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27.01.2010

10:53 Uhr

Haiti

Überlebender zwölf Tage nach Beben gerettet

Obwohl inzwischen beinahe zwei Wochen seit dem verheerenden Beben auf Haiti vergangen sind, finden Hilfskräfte noch immer Überlebende: Am Samstag rettete das US-Militär einen jungen Mann, nun wurde wieder ein Verletzter unter den Trümmern eines Hauses entdeckt. Die Menschen im Land leben unterdessen im Elend, ihre Versorgungssituation ist noch immer unbefriedigend.

HB PORT-AU-PRINCE. Wie durch ein Wunder ist ein Mann in Haiti nach zwölf Tage aus den Trümmern eines Hauses gerettet worden. Nach Mitteilung des US-Militärs wurde der 31-jährige Mann am Dienstag (Ortszeit) eher zufällig bei Aufräumarbeiten entdeckt. Der Mann war nicht bei dem ersten schweren Erdstoß der Stärke 7,0 am 12. Januar verschüttet worden. Zuerst hatte es so ausgesehen, als ob Ricot Duprévil bereits zwei Wochen lang in dem Schutt gelegen hatte.

Die US-Soldaten seien damit beschäftigt gewesen, Trümmer beiseite zu räumen, als sie den Mann entdeckten. Er habe ein gebrochenes Bein und leide an Austrocknung. Duprévil werde von US-Medizinern behandelt, hieß es in Mitteilung des US-Militärs.

Bereits vergangenen Samstag war elf Tage nach dem Beben noch der junge Wismond Exantus aus den Trümmern eines zusammengestürzten Gebäudes gerettet worden. Zuvor hatte er mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam gemacht. Auch er hatte unter der Ruine nur so lange überleben können, weil er in einem Hohlraum eingeschlossen war und Getränke und Essen fand. Bei dem Beben kamen nach Schätzungen der haitianischen Regierung etwa 150 000 Menschen ums Leben. Die Zahl der Toten dürfte jedoch noch steigen.

UNICEF plant unterdessen zusammen mit der Regierung von Haiti eine riesige Impfkampagne. Ziel sei es, 600 000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren gegen Masern, Tetanus und Diphtherie zu immunisieren, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Paris mit. Die Verteilung von Wasser und Essen an vom Erdbeben betroffene Familien laufe unterdessen weiter auf Hochtouren.

Haitianische Polizisten versuchten am Dienstag mit Warnschüssen, die Plünderung von Lebensmittellastwagen zu verhindern. Ein Konvoi von drei mit Reis beladenen Kleinlastern fuhr in der Hauptstadt Port- au-Prince an einem der Obdachlosen-Camps vorbei, als plötzlich Hunderte junger Männer und Frauen auf die von Polizisten bewachten Lastwagen zustürmten, und begannen, Reissäcke von den Ladeflächen zu zerren. Sie ließen sich von den zahlreichen Schüssen nicht beeindrucken. Verletzt wurde niemand. „Unser größtes Problem bei der Verteilung von Lebensmitteln ist, dass wir nicht genügend Sicherheitskräfte haben“, sagte der Sprecher der UN-Mission auf Haiti, MINUSTAH, der brasilianische Oberstleutnant Fernando Pereyra.

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