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23.01.2010

14:59 Uhr

Haiti

Suchaktion beendet – erste Helfer kehren zurück

Die Suche nach Überlebenden ist weitgehend beendet, erste deutsche Katastrophenhelfer kehren nach einwöchigem Einsatz zurück. Die Lage entspannt sich etwas, Supermärkte und Banken öffnen wieder. Doch von Normalität kann längst noch nicht die Rede sein.

Deutsche Katastrophenhelfer auf der Suche nach Überlebenden. Reuters

Deutsche Katastrophenhelfer auf der Suche nach Überlebenden.

HB PORT-AU-PRINCE/PARIS/NEW YORK. Eineinhalb Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit möglicherweise bis zu 200 000 Toten gab es am Freitag erste Anzeichen für eine leichte Entspannung der Lage. Dank der gigantischen internationalen Hilfsaktion und der unermüdlichen Arbeit tausender Helfer vor Ort konnte das Leiden der bis zu drei Mio. Überlebenden etwas gelindert werden. Erstmals öffneten am Freitag auch wieder Banken ihre Schalter. Und wie durch ein Wunder konnten nach so langer Zeit noch zwei weitere Opfer lebend unter den Trümmern gefunden werden.

Unterdessen empfing die französische Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy 33 Kinder aus Haiti, die von französischen Eltern adoptiert worden waren. Das UN-Kinderhilfswerks Unicef warnte jedoch dringend vor den zwar gut gemeinten, aber für die Kinder äußerst zweifelhaften Auslandsadoptionen.

Adoptionen keine Hilfe

"Selbst legale Adoptionen sind in aller Regel keine Hilfe", betonte Unicef in New York. "Alle Hilfsorganisationen sind sich einig, dass man die Kinder in ihrer Umgebung lassen soll. Helft ihnen, aber tut es da, wo sie sind", sagte ein Mitarbeiter im UN-Hauptquartier. "Es ist verständlich und ja auch gut, dass viele den Menschen helfen wollen und gerade den Kindern. Doch wenn man sie aus ihrem Umfeld reißt, wie hart dieses auch sein mag, hilft man ihnen nicht."

Unicef lägen Meldungen vor, dass in den vergangenen Tagen mehrere Flüge mit Kindern das Erdbebengebiet verlassen haben. Ziele seien Europa und die USA gewesen. Auch seien 15 Kinder aus Krankenhäusern "verschwunden". Bei Familienmitgliedern seien sie nicht, sagte Sprecher Jean Luc Legrand in Genf. Er hatte vor einer Lockerung der Adoptionsregeln gewarnt; Menschenhändler würden die Lage nach Naturkatastrophen oft für ihre Zwecke ausnutzen. Unicef bereite sich auf die Versorgung von 500 000 Kindern in Haiti vor.

Französische Adoptionen schon vor Beben genehmigt

Die Adoptionen der von Bruni-Sarkozy empfangenen Kinder waren bereits vor dem Erdbeben genehmigt worden. Die Familien warteten nur noch auf ein Visum für die Kinder. Paris hatte Anfang der Woche angekündigt, die Adoptionsverfahren beschleunigen zu wollen.

Französische Elternvereine hatten seit Tagen darauf gedrängt, die Kinder aus der Not nach dem Erdbeben zu retten.

Mit dem Schicksal von Kindern befassten sich auch die 27 Euro-Staaten. Sie wollen bei Adoptionen von Waisenkindern aus dem Erdbebengebiet in Haiti gemeinsam vorgehen. "Wir denken über eine europäische Lösung nach", sagte der zuständige EU-Kommissar Jacques Barrot im spanischen Toledo.

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