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09.07.2013

10:36 Uhr

Havarie

Prozess gegen „Costa Concordia“-Kapitän vertagt

Die Verhandlung hatte gerade erst begonnen, da war sie schon wieder vorbei: Das Gericht in Grosseto verschob den Prozess gegen den Kapitän der Costa Concordia. Der Grund dafür ist ein Anwaltsstreik.

Die havarierte Costa Concordia vor dem Hafen in Giglio. Der Prozess gegen den Kapitän des Schiffes wird verschoben. AFP

Die havarierte Costa Concordia vor dem Hafen in Giglio. Der Prozess gegen den Kapitän des Schiffes wird verschoben.

GrossetoDer Prozess gegen den Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ ist kurz nach seinem Beginn vertagt worden. Das Gericht im italienischen Grosseto legte am Dienstag als neuen Verhandlungstermin den 17. Juli fest. Grund dafür war ein landesweiter Anwaltsstreik, an dem einige der am Prozess beteiligten Juristen teilnahmen. Kapitän Francesco Schettino ist wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassens eines Schiffes in Seenot angeklagt.

Schettino erschien zusammen mit seinem Anwalt Domenico Pepe pünktlich zum Prozessbeginn. Der Kapitän ist der einzige Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft hatte nur Stellvertreter zu diesem ersten Termin in den Gerichtssaal geschickt.

Fragen und Antworten zum Costa-Concordia-Prozess

Was wird Schettino vorgeworfen?

Schettino muss sich wegen einer ganzen Reihe mutmaßlicher Straftaten verantworten. Ihm werden fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie, unterlassene Kommunikation mit den Behörden und das Verlassen des Schiffes während dessen Evakuierung vorgeworfen.

Ist er der einzige Angeklagte?

Voraussichtlich wird Schettino der einzige Angeklagte in dem Prozess sein. Fünf weitere Beschuldigte hatten in den Voranhörungen Deals mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, die eine direkte Verurteilung ohne Beweisaufnahme vorsehen. Das Gericht muss aber noch entscheiden, ob es dieses Vorgehen zulässt oder den Beschuldigten in einem normalen Verfahren der Prozess gemacht wird.

Wie lange dauert der Prozess?

Das Gericht hat zunächst fünf Verhandlungstage für den Juli angesetzt – wann es danach weitergeht, ist noch offen. Wegen eines Anwaltsstreiks in Italien wird sich der Prozessbeginn verzögern und auf den 17. Juli verschoben. Weitere Termine könnten dann nach der Sommerpause im Herbst folgen und das Verfahren sich über mehrere Monate hinziehen, bevor die entscheidende Phase ansteht.

Wann ist mit einem endgültigen Urteil zu rechnen?

Nach einem möglichen erstinstanzlichen Urteil ist auch eine Berufung möglich, weshalb bis zu einem rechtskräftigen Urteil Jahre vergehen könnten.

Wer nimmt noch an dem Verfahren teil?

Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere mit Sitz in Genua tritt als Nebenkläger auf. Sie fordert Schadenersatz für den Verlust ihres Schiffes, wollte sich aber vorab nicht zu ihren Erwartungen äußern. Auch die Gemeinde Giglio ist als Nebenkläger zugelassen. „Wir erwarten vor allem, dass die Wahrheit gefunden wird und dass der schlimme Schaden anerkannt wird, den die Insel Giglio erlitten hat“, sagte Sprecher Cristiano Pellegrini. Die Kommune fordere daher mindestens 80 Millionen Euro Schadenersatz.

Haben die Opfer schon Schadensersatzzahlungen erhalten?

Die meisten deutschen Betroffenen haben bereits Entschädigungen von etwa 11 000 Euro angenommen. Mehr als 100 Opfer streiten noch in den USA um höhere Summen. Sie wollen Entschädigungen von jeweils mindestens 100 000 Dollar (etwa 77 000 Euro) bekommen. Auch in dem Prozess in Grosseto wollen einige Überlebende und Opferangehörige als Nebenkläger auftreten.

Die „Costa Concordia“ war am 13. Januar 2012 nur wenige Meter vor der Toskana-Insel Giglio auf eine Klippe aufgelaufen und in Schieflage geraten. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, unter ihnen zwölf Deutsche. Schettino hatte das havarierte Schiff verlassen und war trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurückgekehrt, während die meisten Passagiere noch festsaßen. Für das Mammutverfahren gegen ihn sind mehr als 400 Zeugen geladen, es gibt 250 Nebenkläger.

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