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02.10.2014

16:53 Uhr

Handelsblatt-Aktionswoche zu Trollen

„Nicht wie Triebtäter durchs Netz trampeln“

VonOliver Stock

Im Rahmen der Handelsblatt-Aktionswoche „Wider den rauen Ton im Netz“ wirbt Online-Chef Oliver Stock für eine bessere Debattenkultur: Auch in den sozialen Netzwerken solle man sich so verhalten wie im „echten“ Leben.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Liebe Leserin, lieber Leser,

merken Sie's? Sie sind hier beim Handelsblatt keine Nutzer, sondern Leser. Ich finde, lesen ist ein schönerer Begriff für das, was Sie gerade tun als nutzen. Und das liegt nicht nur daran, dass wir Journalisten lieber gelesen als benutzt werden wollen.

Es liegt vielmehr daran, dass zum Lesen das Aufnehmen, das Verarbeiten und das Verstehen gehören, während Nutzen ein ziemlich fader Prozess ist. Wer liest, verändert sich, wer nutzt, bleibt der immer gleiche. Leser haben Phantasie, Argumente und eine Meinung. Nutzer haben allenfalls eine Erwartung und reagieren empört, wenn das benutzte Ding nicht liefert, was sie erwarten.

Aktionswoche: „Macht das Web sozialer –  wider den rauen Ton im Netz!“

Aktionswoche

„Macht das Web sozialer – wider den rauen Ton im Netz!“

Im Netz lässt der Umgangston oft zu wünschen übrig. Die Aktionswoche des Handelsblatts „Macht das Social Web sozialer!“ dreht sich um die Frage, warum bei Facebook und Co. oft eine Kultur des Gegeneinanders gelebt wird.

Um diese Empörung geht es mir. Sie macht sich Luft in Kommentaren, die unser Netz verpesten. Das Internet wurde mal als urdemokratisches System gefeiert. Inzwischen haben seine Nutzer es fast zu einer Pöbelherrschaft verformt: Wer am lautesten schreit, hofft auf die meiste Aufmerksamkeit.

Was wir brauchen, ist eine Verabredung, dass wir nicht wie die Triebtäter durchs Netz trampeln, sondern uns in diesem Raum so verhalten, wie wir es in unserer echten Umgebung auch tun würden. Wir bitten Sie deshalb, in unserem Kommentarbereich mit Ihrem Namen für Ihre Meinung einzustehen und genau das zu sagen, was Sie Ihrem Gegenüber auch dann sagen würden, wenn er auf der anderen Seite des Tisches säße.

Ich glaube, dass so ein Umgang unser Netz stärkt. Das Internet ist sonst wie eine Bank, die ihre Kunden über den Tisch zieht: Keiner traut ihr mehr. Jeder Kommentar aus der schrillen Ecke schürt Misstrauen gegenüber dem Medium, in dem er veröffentlicht wird. Das schadet dem Netz und es schadet uns beim Handelsblatt, wenn wir die Plattform sind, die so etwas transportiert. Deswegen schauen wir in solchen Fällen nicht zu, sondern greifen ein.

Diese Zeilen können Sie übrigens nur lesen. Benutzen können Sie die für nichts. Meine Hoffnung ist, Sie verstehen, was ich meine. Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Herr Vittorio Queri

02.10.2014, 17:10 Uhr

>> wir Journalisten lieber gelesen als benutzt werden wollen <<

Wollen ist gut, können ist besser !

Und Sie können es nicht ! Leider !

Deswegen müssen die Trolls Ihnen auf die Sprünge helfen.

Denn die können es !

Frau Annette Bollmohr

02.10.2014, 17:14 Uhr

So?

Herr Andreas Glöckner

02.10.2014, 18:22 Uhr

Ich lese und schreibe häufig, fast täglich auch unter Handelsblatt online.

Das vorliegende Problem ist ein sehr altes. So wurde, um Fragestellungen in den Vorlesungen an den Hochschulen zu vermeiden, eine allgemeine Hochschulreife eingeführt, die sprachliches und schriftliches Wissen vermitteln soll, die den Zugang zu den wissenschaftlichen Fächern erleichtern soll. Was hier gelernt werden kann, ist, dass der Wahrheitsgehalt eines Arguments oder eines Ergebnisses ausgewertet wird, dass richtig und falsch voneinander zu trennen sind.

Mit dem Wahlrecht wurden diesem Filter größere Poren zugefügt. Mit der Pressefreiheit gibt das Wort "Filter" zwar noch, aber er ist ohne Bedeutungsinhalt.

Vergleichbares gilt für den Autoführerschein, hier wird je nach Größe, Schwere und Gefahr eine Prüfung eingefordert, die ohne Schulungen nicht zu bestehen ist. Ursächlich sind Verkehrsunfälle, mit lebensgefährdenden Ausgang, Umweltverschmutzung und Sachschäden.

Im Internet gibt es solche Vorschriften nicht. Weder wird axiologisch argumentiert, noch führen etwaige Gegendarstellungen zur Falsifizierung einer These oder etwa eines Topos. Wer sollte denn in dieser Welt auch Vorbild sein? Die Menschen, die von selbstbezeichneten Promizeitungen als Promis bezeichnet werden? Genau genommen wird die Demokratie in der Politik unehrlich. Demokratie und Politik sind die gesellschaftlich spürbaren Synonyme für Wahrheit, für das Gute und Schöne. -Angela Merkel ist das schlechteste Beispiel für das, was sie einfordern. Sie hatte solange gepoltert, bis sie "gewählt" wurde. Und der größere Teil derer die sie vertritt, honoriert ihrem Gepoltere mit Spott für die, die sich an das Ideal einer wahrheitstreuen Gesellschaft halten. Beleidigungen sind es, die vom Unzernehmertum ausgehen, Beliedigungen gegen das Volk, wenn es um gerechte Bezahlung geht.

Natürlich haben sie Recht, Herr Stock, wenn sie den sittlichen Umgang einfordern. Das ist deutsch. Doch da gibt es noch andere "Deutsche", und die..;)

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