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13.01.2010

17:33 Uhr

Haiti

Apokalypse trifft ein Land im chronischen Chaos

VonKlaus Ehringfeld

Als der Morgen über Port-au-Prince graut, zeichnet sich erst das ganze Ausmaß der Tragödie ab. Kurz nach halb sechs, gut zwölf Stunden nachdem die Erde bebte, liegt noch immer eine dichte und dicke Staubwolke über der Millionenstadt. Nach und nach gibt sie den Blick frei auf apokalyptische Bilder.

Nach dem Beben haben Millionen Menschen in Haiti kein Dach mehr über dem Kopf. Reuters

Nach dem Beben haben Millionen Menschen in Haiti kein Dach mehr über dem Kopf.

HB MEXIKO-STADT. Vom Armutsviertel Cité Soleil unten am Hafen, über den nahen Flughafen bis in den einige Kilometer entfernten, bürgerlichen Vorort Pétionville bietet sich ein Bild der Zerstörung. Leichen liegen auf den Straßen, Kinder und Erwachsene flehen in den Trümmern eingestürzter Häuser um Hilfe. Menschen irren blutend und weinend durch die Straßen, auf der Suche nach Hilfe.

Erste vorsichtige Schätzungen von Entwicklungshelfern und Augenzeugen sprechen von mehreren tausend Toten. Der haitianische Regierungschef Jean-Max Bellerive sprach von mehr als 100 000 Toten. Auch Michael Kühn, Chef der Deutschen Welthungerhilfe in Port-au-Prince, sagte, er rechne mit "einer erschreckend hohen Zahl" an Toten. In einer großen Welle der Solidarität laufen riesige Hilfswellen an.

Das Erdbeben der Stärke 7,1 traf am Dienstagnachmittag ein Land, das ohnehin schon am Rande des Kollapses lebte. Haiti, das sich mit der Dominikanischen Republik die Insel Hispaniola teilt, ist der ärmste Staat der westlichen Hemisphäre und war schon vor dem Erdbeben nur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft überlebensfähig. Einen funktionierenden Staat gibt es nicht. Die Zwei-Millionen-Stadt Port-au-Prince gleicht einem gigantischen Armenviertel. Viele Menschen leben auf den Straßen. Selbst einfachste Funktionen wie die Müllabfuhr kann der Staat in Haiti nicht sicherstellen. Das Land ist ein Stück Afrika in Lateinamerika und gleicht Sierra Leone sehr viel mehr als der benachbarten Dominikanischen Republik.

Als die Erde in Haiti bebte, saß Astrid Nissen gerade am Computer in ihrem Büro in Juvenat, einem Stadtteil zwischen dem Zentrum und Pétioviille. Es war kurz vor 17 Uhr am Dienstagnachmittag. Nissen, Leiterin des Projektbüros Haiti der Diakonie Katastrophenhilfe, suchte umgehend mit einer Kollegin Schutz, andere Mitarbeiter rannten in Panik auf die Straße, um sich zu retten.

Das Epizentrum des schwersten Bebens in den vergangenen 200 Jahren lag in Carrefour im Süden der Hauptstadt, kaum 15 Kilometer von Nissens Büro entfernt, "Die Erdstöße dauerten mindestens 30 Sekunden, 10 Sekunden waren heftig", sagte die Entwicklungshelferin über das Internet-Portal Skype, denn unmittelbar nach dem Beben brachen alle Telefonleitungen zusammen. Die Katastrophe ließ den schneeweißen Präsidentenpalast im Zentrum von Port-au-Prince in sich zusammensacken und die Kathedrale zusammenbrechen. Mehrere Krankenhäuser und Hotels sowie das Hauptquartier der Uno-Mission MINUSTAH in Haiti wurden zerstört. Tausende Menschen werden vermisst.

Kommentare (1)

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18-formatic

13.01.2010, 19:32 Uhr

Nachruf für Haitiopfer.

Mehr oder wenige ist jeder Abschied
im Leben wie ein kleiner Tod.
Von Mal zu Mal lässt uns das Leben
verwunderter zurück.
Das Abschied nehmen,das Fortgehen,
das zurückbleiben und Loslassen -
all das macht unsere Seele wund.

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