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16.01.2007

07:00 Uhr

Herausforderung Bergmarathon

Keine Atempause

VonDieter Hintermeier

Bergmarathons sind eine läuferische Herausforderung. Doch wer erst einmal im „Berg steht“, will nicht mehr zurück. Das merken auch die zahlreichen Führungskräfte, denen Jürgen Mennel beim Belastungstest hilft.

An Jürgen Mennel hätte Forrest Gump seine wahre Freude. Wie die liebenswert-tollpatschige Figur aus dem gleichnamigen Filmepos ist er immer auf Achse. Er läuft und läuft.

Zum Gespräch erscheint der 46-jährige Sporttherapeut aus der Nähe von Neckarsulm im Sport-Outfit. „Ich habe gerade noch fünf Runden im Park gedreht“, sagt er. Mennel muss in Bewegung bleiben, um seine Trainingskilometer zusammenzubekommen, da spielt der Ort eine untergeordnete Rolle. Der Mann hat sich auf strapaziöse Berg- und Ultramarathons spezialisiert; er war schon Vizeweltmeister über die 100 Kilometer und kennt viele Berge vom Joggen. Und diese Leidenschaft fördert er auch bei Managern, die er im Durchbeißen trainiert.

Immer mehr Führungskräfte, die ihre ersten Marathonerfahrungen gesammelt haben, sind bei solchen Ultra-Läufen mit dabei. Zum Beispiel der Melsunger Unternehmer und DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. „Der Bergmarathon in Interlaken ist ab 25 Kilometer eine echte Tortur“, sagt er. Zu Ende gelaufen ist er den so genannten „Jungfrau-Marathon“, zu dem sich jedes Jahr Hunderte von „Ultras“ aus ganz Europa treffen, trotzdem.

Mennel kann das nachvollziehen. „Wenn du einmal im Berg stehst, gibt es kein Zurück mehr“, sagt er und verweist mit Stolz auf die 285 000 Kilometer, die er schon in seinem Leben im Laufschritt zurückgelegt hat. Davon viele, viele Kilometer „im Berg“.

Läufe wie der Swiss-Alpine-Postmarathon, der 78 Kilometer durch die wunderschöne Davoser Berglandschaft führt, üben auf ihn einen ganz besonderen Reiz aus. „Ich liebe die Ruhe der Natur und stelle fest, was ich alles schaffen und erreichen kann.“

Ein tolles Gefühl? Mennel findet: Ja! „Wer sich an einen solchen Belastungstest heranwagt, für den sind berufliche Misserfolge und Enttäuschungen schnell der Schnee von gestern. Wenn ich eine solche Strapaze bewältigt habe, spüre ich wieder meine eigene Stärke“, doziert der Langstrecken-Spezialist. Und das macht gerade den Reiz für gestresste Manager aus. Aber Vorsicht: Wer beim Jungfrau-Bergmarathon oder beim Swiss Alpine im Sommer dabei sein will, sollte durchtrainiert sein und mit dem Aufbauprogramm jetzt beginnen.

Um für einen solchen Gewaltlauf fit zu sein, sollten Interessierte sich erst testen: „Für den Halbmarathon darf die Uhr nicht mehr als 1 Stunde, 50 Minuten anzeigen!“ Dahin führt nur konsequenter Früh- und Abendsport. Und das dreimal in der Woche, je 45 Minuten.

„Bitte aber dafür sorgen, dass das Training in familienkompatiblen Zeiten organisiert wird“, mahnt Mennel. Andernfalls laufen vielleicht Partner und Kinder eines Tages – und zwar davon. Und das lohnt der schönste Berg nicht.

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