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08.08.2016

15:29 Uhr

Helferin getötet

Flüchtling muss in Schweden in die Psychiatrie

Der Fall hatte in Schweden für Aufsehen gesorgt: Im Januar erstach ein jugendlicher Flüchtling in einem Asylbewerberheim eine Helferin. Jetzt fällte das Gericht in Göteborg ein Urteil.

Das Gericht in Görteborg wies einen jugendlichen Flüchtling wegen der Tötung einer Helferin in die Psychiatrie ein. dpa

Göteborger Gericht spricht Urteil

Das Gericht in Görteborg wies einen jugendlichen Flüchtling wegen der Tötung einer Helferin in die Psychiatrie ein.

StockholmEin jugendlicher Flüchtling ist wegen der Tötung einer Helferin in Schweden in die Psychiatrie eingewiesen worden. Der Jugendliche war des Mordes angeklagt, doch fand ihn das Gericht in Göteborg am Montag nur der fahrlässigen Tötung schuldig. Eine vom Gericht angeordnete psychiatrische Untersuchung war zu dem Schluss gekommen, dass der äthiopische Asylbewerber geistig labil war und daher womöglich nicht realisierte, dass der Messerstich tödlich sein könnte.

Der Äthiopier hatte die 22-jährige Alexandra Mezher mit einem Messer in den Schenkel gestochen, als sie am 25. Januar in einem Asylbewerberheim eine Schlägerei zwischen Flüchtlingen zu schlichten versuchte. Sie verblutete. Ein anderer Mensch wurde ebenfalls durch Messerstiche verletzt. Der Äthiopier gab an, sich an die Tat nicht erinnern zu können. Sein Alter konnte nicht endgültig geklärt werden, doch kam das Gericht zu dem Schluss, dass er anders als selbst behauptet älter als 18 Jahre ist.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Das Gericht ordnete an, dass der Jugendliche nach einer psychiatrischen Behandlung abgeschoben wird und nicht vor 2026 nach Schweden zurückkehren darf. Ein Anwalt der Familie von Mezher zeigte sich enttäuscht von dem Urteil. Hans Gaestadius sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT, die Familie habe auf eine Verurteilung wegen Mordes gehofft und wolle Berufung gegen das Urteil einlegen.

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Schweden profitiert von einer hohen Binnennachfrage und kräftigen Exporten. Das Wachstum ist so stark wie in kaum einem anderen europäischen Land. Doch die vielen Asylbewerber schränken die Möglichkeiten des Landes ein.

Der Fall hatte in Schweden landesweit für Schlagzeilen gesorgt und die Debatte um die Flüchtlingspolitik weiter angeheizt. In den oft überbelegten Unterkünften kam es vermehrt zu gewaltsamen Konflikten zwischen Bewohnern. Schweden hat vergangenes Jahr neben Deutschland unter den EU-Staaten die meisten Flüchtlinge aufgenommen. In der Folge verschärfte die Regierung in Stockholm die Asylbestimmungen deutlich, so dass heute deutlich weniger Asylbewerber kommen.

Von

afp

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