Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.06.2013

19:58 Uhr

Hochwasser

Das weiße Gold säuft ab

VonHans-Peter Siebenhaar

Die verheerenden Regenfälle und Überschwemmungen sorgen beim Spargel für Ernteausfälle von über 60 Prozent. Noch sind die Folgen der Wetterkatastrophe für die Bauern noch nicht abschätzbar.

Spargel könnte bald knapp werden. dpa

Spargel könnte bald knapp werden.

NürnbergWadenhoch steht das Wasser zwischen den mit schwarzen Plastikplanen abgedeckten Spargel-Beeten. Nach wochenlanger Kälte regnet es in dem fränkischen Spargeldorf Hausen an der Regnitz seit Tagen.  Das für die Jahreszeit außergewöhnlich miese Wetter entwickelt sich für die Anbauer des Stangengemüses zur wirtschaftlichen Katastrophe. „Wir rechnen mit einem Ernteausfall von über 60 Prozent“, sagt die Spargelbäuerin Kathrin Güthlein. Seit vier Uhr morgen steht die 30-Jährige auf den Beinen. In der Spargelzeit von Anfang April bis zum 24. Juni – Johanni (Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers) – herrscht auf dem Bauernhof auf halben Weg zwischen Bamberg und Nürnberg Hochbetrieb. Vor über drei Dekaden haben ihre Eltern, Lydia und Elmar Kupfer, den Spargelanbau massiv ausgebaut. Die lockeren Sandbänke entlang der Regnitz, die im Westen die Fränkische Schweiz begrenzt, die Regenarmut durch den Steigerwald im Westen und das vergleichsweise milde Flussklima begünstigen eigentlich den Anbau des edlen Gemüses. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

„So eine schlechte Saison haben wir noch nicht erlebt“, sagt Kathrin Güthlein, dick eingepackt an ihren Straßenverkaufsstand. Der Regen prasselt auf die eng zusammengestellten Sonnenschirme in strahlenden Grün und Orange. „Das Schwerste für uns ist: man kann mit Spargel nur schlecht planen. Bei schlechtem Wetter kann es eben durchaus sein, dass es einfach keinen Spargel gibt“, sagt die Spargel-Bäuerin. An diesem eiskalten Tag gibt es wenig zu ernten. Spargel ist eben kein Industrie-, sondern ein Naturprodukt. Das „weiße Gold“, wie der Spargel gerne genannt wird, braucht Wärme und Trockenheit. Und die gibt es zu diesem Zeitpunkt in ganz Mitteleuropa nicht und schon gar nicht in Hausen, wo gerade der örtliche Hirtenbach gerade die Dorfstraßen überschwemmt.

Überschwemmung: Wie verhalte ich mich richtig?

Wie schützt man Gefährdete sowie Hab und Gut?

Bei einer drohenden Überschwemmung ist es wichtig, sich zunächst ein aktuelles Bild der Lage zu machen, sei es durch Rundfunk, Fernsehen oder Internet. Als erstes sollten gefährdete Personen alarmiert und evakuiert werden. Wer auf Rettungsdienste wartet, darf wegen der Unterspülungs- und Abbruchgefahren auf keinen Fall Uferbereiche betreten. Auf überfluteten Straßen können gefährliche Gegenstände treiben. Betroffene sollten darauf achten, dass Fenster sowie Balkon- und Verandatüren geschlossen sind. Heizungen und elektrische Geräte im Keller sollten ausgeschaltet und gefährdete Räume mit Brettern abgedichtet werden. Auch Sandsäcke bieten Schutz. Wertvolle Gegenstände und Dokumente sollten in Sicherheit gebracht und gefährliche Stoffe wie Chemikalien abtransportiert werden, bevor die Flut einsetzt.

Welche Versicherung zahlt?

Die Kosten für Reparaturarbeiten am Wohngebäude wie beispielsweise die Gebäudetrocknung oder Instandsetzung des Mauerwerks übernimmt eine Wohngebäudeversicherung mit entsprechender Elementardeckung. Diese muss vom Kunden zusätzlich abgeschlossen worden sein. In den meisten Regionen Deutschlands ist dies kein Problem. Nur rund ein Prozent der in Deutschland stehenden Gebäude sind nicht versicherbar, weil sie fast jedes Jahr „im Wasser“ stehen. Die Elementar-Zusatzdeckung in der Hausratversicherung kommt für das beschädigtes oder zerstörtes Wohnungsinventar auf. Sollte durch Starkregen das Grundstück überflutet werden oder Wasser unter der Eingangstür durchlaufen und die Garderobe, den Wohnzimmerschrank oder das Sofa beschädigen, ersetzt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert des beschädigten Mobiliars. Die Elementardeckung deckt nicht nur das Risiko der Überschwemmung durch Gewässer ab, sondern auch durch Starkregen und Rückstau. Daher ist diese Zusatzversicherung auch für Kunden wichtig, die fern von Gewässern leben. Läuft ein Fluss über das Ufer und setzt das eigene Auto unter Wasser, tritt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ein. Der Schadensfreiheitsrabatt der Vollkaskoversicherung wird hierbei nicht belastet.

Was tun nach einem Schadenfall?

Nach einer Überschwemmung gilt es, das Ausmaß des Schadens zu begrenzen und so schnell wie möglich den Normalzustand wiederherzustellen. Dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

• Erreichte Wasserstände sollten markiert und Schäden dokumentiert werden.

• Wichtig ist, den Schaden beispielsweise durch Abpumpen des Wassers, Reinigung und Trocknung des Gebäudes sowie der durchnässten Einrichtung so gering wie möglich zu halten.

