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03.06.2013

11:47 Uhr

Hochwasser

Flut hält Deutschland in Atem

Wassermassen strömen durch Straßen, Menschen werden evakuiert: Süd- und Ostdeutschland versinken im Wasser, auch die Nachbarländer leiden. Unklar bleibt: Erreichen die Schäden das Ausmaß von 2002, übertreffen sie es?

Noch ist nahe Chemnitz der Rekord von 2002 nicht erreicht, wie die Marke des Jahrhunderthochwassers zeigt, an der die Einsatzkräfte der Feuerwehr hier vorbeifahren. Doch nach tagelangen Regenfällen ist das auch hier in Penig nicht ausgeschlossen, ganze Regionen in Deutschland drohen erneut im Wasser zu versinken. dpa

Noch ist nahe Chemnitz der Rekord von 2002 nicht erreicht, wie die Marke des Jahrhunderthochwassers zeigt, an der die Einsatzkräfte der Feuerwehr hier vorbeifahren. Doch nach tagelangen Regenfällen ist das auch hier in Penig nicht ausgeschlossen, ganze Regionen in Deutschland drohen erneut im Wasser zu versinken.

Magdeburg/ Stuttgart/ Erfurt/ Passau/ WienDie Hochwasserlage in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands hat sich weiter verschärft. In Passau sind die Wasserstände in der Nacht zum Montag erneut gestiegen. „Wir rechnen damit, dass im Laufe des Tages an Inn und Donau die historischen Höchststände von 1954 erreicht werden“, sagte am Morgen ein Sprecher des Passauer Krisenstabs. Am Inn betrug der Wasserstand bereits 9,60 Meter, an der Donau 12 Meter.

Die Passauer Altstadt und andere Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. In der Altstadt musste der Strom abgestellt werden. Mehr 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz (BRK) und Technischem Hilfswerk (THW) arbeiteten am Limit. Am Montagmorgen wurden 150 Soldaten der Bundeswehr zur Hochwasserhilfe in der Stadt erwartet. Am Mittag sollte der Krisenstab der Landesregierung zusammenkommen.

Überflutungen

Dramatische Hochwasser-Situation in Deutschland

Überflutungen: Dramatische Hochwasser-Situation in Deutschland

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Im Süden Sachsen-Anhalts entlang der Weißen Elster und der Saale gelte am Montag überall die Hochwasserwarnstufe 4, hieß es aus der Landeshochwasserzentrale. Die Werte an den Pegeln steigen weiter. An der Weißen Elster in Zeitz wird für Montagmittag der Scheitel erwartet. Der Katastrophenschutzleiter des Burgenlandkreises, Lutz Blech, bezeichnete die Lage in Zeitz am Montagmorgen als dramatisch. 700 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Einzelne Evakuierungen habe es auch an der Saale in Weißenfels gegeben. In Magdeburg soll laut Hochwasserzentrale am Montag das Pretziner Wehr geöffnet werden. Damit wird seit jeher versucht, die Landeshauptstadt und die Stadt Schönebeck vor Überflutungen zu schützen. In Halle wurde ein Pflegeheim evakuiert. Außerdem stünden in der Stadt 80 000 Sandsäcke bereit.

Auch in Thüringen und Sachsen wurde in mehreren Regionen der Katastrophenalarm ausgerufen. Von Evakuierungen war etwa die Stadt Gera betroffen, angespannt ist die Lage aber auch im Großraum Leipzig. Dort erwarteten die Behörden am Montag noch höhere Wasserstände als bei der verheerenden Flut vor elf Jahren. Noch dramatischer scheint die Lage allerdings im Kreis Nordsachsen, etwa in der Stadt Eilenburg. Die gesamte Innenstadt wurde evakuiert. Rund 7000 Menschen kamen unter anderem in Notquartieren unter.

Seit Sonntagabend helfen 50 Soldaten im thüringischen Bad Köstritz nahe Greiz bei der Deichsicherung, wie das Landeskommando am Montagmorgen mitteilte. Weitere 70 Soldaten sind seit der Nacht in Gera im Einsatz, um beim Sichern der Deiche zu helfen.

Erste Dämme hielten den Wassermassen nicht mehr Stand und brachen, so in Kolbermoor bei Rosenheim und im thüringischen Serbitz. Bei Tausenden Einwohnern allein in Mittelsachsen fiel der Strom aus. Viele Schulen in den Hochwassergebieten blieben am Montag geschlossen.

