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14.04.2012

13:22 Uhr

Halifax

Der Friedhof der Titanic-Opfer

VonGerd Braune

Die kanadische Küstenstadt Halifax ist wie wenige andere Orte auf der Welt mit dem Untergang des Luxusdampfers verbunden. Dort sind die Opfer der Titanic-Tragödie begraben. Heute ist Halifax beinahe eine Pilgerstätte.

Auf dem Fairview Lawn Friedhof in Halifax sind 150 Opfer der gesunkenen Titanic begraben. Sie starben in den eisigen Fluten des Atlantiks. dapd

Auf dem Fairview Lawn Friedhof in Halifax sind 150 Opfer der gesunkenen Titanic begraben. Sie starben in den eisigen Fluten des Atlantiks.

HalifaxKeine Orte sind näher an der Titanic-Katastrophe als die kanadischen Städte St. John´s in Neufundland und Halifax in Neuschottland. Auf Cape Race südlich von St. John´s wurde der Hilferuf „CQD“ der Titanic aufgefangen, nach Halifax wurden die aus dem eisigen Ozean geborgenen Todesopfer gebracht. Beide Städte gedenken der Tragödie und sind Anlaufstelle für Titanic-Touristen aus aller Welt.

Nicht weit vom Leuchtturm von Cape Race entfernt, an der Südspitze der Avalon-Halbinsel von Neufundland, war wenige Jahre zuvor eine Marconi Wireless Station errichtet worden, benannt nach dem italienischen Ingenieur Guglielmo Marconi, der im Jahr 1901 auf dem Signal Hill, einer Anhöhe bei St. John´s, das erste transatlantische Signal aufgefangen hatte, das von einer Sendeanlage in Poldhu in Cornwall gesendet worden war.

Von Cape Race aus gingen in jener Nacht die Informationen über die Havarie und den bald darauf folgenden Untergang der Titanic in alle Welt. Aber selbst der Dampfer „Carpathia“, der den Notruf direkt von der Titanic empfangen hatte, kam zu spät. Die Carpathia brauchte vier Stunden bis an den Unglücksort und konnte nur noch diejenigen aufnehmen, die einen Platz in den Rettungsbooten bekommen hatten.

Zahlen und Fakten zur „Titanic“

Rekord

Die „Titanic“ ist bei ihrem Stapellauf 1911 das größte Schiff der Welt - 269 Meter lang, 28 Meter breit und 53 Meter hoch. Die Maschinenleistung liegt bei 51 000 PS. Der Bau der „Titanic“ kostet zehn Millionen Dollar - das entspricht heute einer Kaufkraft von rund 160 Millionen Euro. In ein Alarmsystem hat die britische Reederei White Star Line nicht investiert. Die „Titanic“ gilt als „unsinkbar“.

Luxusdampfer

Die luxuriöse Ausstattung der Ersten Klasse ist den Erbauern der „Titanic“ besonders wichtig. Nur Millionäre können sich eine Suite leisten. Sie zahlen für die Fahrt von England nach New York 4400 Dollar - das entspricht heute rund 70 000 Euro.

Passagiere

Seit dem Untergang der „Titanic“ gibt es unterschiedliche Angaben über die Anzahl der Reisenden und auch der Toten. Das britische Parlament geht im Jahr 1912 von 2224 Passagieren aus, darunter fast 900 Besatzungsmitglieder. Nach einem Bericht des Parlaments aus dem Jahr 1912 werden 711 Menschen gerettet, 1513 sterben.

Rettungsboote

Auf der „Titanic“ gibt es 20 - für 1200 Personen. Die Zahl der Boote richtet sich damals nicht nach der Zahl der Passagiere, sondern nach dem Schiffsgewicht. Die Reederei hätte noch mehr Boote einsparen dürfen.

Pannen

Die Matrosen im Ausguck der „Titanic“ haben keine Ferngläser - und sehen den Eisberg auch deshalb zu spät. Trotz Eis-Warnung anderer Schiffe beordert der Kapitän keine zusätzliche Eis-Wache an den Bug. Bei der Evakuierung des Schiffes deuten einige Offiziere den Befehl „Frauen und Kinder zuerst“ als „nur Frauen und Kinder“ - einige Rettungsboote werden halb leer ins Wasser gesenkt. Die unteren Decks können ohne Alarmanlage nur schlecht informiert werden. Auch deshalb gibt es unter Dritte-Klasse-Passagieren besonders viele Tote.

Untergang

Die „Titanic“ läuft am 14. April gegen 23.40 Uhr auf Eis, am 15. April gegen 2.20 Uhr versinkt sie. Bis zur letzten Minute spielt die Bordkapelle auf Anweisung heitere Stücke. Alle Musiker sterben.

Kaum Hilfe

Das Schiff „SS Californian“ ist dem Unglücksort besonders nah. Sein Kapitän erfährt aber nichts von dem Notruf, wohl weil sein Bordfunker dienstfrei hat und schläft. Das erste Schiff, das die Unglücksstelle erreicht, ist gegen 4.00 Uhr morgens die „Carpathia“. Da sind alle Passagiere im Wasser lange erfroren.

Wrack

Die Überreste der „Titanic“ werden erst am 1. September 1985 in 3800 Meter Tiefe entdeckt - 13,5 Meilen (knapp 22 Kilometer) von der Position entfernt, die die „Titanic“ bei ihren Notrufen angegeben hat.

Letzte Zeugin

Am 31. Mai 2009 stirbt mit Millvina Dean die letzte Überlebende des Unglücks. Sie war eines von zwei Babys an Bord.

Im Johnson Geo Center am Signal Hill informiert eine Ausstellung über die Titanic. Und an Cape Race soll an diesem Wochenende zum 100. Jahrestag der Katastrophe der Funkverkehr zwischen der Titanic und Cape Race nachgestellt werden. Zu gleicher Zeit werden in Halifax Bewohner der Stadt, Nachfahren von Opfern und Überlebenden und Besucher aus aller Welt der Toten gedenken.

Für Halifax ist der 100. Jahrestag der Katastrophe ein schwieriges Datum. „Wir haben nichts zu feiern. Dies ist ein trauriges Erinnern. Wir sind der Friedhof der Titanic“, sagt Rob Gordon, Journalist des kanadischen Rundfunks CBC in Halifax, der zwei entfernte Verwandte in dem Desaster verlor.

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