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11.10.2011

16:43 Uhr

Havarierter Frachter

Ölkatastrophe in Neuseeland weitet sich aus

Die letzten Seeleute sind von Bord der havarierten „Rena“. Das Wetter wird immer schlechter. Trotzdem geben die Behörden in Neuseeland die Hoffnung nicht auf, dass die Katastrophe noch verhindert werden kann

An der neuseeländischen Küste versuchen Helfer die schlimmste Ölschäden zu beseitigen. dapd

An der neuseeländischen Küste versuchen Helfer die schlimmste Ölschäden zu beseitigen.

WellingtonStarke Wellen und Unwetter haben den havarierten Frachter „Rena“ vor Neuseeland weiter beschädigt. Die Mannschaft musste wegen der Gefahr, dass das Schiff sinkt, von Bord. Umweltminister Nick Smith warnte angesichts der zugespitzten Lage und des auslaufenden Schweröls vor der schlimmsten Umweltkatastrophe des Landes. Die Umweltorganisation WWF befürchtet, dass, wenn das Schiff auseinanderbricht, Öl in die Nahrungskette geraten könnte.

Die Ursachen des Unglücks sind weiter ungeklärt. Am Dienstag wurde der Kapitän des Containerschiffs festgenommen, das der griechischen Reederei Costamare Inc. gehört. Er sollte am Mittwoch einem Gericht vorgeführt werden, teilte Smith mit. Der Name des Mannes und weitere Details wurden bisher nicht bekannt.

Die neuen Löcher im Rumpf des Containerschiffes stammen aus der Nacht zu Dienstag. Das Öl strömt nach Angaben des Umweltministers nun fünfmal so schnell aus dem Frachter wie zuvor.

Bislang sind aus den Treibstofftanks nach Angaben der Behörden rund 300 Tonnen Schweröl ausgelaufen. Davon sei eine große Menge aus dem Rumpf ins Meer geflossen. Von insgesamt 1700 Tonnen Öl konnten nach Angaben der neuseeländischen Schifffahrtsbehörde MNZ bislang nur rund zehn Tonnen auf ein Spezialschiff gepumpt worden.

Dabei hatten auch 25 Männer geholfen, die nach dem Unglück noch an Bord waren. Doch nachdem das Wetter immer schlechter wurde, brachten Rettungskräfte die Besatzung mit Helikoptern in Sicherheit. Inzwischen ist die 236 Meter lange „Rena“ ein Geisterschiff. Es gibt Befürchtungen, dass das Unglücksschiff auseinanderbricht.

Die Situation sei mehr und mehr „besorgniserregend“, sagte ein MNZ-Sprecher. Die Wettervorhersagen für die kommenden zwei Tage sind schlecht. Kommende Woche soll ein australisches Schiff die Fracht der „Rena“ mit einem Kran übernehmen und wegtransportieren.

Zerbricht das Containerschiff, hätte das laut WWF gravierende Folgen. „Wenn die Gesamtladung ausläuft, dann befürchte ich Schlimmeres. Dann gerät das Öl auch in die Nahrungskette über mehrere Jahre, bis hin zu einem Jahrzehnt“, sagte WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter der Nachrichtenagentur dpa.

An den weißen Sandstränden der Nordküste Neuseelands sind unterdessen weitere Ölplacken angeschwemmt worden. Mehrere tote Vögel seien geborgen worden, berichtete die Schifffahrtsbehörde. Andere ölverschmierte Tiere würden behandelt. Man werde noch Monate gegen die Folgen des Unglücks kämpfen.

Berichte, wonach die „Rena“ erhebliche Mängel aufgewiesen haben soll, wollten Schifffahrtsbehörde und Regierung weiterhin nicht kommentieren. Verkehrsminister Steven Joyce sagte, die neuseeländische Schifffahrtsbehörde habe der „Rena“ eine Freigabe gegeben und lediglich ein Problem mit einer Seekarte von Südchina festgestellt.

Das Unglücksschiff ist nach Auskunft des deutschen Verbands der Reeder 1990 in Kiel gebaut worden und 21 Jahre alt. Das Schiff war vergangenen Mittwoch am Astrolabe-Riff auf Grund gelaufen. Das Unglücksgebiet vor der Plenty-Bucht ist ein Paradies für Seevögel, Delfine und Wale. Die Badestrände sind auch bei Touristen beliebt.

Von

dpa

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