• Bevor elektrische Geräte wieder in Gang gesetzt werden, sollten Betroffene diese überprüfen lassen, da im schlimmsten Fall Lebensgefahr bestehen kann.

• Die Versicherung benötigt Informationen über Verluste und voraussichtliche Kosten so schnell wie möglich. Es wird unbedingt geraten, zerstörte oder beschädigte Gegenstände erst nach Rücksprache zu entsorgen.

Wichtig bei Kfz-Schäden

Sollte das Kraftfahrzeug überflutet worden sein, helfen folgende Hinweise:

• Betroffene sollten das Wasser aus dem Fahrgastraum ablaufen lassen, indem sie die Fahrzeugtüren und den Kofferraum öffnen. Bei einigen Fahrzeugmodellen sind spezielle Auflochbohrungen vorhanden.

• Lose Fahrzeuginnenteile wie Fußmatten oder Bezüge können entfernt und an der Luft getrocknet werden. Trocknungsversuche mit Hilfsmitteln wie etwa einem Fön sind gefährlich und sollten unterlassen werden. Auch sollte die Innenverkleidung nicht ausgebaut werden, da sie verzieht und später nicht mehr eingebaut werden kann.

• Auf keinen Fall darf der Motor eines überschwemmten Fahrzeugs gestartet werden.

• Ein Fachmann muss die Batterie abklemmen.

Datenrettung nasser Datenträger

Voraussetzung für eine erfolgreiche Datenrettung nasser Datenträger ist schnelles Handeln. Im Inneren von Festplatten befindet sich nicht wie weitläufig angenommen ein Vakuum, sondern staubfreie Luft. Bei thermischen Veränderungen wird sogar über einen gefilterten Schneckengang Luft von der Außenwelt angesaugt oder in die Umgebung abgegeben. Wird eine Festplatte lange Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt, kann Wasser in das Innere der Festplatte vordringen. Am besten wickelt man die noch nassen Festplatten mit einem feuchten Tuch ein und verpackt sie in einem Plastikbeutel luftdicht. Keinesfalls dürfen die Festplatten unter Strom gesetzt oder mit einem Fön getrocknet werden. Unkontrolliertes Trocknen kann zu Korrosion führen, wodurch die Datenrekonstruktion erheblich erschwert wird.

Wichtig sind bei der Schadenmeldung folgende Daten

• Versicherungsscheinnummer

• Was ist beschädigt und in welchem Umfang?

• Eine erste Schätzung zur Schadenhöhe

• Gegebenenfalls Fotos vom Schaden, aus denen der Schadenumfang hervorgeht

• Telefonnummer für Rückfragen

Vorbeugender Überschwemmungsschutz

Wer in einem durch Überschwemmung gefährdeten Gebiet wohnt, muss grundsätzlich besondere Vorsicht walten lassen: Bei einer Überschwemmung können Heizöltanks lecken und erhebliche Schäden an Gebäuden, Hausrat, Gewässern und Nutzflächen anrichten. Behälter und Rohrleitungen sollten von vornherein gegen Aufschwimmen, Zutritt von Wasser über Befüll-, Entlüftungs- und sonstige Öffnungen sowie gegen Beschädigungen durch Treibgut und Wasserdruck gesichert werden. Wie man das am besten macht, ist in der jeweiligen Verordnung über Anlagen zum Umgang mit Wasser gefährdenden Stoffen (VAwS) der Bundesländer geregelt. Wer ein Haus baut, sollte sich bewusst sein, dass man Schäden durch Überschwemmung auch mit baulichen Maßnahmen entgegenwirken kann. Das Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes vom Mai 2005 verpflichtet erstmals bundesweit einheitlich jeden, „der von Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwasser und zur Schadensminderung zu treffen“.

Quelle

Datenrettung Attingo.at/ Allianz Deutschland AG

Die Lage der Spargelbauern an Main, Regnitz und Donau ist ein Desaster, dessen Auswirkungen noch gar nicht abzuschätzen sind. „Das ist ein trauriges Schauspiel, was sich gerade vor meinen Augen abspielt. Um ehrlich zu wissen, wir wissen noch gar nicht wie groß der Schaden sein wird“, sagte Hans Höfler, Vorsitzender des Spargel-Erzeugerverbandes in Franken, dem Handelsblatt am Montag. Doch es geht nicht nur um die aktuellen Schäden. „Wenn die Wurzeln das Faulen anfangen, kann es nächstes Jahr zu einem totalen oder teilweisen Ernteausfall kommen. Durch das viele Wasser kann die Pflanze irreparabel beschädigt werden.“ Der Bauer aus dem fränkischen Knoblauchsland im Norden Nürnbergs ist verzweifelt: „So eine Situation in einer solchen Größenordnung habe ich noch nicht erlebt.“

Bei den politisch Verantwortlichen herrscht unterdessen Ratlosigkeit. „Wir können die Schäden noch nicht benennen“, sagte ein Sprecher des bayerischen Landwirtschaftsministeriums in München am Montag. „Entscheidend wird sein, wie schnell sich das Wasser in den nächsten Tagen von den landwirtschaftlichen Flächen zurückzieht“, sagte der bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei Osterhofen unweit der Donau-Stadt Deggendorf, wo er sich am Montag ein Bild von der aktuellen Situation machte. Eines ist aber bereits klar, das Kabinett unter Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wird sich am Mittwoch mit den Auswirkungen der Wetterkatastrophe beschäftigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×