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20.01.2010

12:55 Uhr

Haiti-Katastrophe

Schweres Nachbeben sorgt für Panik

Ein schweres Nachbeben hat für Panik auf den Straßen von Port-au-Prince gesorgt. Unterdessen bauen die USA ihre Präsenz in dem zerstörten Karibikstaat weiter aus, Ende der Woche werden etwa 10 000 uniformierte Amerikaner im Land unterwegs sein – Doch die wahren Interessen der Helfer bleiben im Unklaren.

Ein Nachbeben erschütterte die Notquartiere Haitis. dpa

Ein Nachbeben erschütterte die Notquartiere Haitis.

HB PORT-AU-PRINCE. Das Nachbeben, das am Mittwoch mit einer Stärke von 6,1 nochmals Haiti erschütterte, hat nach ersten Erkenntnissen keine größeren Schäden angerichtet. „Überall heulen die Sirenen, aber es gibt keine Informationen, dass es Opfer oder Schäden gegeben hat“, sagte eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation HELP am Mittwoch.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte lag des Zentrum des Bebens etwa 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince in einer Tiefe von knapp zehn Kilometern. Das Nachbeben hatte bei vielen der von dem verheerenden Beben von vor einer Woche ohnehin traumatisierten Menschen in Haiti Panik ausgelöst.

Tausende Haitianer aus den Behelfsunterkünften vor dem Präsidentenpalast beobachten gespannt, wie US-Soldaten auf dem Rasen vor der zerstörten Machtzentrale landen. Die USA und Haiti verbindet eine turbulente Vergangenheit.

Die Menschen, die nach dem Erdbeben in der vergangenen Woche von ihrer eigenen Regierung ihrem Schicksal überlassen worden waren, sind jetzt aber überzeugt, dass nur die USA sie beschützen und ihr Land wieder an die Normalität heranführen können. „Ich bin glücklich, dass die Amerikaner hier sind. Sie helfen den Leuten und stabilisieren die Lage“, sagt Cadet Luxon, ein Lehrer. Auf die Frage, warum er die Möglichkeiten der Amerikaner so optimistisch einschätze, meint er: „Haitianer haben Angst vor den Soldaten - sie wissen, dass die nicht spielen.“

Die Soldaten der 82. Luftdivision gehen nach ihrem Eintreffen am Dienstag erstmal zum größten Krankenhaus der Hauptstadt. Die Klinik habe um Schutz gebeten, damit die Hilfe für die Verletzten ungestört weitergehen könne, sagt Leutnant Ryan Smedile der Deutschen Presse- Agentur dpa. Allein das Hospital werde nun von 80 Soldaten bewacht. „Wir brauchen die Truppen, damit sie die Massen kontrollieren“, sagt Dr. Jean Louis Dupiton. Tausende hätten versucht, in das Gebäude einzudringen. Sie suchten Lebensmittel und Wasser. „Uns war es völlig unmöglich, unsere Arbeit zu machen und die Schwerverletzten zu versorgen.“

Draußen scharen sich die Massen der Obdachlosen schnell um die Soldaten und starren sie an. Noch vor ein paar Tagen war es gefährlich, hier herumzulaufen. Immer wieder kam es in der Nachbarschaft zu Schießereien. Jetzt pirscht sich ein Junge vorsichtig an die Amerikaner heran und fragt, was er wohl tun könne, um in die US-Armee einzutreten. Luxon, der Lehrer schätzt seine eigene Zukunft eher düster ein, denn das Erdbeben hat so ziemlich alle Schulen in Port-au-Prince zerstört - und ebenso das Erziehungsministerium. „Die Regierung kann nichts für das Land machen. Die Haitianer brauchen das amerikanische Volk, andernfalls kriegen die Haitianer das nicht in den Griff“, sagt Luxon. Derzeit hilft er der Polizei, die Menschen bei einer Rettungsstation in La Ville zu kontrollieren, eine Region, die immer noch besonders von Gewalt heimgesucht wird.

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