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13.04.2016

16:00 Uhr

„Hells Angels“-Doku auf Arte

Rockerträume und wenig Wirklichkeit

Rebellen, Rocker, Kriminelle? Die Hells Angels werden oft mit Mord und Menschenhandel in Verbindung gebracht. Ein Gründungsmitglied der Stuttgarter Gruppe widerspricht und schwelgt auf Arte in verklärten Erinnerungen.

Lutz Schelhorn (r), der „Präsident“ des Rockerclubs „Hells Angels Motorcycle-Club Stuttgart“. In einer Dokumentation auf Arte redet Schelhorn über Rockertum als Traum von Freiheit und Rebellion. dpa

Auf den Spuren der Rocker

Lutz Schelhorn (r), der „Präsident“ des Rockerclubs „Hells Angels Motorcycle-Club Stuttgart“. In einer Dokumentation auf Arte redet Schelhorn über Rockertum als Traum von Freiheit und Rebellion.

StuttgartEr lebt in einem schlichten Einfamilienhaus in Stuttgart, im Vorgarten ist der Rasen genau geschnitten. Jeden Tag schließt Lutz Schelhorn mit einem schweren Metallschloss die Garagentür. Dahinter parkt sein wertvollster Schatz - das Motorrad. „Wir sind spießige Rocker“, scherzt einer seiner Freunde.

Doch Schelhorn ist nicht einfach ein Biker, sondern Präsident der Stuttgarter Hells Angels - und Protagonist in Marcel Wehns Dokumentation „Ein Hells Angel - Unter Brüdern“, die an diesem Mittwoch (22.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

Der 1959 geborene Fotograf Schelhorn gründete vor mehr als 30 Jahren mit Bekannten die Stuttgarter Charter, den Ableger der Hells Angels in Baden-Württemberg. Heute ist Schelhorn als Künstler sozial engagiert. Er wurde durch ein Fotoprojekt zum Thema Judendeportationen in der Region bekannt.

Ebenso brachte er seine Rocker-Gruppe durch Fotografien in die Schlagzeilen. Nun erzählt er vor der Kamera die Geschichte seines umstrittenen Clubs und schwelgt in romantisch-verklärten Erinnerungen: vom Traum des ersten Motorrads, Rebellionen gegen die Elterngeneration, dem Gemeinschaftsgefühl, wenn er mit seinen Freunden auf dem Motorrad durch das Land fährt.

„Dieser Rocker auf der Route 66 mit seiner Harley ist ein wahnsinnig schönes Bild. Aber es entspricht der Wirklichkeit nur sehr unzureichend, das ist es nicht“, sagt Kriminalkommissar Willi Pietsch. Nur in wenigen Szenen kommen in der 2014 entstandenen Dokumentation derartige kritische Stimmen zu Wort. Arte zeigt das Porträt der Stuttgarter Hells Angels erstmals im Fernsehen, zuvor war der Film im Kino zu sehen. Schelhorn präsentiert sich darin als Abenteurer, der seinen Club beschützen will.

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