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10.03.2014

18:16 Uhr

Hilfe im Netz

Trauern per „Like“-Button

VonLaura Waßermann

Eine Mutter teilt den Tod ihrer Tochter mit der Netzgemeinde, eine andere sucht und findet Freunde für ihren kranken Sohn: Facebook, Twitter und Co. können in besonderen Situationen hilfreich sein, bergen aber Gefahren.

Online auch nach dem Tod: Das Profil von Nana Stäcker sollte auch nach ihrem Tod online bleiben. Das verfügte die junge Frau in einem Nachlass. Facebook

Online auch nach dem Tod: Das Profil von Nana Stäcker sollte auch nach ihrem Tod online bleiben. Das verfügte die junge Frau in einem Nachlass.

DüsseldorfFür Barbara Stäcker stand fest, dass sie im Internet um ihre Tochter trauern würde. Der Tod von Nana vor zwei Jahren bewegte deutschlandweit auch Menschen, die die damals 21-Jährige gar nicht persönlich kannten. Sie hatte ihre Krebserkrankung öffentlich gemacht und mit der Netzgemeinde geteilt.

Bevor die junge Frau ihrer Krankheit erlag, hatte sie den Verein „Recover your smile“ für junge Frauen gegründet, die trotz ihrer Krankheit Wert auf Schönheit legen. Sie selbst ließ sich bis zum Schluss fotografieren und teilte die Bilder auf ihrer Facebook-Seite. Es war ihre Art mit der Krankheit umzugehen und eine Art, anderen an Krebs Erkrankten zu zeigen: Du bist nicht allein.

Jetzt teilt ihre Mutter den Tod der Tochter. Sie führt das digitale Andenken an Nana weiter. Vergangene Woche etwa half sie via Faceook, einen Make-Up-Artist für ein Fotoprojekt zum Thema Brustkrebs im Raum Köln zu finden.

Nana war viel im Internet unterwegs gewesen und hatte auch zu einer Zeit noch online Kontakte gehalten, als sie dazu auf andere Art nicht mehr in der Lage gewesen war. Deswegen war es für ihre Familie wichtig, die Facebook-Seite auch nach dem Tod von Nana nicht vom Netz zu nehmen, damit jeder Abschied nehmen konnte. Wenn auch vielleicht nur digital. Blumen aus Satzzeichen geformt, virtuelle Gedenkkerzen, digitale Kondolenzbücher – Im im Netz ist eine völlig neue Trauerkultur entstanden.

Der Social Media-Experte und Gründer des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) in Berlin, Jörg Eisfeld-Reschke, sieht in der Internet-Trauer eine Chance: „Es ist eine weitere Ebene. Nach der Beerdigung muss man nicht aufhören zu trauern.“ So können beispielsweise über die Kommentarfunktion bei Facebook weitere Gedanken an den Verstorbenen oder die Hinterbliebenen geschickt werden – ohne großen Aufwand.

Prominente sind längst Teil dieser neuen Netz-Trauerkultur. So wie Jessica Alba. Sie teilte via Twitter ihre Bestürzung über den Tod ihres Schauspielkollegen Paul Walker, der im vergangenen Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam. Teilnehmen, „Like“ klicken, Mitgefühl aussprechen, trauern – das alles geht auf kurzem digitalem Weg.

Bei Nana war das auch so. Selbst einige Zeit nach ihrem Tod ist vielen Menschen Anteilnahme übers Netz noch wichtig. „In dieser Hinsicht ist die Hemmschwelle im Internet im positiven Sinne nicht so groß“, sagt Barbara Stäcker. Die vielen Nachrichten hätten ihr und ihrer Familie Kraft gegeben. Sie selbst ist bei Facebook in sogenannten Trauergruppen für Eltern unterwegs. „Einmal im Monat in so eine Gruppe zu gehen, dazu hätte ich keine Lust."

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