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29.10.2014

14:08 Uhr

Halloween

Gruselige Geschäfte mit Ebola

Mit der Ebola-Epidemie lässt sich leichtes Geld machen. Vor Halloween am Freitag sorgen Kostüme und entsprechendes Spielzeug für Wirbel. Und das, obwohl manches davon schon seit Jahren in den Regalen steht.

Ein Ebola-Plüschtier zu Halloween – Viele finden das nicht witzig. Ausverkauft ist Spielzeug dennoch. Auch Schutzanzüge als Kostüme liegen im Trend. dpa

Ein Ebola-Plüschtier zu Halloween – Viele finden das nicht witzig. Ausverkauft ist Spielzeug dennoch. Auch Schutzanzüge als Kostüme liegen im Trend.

New YorkEs ist braun, mit einem langen Hals, niedlichen Knopfaugen - und es hat die Form eines Ebola-Virus: Als „Tyrannosaurus Rex der Mikroben“ bewirbt die amerikanische Spielzeugfirma Giant Microbes das Plüschspielzeug und verkauft es in den USA für 9,95 Dollar (etwa acht Euro).

Eine größere 60-Zentimeter-Version kostet das Dreifache. Beides war kurz vor Halloween, dem Fest, das mit dem Schrecken spielt, rasch ausverkauft. „Wir haben das Ebola-Stoffteil seit Jahren im Programm, aber jetzt wollen es viele“, sagte eine Sprecherin der britischen Vertretung der Firma der BBC. „In den letzten Monaten haben wir Tausende verkauft.“

Kurz vor dem in den USA besonders beliebten Halloween-Fest preist eine andere Firma auch einen Ebola-Schutzanzug als Kostüm an. Für knapp 80 Dollar bekommt man einen weißen Plastikanzug mit aufgedrucktem Ebola-Warnhinweis, blaue Latex-Handschuhe, Atemmaske, Schutzbrille und einen Gesichtsschutz.

Halloween: Geschichte und Geschäft

Der Tag

Halloween wird am 31. Oktober gefeiert, dem Vorabend des Allerheiligentages (englisch: „(All) Hallows' Eve(ning)“.

Keltische Wurzeln

Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten, dem Samhain („Ende des Sommers“).

Geister beschwichtigen

In der irischen Mythologie kommen im Jahr zuvor Gestorbene in dieser Nacht aus dem Totenreich zurück. Geister und Dämonen ziehen mit ihnen umher. Opfer sollen böse Wesen besänftigen, Masken erschrecken und Feuer vertreiben.

Über Einwanderer in die USA

Einwanderer aus Irland brachten Ende des 19. Jahrhunderts den Brauch in ihre neue Heimat USA. Halloween wird dort mit Umzügen, gruseligem Schabernack und makabren Partys gefeiert. Aus Amerika kam der Brauch nach Europa zurück.

In Deutschland noch neu

War Halloween vor einigen Jahren hierzulande noch nahezu unbekannt, fordern inzwischen auch in Deutschland viele verkleidete Kinder an den Türen Geschenke und drohen mit Streichen („Süßes oder Saures“). Erwachsene feiern Gruselpartys.

Dickes Geschäft

Rund 200 Millionen Euro lassen sich die Deutschen jährlich den Spaß kosten. Davon werden knapp 31 Millionen laut Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwaren-Industrie allein für Grusel-Kleidung und Monster-Masken für Kinder und Erwachsene ausgegeben.

Kritik aus der Kirche

Die Kirchen stehen dem Geister-Boom kritisch gegenüber. Katholiken fürchten, dass das Totengedenken an Allerheiligen einer Spaßkultur zum Opfer fällt. Protestanten sehen ihren am 31. Oktober begangenen Reformationstag in Gefahr.

„Das wird mit Sicherheit das viralste Kostüm des Jahres“, wirbt das Unternehmen. „Damit bist du auf jeden Fall vorbereitet, wenn es auf deiner Halloween-Party einen Ausbruch gibt.“ Fast 5000 Menschen sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO seit dem Ausbruch der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika schon an der Krankheit gestorben.

Die Lage ist bitterernst und noch nicht unter Kontrolle, die WHO sagt zahlreiche weitere Ansteckungen voraus. Auch in den USA ist bereits ein Patient an Ebola gestorben. Sind Virus-Stofftiere und Ebola-Kostüme vor diesem Hintergrund völlig geschmacklos und ein Ausdruck ignoranter Geschäftemacherei? Oder selbstironisch? In den USA wird das derzeit heiß diskutiert.

Der Ebola-Schutzanzug sei das „schlimmste Halloween-Kostüm“, kommentierte der „Atlantic“ und auch im Internet machen zahlreiche Menschen ihrem Ärger über solche Angebote Luft. „Wenn deine Halloween-Kostümidee mit Ebola zu tun hat - lass es“, schrieb ein Nutzer bei Twitter. Ein anderer kommentierte: „Ebola ist nicht lustig und genau so wenig sind es Ebola-Schutzanzüge als Kostüme.“

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