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26.01.2016

20:11 Uhr

Harte Kritik nach Facebook-Post

Baumgartner wandelt am Abgrund

Nicht jeder Sportler sollte sich zu großen gesellschaftlichen Probleme äußern – wenn man die Reaktionen nicht verträgt. Nach einem Post zur Flüchtlingskrise trifft Felix Baumgartner die Rache der sozialen Medien.

Nach seiner Kritik an der mangelnden Härte der Asylpolitik muss Felix Baumgartner nun einstecken. Foto: Joerg Mitter/ Red Bull dpa

Baumgartner im Kritiksturm

Nach seiner Kritik an der mangelnden Härte der Asylpolitik muss Felix Baumgartner nun einstecken. Foto: Joerg Mitter/ Red Bull

DüsseldorfJeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ein Recht, was Prominente gerne und oft auch in sozialen Netzwerken nutzen. Das können politisch motiviere Posts sein, aber auch Beiträge in eigener Sache, wie es zuletzt Schauspieler Til Schweiger zeigte. Dass eine klare Meinung nicht immer auf Gegenliebe stößt, ist teil der demokratischen Gesprächskultur. Dass Meinungen verschieden sind und oftmals Kritik nach sich ziehen, diese Erfahrung macht der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner derzeit.

Baumgartner, der einst praktisch aus dem All zurück auf die Erde sprang, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrach, hat bei Facebook den Sprung ohne Fallschirm gewagt. Als Reaktion auf die Ankündigung der österreichischen Regierung, eine Obergrenze für Asylbewerber einzuführen, teilte der vom Getränkekonzern Red Bull gesponserte Sportler ein Bild, was auch wohlwollend bestenfalls als asylkritisch bezeichnet werden kann.

Dafür erntete Baumgartner zwar von Unterstützern der umstrittenen österreichischen Regelung Beifall, aber noch weitaus mehr Kritik. So viel davon, dass er sich zu einer weiteren Reaktion auf Facebook genötigt fühlte. Baumgartner wollte in seinem Post einiges klarstellen und holte dafür weit aus. Er appellierte an „Freunde, Fans, Hasser, Journalisten, Politiker und Sonstige“ und rechtfertig in erster Linie seine eigene Position.

Die teils schwer nachvollziehbare Argumentation, in der er etwas als aus steuerlichen Gründen in die Schweiz Ausgewanderter zwischen Steuerflucht und Steueroptimierung unterscheidet, beruft sich auf seine sportlichen Erfolge und die Unterstützung seiner Sponsoren, die einen „unbequemen“ Sportler wie ihn haben wollten.

Kern seiner Ansage ist neben dem Appell, dass den Menschen, die Hilfe brauchen, geholfen werden soll, die klare Ansage an ungeregelte Zuwanderung. „Der STAAT hat die PFLICHT das Volk zu schützen und die Sicherheit im eigenen Land zu gewährleisten. Wenn hunderttausende Flüchtlinge- auch ohne Waffen unser Land UNTERWANDERN ist das nicht weniger gefährlich. Unsere derzeitige Regierung wusste seit Jahren das dieses Problem existiert, hat dabei tatenlos zugesehen und ist somit vollumfänglich SCHULDIG“, heißt es in seinem Post. Zum Problem geworden sei darüber auch Angela Merkels Willkommenskultur. Als Vorbild für den Umgang mit Flüchtlingen bezeichnet er Ungarns Präsidenten Orban, „denn er hat das einzig Richtige getan. Sein LAND uns sein VOLK das ihn gewählt hat zu SCHÜTZEN!“

Dieser Post wiederum hat den deutschen Satiriker und TV-Moderator Jan Böhmermann auf den Plan gerufen. Mit beißender Ironie bricht er Baumgartners Aussagen auf einige Kernthesen herunter, die sich in der Form auch kaum leugnen lassen: „Der hauptberufliche Vonirgendworunterfaller Felix Baumgartner, aus deutscher Sicht ein hundertprozentiger Ausländer (!!!) und, weil aus steuerlichen Gründen in der Nicht-EU Schweiz gemeldet, obendrein noch österreichischer Wirtschaftsflüchtling (!!!!!1!!!) fordert von Santa Monica (US-amerikanisches Imperium) aus, Zäune zu bauen und Grenzen zu sichern, wegen irgendwas mit FLÜCHTLINGEN (Großbuchstaben) und AUSLÄNDERN (!11111!!!!).“

Böhmermanns Beitrag erreicht schnell mehrere Tausend Likes, in den sozialen Netzwerken fordert er zudem auf, weiter in der Sache zu kommentieren. Ebenso ironisch spielt Böhmermann auf den Facebook-Ausbruch Til Schweigers. Er schlägt aber durch die Erwähnung von Sponsor Red Bull in seinem Posting auch die indirekte Brücke zur Rolle als Teil der Markenidentität des Brausekonzerns. Für das Unternehmen eine sehr unerfreuliche Situation, denn der Kniff des deutschen Moderators bringt Red Bull in Erklärungsnot. Denn Sportler sind immer auch Markenbotschafter und Sprachrohre. Eigentlich kann sich der Weltkonzern Red Bull nicht erlauben, mit schlechter Publicity in Verbindung gebracht zu werden.

Das Getränkeunternehmen ist völlig unpolitisch, pflegt aber sein Image als Spaß- und Abenteuergetränk. Ein für Grenzzäune und Schutz des österreichischen Volkes vor der Unterwanderung durch Flüchtlinge warnendes Aushängeschild dürfte einigen Managern sauer aufstoßen.

Von

alm

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