtsurteil zu sehen gewesen, das ein Verbot der Stadt München aufgehoben hatte.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg beantragte unterdessen in einem separaten Verfahren einen Strafebefehl über 120 Tagessätze gegen Hagens wegen missbräuchlicher Verwendung eines Professorentitels. Hagens habe zwischen Februar 2002 und August 2003 in fünf Fällen Schriftstücke als Professor Gunther von Hagens unterzeichnet, obwohl er dazu ohne Verweis auf die Herkunft des Titels nicht berechtigt gewesen sei, erklärte die Behörde.

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