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24.06.2011

19:01 Uhr

Helgoland

Deutschlands einzige Hochseeinsel soll wachsen

Um Helgoland künftig wieder attraktiver zu machen, soll die Insel vergrößert werden. Nicht alle sind mit den Plänen des Bürgermeisters einverstanden. Ein Bürgerentscheid am Sonntag soll Klarheit bringen.

Die Pläne sehen vor, Helgolands Hauptinsel mit der Düne zu verbinden. Quelle: dpa

Die Pläne sehen vor, Helgolands Hauptinsel mit der Düne zu verbinden.

HelgolandHelgoland soll größer werden: Die 1200 wahlberechtigten Bewohner auf Deutschlands einziger Hochseeinsel werden am Sonntag darüber abstimmen, ob der rote Felsen und die Düne durch Landaufspülung miteinander verbunden werden sollen. Wenn die Mehrheit mit einem „Ja“ stimmt, soll ein Plan entwickelt werden, wie Flächen für Wohnen und Gewerbe durch eine Verbindung beider Inselteile geschaffen werden können. Bei einem „Nein“ prüft die Gemeinde, wie neue Flächen durch Aufspülung direkt an der Hauptinsel entstehen können.

Bereits ab einer Wahlbeteiligung von 20 Prozent sei der Bürgerentscheid für das Kommunalparlament ein verpflichtender Auftrag, erklärte der Sprecher des Landkreises Pinneberg, Marc Trampe. Dennoch bedeutet der Bürgerentscheid nicht automatisch, dass die Landgewinnung auch realisiert werden kann. Er ist ein Zwischenschritt nach einer jahrelangen Diskussion um die Zukunft der Gemeinde.

Fakten zu Helgoland

Lage und Ausdehnung

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Sie gehört zum Bundesland Schleswig-Holstein und liegt rund 70 Kilometer vom Festland entfernt in der Deutschen Bucht. Die rund einen Quadratkilometer große Hauptinsel aus rotem Sandstein ragt bis zu 61 Meter aus dem Meer. Daneben liegt eine 700.000 Quadratmeter große Düne mit Badestränden, die 1720 bei einer Sturmflut abgetrennt wurde.

Tourismus

Die Nordsee-Insel ist wegen ihrer Lage und Natur ein beliebtes Ausflugsziel. Rund 300.000 Tagesgäste kamen im vergangenen Jahr, etwa 60.000 Urlauber blieben mindestens eine Nacht. Zu den Attraktionen zählen Seehunde und Kegelrobben, Trottellummen sowie zahlreiche Zugvögel. Für die rund 1300 Einwohner ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle.

Historisches

Die Geschichte Helgolands ist wechselhaft und aufregend. Die Insel wurde ursprünglich von Friesen besiedelt. Von 1402 an gehörte sie zum Herzogtum Schleswig, dann zu Dänemark und zu Großbritannien und ab 1890 zum Deutschen Reich. Im April 1945 griffen britische Bomber die zur Festung ausgebaute Insel an und zerstörten fast alle überirdischen Bauten, 1947 vernichtete eine Sprengung auch die unterirdischen Militäranlagen. Danach war die Insel militärisches Übungsgebiet der Briten. 1952 wurde Helgoland an die Bundesrepublik zurückgegeben - der Wiederaufbau konnte beginnen.

Helgoland muss wachsen, um nicht in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Davon sind die Befürworter um Bürgermeister Jörg Singer überzeugt: Der jetzige Zustand ist weder für die Insel-Bewohner noch für die Gäste oder Investoren interessant. So kehren viele Helgoländer seit Jahren ihrer Heimat dauerhaft den Rücken: Bis in die 1980er Jahre lebten dort stets mehr als 2000 Insulaner. Jetzt sind es nur noch 1300. Auch die Touristen - sie sind Helgolands wichtigste Einnahmequelle - zieht es immer seltener auf das Eiland. Kamen zu Spitzenzeiten jährlich mehr als 800.000 Besucher auf den roten Felsen, sind es jetzt nur noch 300.000.

Im Gegensatz dazu fürchten die Kritiker den Verlust von Helgolands unverwechselbarem Charme und Charakter sowie die Abhängigkeit von Investoren.

Von

dpa

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