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22.01.2008

08:30 Uhr

Heiratsfieber

Wenn Banker in Tauben investieren

VonJan Keuchel

In Deutschland grassiert das Heiratsfieber. Auf der Hochzeitsmesse „Trau Dich!“ in Frankfurt, die gestern zu Ende ging, sind seine Symptome live zu beobachten. Heiraten, das haben die Macher der Messe erkannt, ist wieder zum Wirtschaftsfaktor geworden. Ein Ortsbesuch auf dem Jahrmarkt der Glückseligkeit.

Nicht zu unterschätzen: Wirtschaftsfaktor Hochzeit. Foto: dpa

Nicht zu unterschätzen: Wirtschaftsfaktor Hochzeit. Foto: dpa

FRANKFURT. Ein Spalier aus roten Luftballon-Herzen, dahinter ein Paradies in Rosarot und Weiß. Dazu Pärchen, wohin das Auge reicht. Hand in Hand, Arm in Arm. Ist das eine Stimmung, so erfüllt von Leben und Liebe! Man wähnte sich im siebten Himmel, wären da nicht die Paare, die sich unbeholfen im Dreivierteltakt durch den Schnupperkurs schieben. „Immer gleichzeitig“, macht Tanzlehrer Timo Müller Mut. „Wie in der Ehe.“

Bei Otto Deis regiert stattdessen die Zahl zwölf. „Mindestabnahme zwölf Stück“, sagt der Züchter aus Osthofen und schaut auf die weißen Vögel im Käfig. „Zwölf werden vom Greifvogel als Gruppe akzeptiert, da geht er nicht ran.“ Der ältere Herr, der hier mit seinem Enkel auf Interessenten wartet, hat Erfahrung. Das Geschäft mit der außergewöhnlichen Hochzeit läuft gut. Für dich sollen weiße Tauben fliegen: Bärbel Schäfer und Michel Friedman waren seine Kunden. Und viele Banker auch: „Die von der Börse“, sagt Deis. „Die wollen gerne Show machen.“

Ja, in Deutschland grassiert das Heiratsfieber, und auf der Hochzeitsmesse „Trau Dich!“ in Frankfurt, die gestern zu Ende ging, sind seine Symptome live zu beobachten. Kommen se her, kommen se ran: Der Jahrmarkt der Glückseligkeit hat geöffnet. Verliebt, verlobt, verkauft – so könnte sie auch heißen, die Messe, denn hier tobt der Vermählungskommerz. „Ich habe selbst im Jaguar MK2 geheiratet“, schwärmt Sophie Urhahn von der Firma „traumauto-mieten.de“. Schlappe 320 Euro für drei Stunden. Heiraten, das haben die Macher der Messe clever erkannt, ist wieder zum Wirtschaftsfaktor geworden. Vorbei die Zeiten von wilder Ehe, von „Liebe lieber ohne Trauschein“. Was sich will, dass ehelicht sich. Und Kleckern war gestern. Heute wird geklotzt. „Für rund 80 Prozent der deutschen Brautpaare ist eine feierliche Hochzeitszeremonie unverzichtbar“, lautet die durchaus eigennützige Botschaft der Messe-Verantwortlichen. „Rauschende Feste und aufwendige Events liegen ganz und gar im Trend.“

Auf 5 000 Quadratmetern und an 150 Ständen ist das gut zu sehen. Selbstkomponierte Hochzeitsmusik von Profi-Violinistinnen, Transport im Proll-Schlitten Marke Hummer oder Catering von Starkoch Alfons Schubeck – nichts ist unmöglich.

Und natürlich Silber, Gold, Juwelen. Das Tragen von Eheringen soll laut neuster Allensbach-Umfrage rückläufig sein? Manch einer spricht gar von den kleinsten Handschellen der Welt. In Frankfurt wird anprobiert, was die Finger aushalten. „Der Trend geht zu Weißgold oder Platin“, sagt Frank Schiffke vom Trauringhaus Meister Bauer.

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