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04.02.2015

08:19 Uhr

Hauptstadt

Berlin wird spießig

Was ist nur in der Hauptstadt los? Hunde dürfen nicht an den See, Hasch ist im Park verboten, und im Imbiss kleben „Reserviert“-Schilder. Manche schämen sich schon, dass sie aus Berlin kommen. Skurrile Eindrücke.

Auch in Cafés und Schnellrestaurants in Berlin reservieren Gäste mittlerweile vorher einen Tisch. dpa

In der Berliner Gastronomie kehrt Handtuchmentalität ein

Auch in Cafés und Schnellrestaurants in Berlin reservieren Gäste mittlerweile vorher einen Tisch.

BerlinBerlin ist nicht Deutschland. Hier sind die Lebensentwürfe bunter, die Partys länger, die Regeln laxer als in Kiel oder Rosenheim. Jedenfalls sehen das viele so, andere zweifeln aber inzwischen daran. Wird Berlin zur spießigen Vorstadt? Zumindest gibt es neue Verbote und Etiketten. Und die gehen schon beim Essen los.

Wer in Berlin in ein Restaurant will, muss gut planen. Bei Sternekoch Tim Raue oder im „Neni“ reservieren – logisch. Aber mittlerweile stehen die Leute auch beim Mexikaner in Kreuzberg in der Schlange. Man wird platziert wie in New York. Selbst im Falafel-Imbiss finden sich „Reserviert“-Schilder.

„Wenn ich essen gehen will mit Freunden, rufe ich auf jeden Fall vorher an und frage, ob es ein Plätzchen gibt“, sagt Robin Schellenberg (30). Er ist einer der Betreiber des Neuköllner Restaurants „Fuchs & Elster“. Das bietet ebenfalls Reservierungen an. Früher undenkbar, als das Viertel noch mehr Schmuddelecken hatte.

Was Käufer in Berlin wissen sollten

Immobilienprofi im Interview

Jacopo Mingazzini, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Accentro erwirbt Wohnungsbestände, um sie als Eigentumswohnungen an Privatleute weiterzuverkaufen. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt er, wo es auf dem Berliner Immobilienmarkt noch Chancen gibt.

Sicherheit

HB Online: Welche Lagen in Berlin bieten privaten Eigenheim- und Zinshaus-Käufern eine besondere Sicherheit?
Alle innerstädtischen Bezirke Berlins zeigen aktuell steigende Kauf- und Mietpreisentwicklungen. Der Aufwärtstrend ist flächendeckend. In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich aber besonders zentrale Lagen hervorgetan, die vorher nicht als „hip“ galten, etwa Neukölln und Wedding. Private Investoren, die auf diese Lagen gesetzt haben, können sich inzwischen an deutlichen Wertsteigerungen erfreuen. Ganz allgemein kann festgehalten werden: Solange der Zuzug nach Berlin weiter anhält, bleibt der Wohnungsmarkt attraktiv.

Bausubstanz

Welche Objekte in Berlin bieten privaten Eigenheim- und Zinshaus-Käufern eine besondere Sicherheit?
Aufgrund der attraktiven Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung Berlins bietet die Stadt in nahezu allen Lagen attraktive Investmentmöglichkeiten. Das Leerstandsrisiko ist durch die anhaltende Wohnungsknappheit sehr gering, insbesondere im Bestandssegment, in dem die Durchschnittsmieten nach wie vor auf einem niedrigen Niveau liegen.

Blasenbildung

In welchen Märkten gibt es Überhitzungen?

Überhitzungen sehe ich teilweise im Neubausegment. Hier ist Vorsicht geboten. Die Preisentwicklung der letzten Jahre, verführt einige Projektentwickler zu Kalkulationen, die sehr ambitioniert sind. Diese Preisphantasie kann an einigen Stellen zu Überhitzungen führen.

Regulierung

Wie wirkt die Mietpreisbremse?
Ich rechne mit einem deutlichen Anstieg von möblierten Wohnungen zur Miete auf dem Markt. Eigentümer werden nach Wegen suchen, wie sie die Mietpreispotenziale trotz Kappung weiter heben können. Das Mietpreisniveau wird sich auch nach Einführung der Mietpreisbremse weiter nach oben entwickeln, sodass Kapitalanleger auch zukünftig mit Mietsteigerungen rechnen können.

Risiken I

Was sind die größten Risiken aktuell, wenn private ein Eigenheim kaufen?
Die Risiken in Berlin sind überschaubar. Natürlich sollten Kauf- und Mietpreis in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Dennoch werden sich Berliner Eigentumswohnungen und Zinshäuser auch in den nächsten Jahren im Preis entwickeln.

Risiken II

Welche Fehler machen private Käufer am häufigsten?
Es gibt einige Fehler, die bei dem Kauf von Eigentumswohnungen begangen werden können und die einfach zu vermeiden sind. Investoren, die eine vermietete Eigentumswohnung erwerben, sollten sich den Track Record ihres Mieters anschauen. Hat dieser in den letzten Jahren stets pünktlich gezahlt, wird er dies wahrscheinlich auch zukünftig tun. Trotzdem sollte die Investition immer so ausgelegt sein, dass ein temporärer Zahlungsverzug den privaten Käufer nicht in Liquiditätsschwierigkeiten bringt Käufer von Bestandswohnungen sollten auch immer einen Blick in die Protokolle und Abrechnungen der letzten WEG-Versammlungen werfen, um ein klares Bild auf die Eigentümergemeinschaft zu haben. Darunter kann die Rendite leiden. Auch in stark nachgefragten Lagen kann es vorkommen, dass eine Wohnung mal einen Monat leer steht. Darauf sollten Investoren vorbereitet sein.

Im Clubrestaurant „Klunkerkranich“ auf einem Neuköllner Parkdeck dagegen führen die Betreiber bewusst keine Liste. „Wir wollten nicht, dass so eine Art Handtuchmentalität aufkommt“, sagt Schellenberg.

Es wird voller in Berlin, die Hauptstadt wächst. Und der Hype ist noch nicht vorbei. 2014 gab es die Diskussion, ob Berlin jetzt „over“ sei, ob die Karawane jetzt weiter ziehe Richtung Leipzig oder Warschau. Sind die wilden Jahre vorbei?

Wenn man dem Stadtmagazin „Tip“ glaubt, ist Berlin „Europas Sex-Hauptstadt“. Im Gorki-Theater gibt Regisseurin Yael Ronen in „Erotic Crisis“ wiederum eine nüchterne Antwort: Paare und Singles stecken in der Sex-Krise. Nicht nur im Liebesleben, auch sonst wollen unter den 3,5 Millionen Menschen in Berlin viele Fronten geklärt werden.

Gerade beschwerten sich die Hundebesitzer, dass sie künftig ihre Tiere nicht mehr an die Badestellen vom Schlachtensee mitnehmen sollen. Im Görlitzer Park wuchsen die Probleme mit den Drogendealern so sehr, dass dort kein Hasch mehr geduldet werden soll. Der große Aufschrei blieb aus.

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