Das Hochwasser behindert auch den Bahnverkehr. Insbesondere in Süd- und Niederbayern seien einige Strecken unterbrochen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen München-Salzburg, Traunstein-Ruhpolding sowie zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Der Bahnhof Rosenheim wurde komplett gesperrt; dort stehen die Züge seit Sonntagabend still. Der Flugverkehr in München, Nürnberg und Augsburg lief normal.

Überschwemmung: Wie verhalte ich mich richtig?

Wie schützt man Gefährdete sowie Hab und Gut?

Bei einer drohenden Überschwemmung ist es wichtig, sich zunächst ein aktuelles Bild der Lage zu machen, sei es durch Rundfunk, Fernsehen oder Internet. Als erstes sollten gefährdete Personen alarmiert und evakuiert werden. Wer auf Rettungsdienste wartet, darf wegen der Unterspülungs- und Abbruchgefahren auf keinen Fall Uferbereiche betreten. Auf überfluteten Straßen können gefährliche Gegenstände treiben. Betroffene sollten darauf achten, dass Fenster sowie Balkon- und Verandatüren geschlossen sind. Heizungen und elektrische Geräte im Keller sollten ausgeschaltet und gefährdete Räume mit Brettern abgedichtet werden. Auch Sandsäcke bieten Schutz. Wertvolle Gegenstände und Dokumente sollten in Sicherheit gebracht und gefährliche Stoffe wie Chemikalien abtransportiert werden, bevor die Flut einsetzt.

Welche Versicherung zahlt?

Die Kosten für Reparaturarbeiten am Wohngebäude wie beispielsweise die Gebäudetrocknung oder Instandsetzung des Mauerwerks übernimmt eine Wohngebäudeversicherung mit entsprechender Elementardeckung. Diese muss vom Kunden zusätzlich abgeschlossen worden sein. In den meisten Regionen Deutschlands ist dies kein Problem. Nur rund ein Prozent der in Deutschland stehenden Gebäude sind nicht versicherbar, weil sie fast jedes Jahr „im Wasser“ stehen. Die Elementar-Zusatzdeckung in der Hausratversicherung kommt für das beschädigtes oder zerstörtes Wohnungsinventar auf. Sollte durch Starkregen das Grundstück überflutet werden oder Wasser unter der Eingangstür durchlaufen und die Garderobe, den Wohnzimmerschrank oder das Sofa beschädigen, ersetzt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert des beschädigten Mobiliars. Die Elementardeckung deckt nicht nur das Risiko der Überschwemmung durch Gewässer ab, sondern auch durch Starkregen und Rückstau. Daher ist diese Zusatzversicherung auch für Kunden wichtig, die fern von Gewässern leben. Läuft ein Fluss über das Ufer und setzt das eigene Auto unter Wasser, tritt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ein. Der Schadensfreiheitsrabatt der Vollkaskoversicherung wird hierbei nicht belastet.

Was tun nach einem Schadenfall?

Nach einer Überschwemmung gilt es, das Ausmaß des Schadens zu begrenzen und so schnell wie möglich den Normalzustand wiederherzustellen. Dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

• Erreichte Wasserstände sollten markiert und Schäden dokumentiert werden.

• Wichtig ist, den Schaden beispielsweise durch Abpumpen des Wassers, Reinigung und Trocknung des Gebäudes sowie der durchnässten Einrichtung so gering wie möglich zu halten.

• Bevor elektrische Geräte wieder in Gang gesetzt werden, sollten Betroffene diese überprüfen lassen, da im schlimmsten Fall Lebensgefahr bestehen kann.

• Die Versicherung benötigt Informationen über Verluste und voraussichtliche Kosten so schnell wie möglich. Es wird unbedingt geraten, zerstörte oder beschädigte Gegenstände erst nach Rücksprache zu entsorgen.

Wichtig bei Kfz-Schäden

Sollte das Kraftfahrzeug überflutet worden sein, helfen folgende Hinweise:

• Betroffene sollten das Wasser aus dem Fahrgastraum ablaufen lassen, indem sie die Fahrzeugtüren und den Kofferraum öffnen. Bei einigen Fahrzeugmodellen sind spezielle Auflochbohrungen vorhanden.

• Lose Fahrzeuginnenteile wie Fußmatten oder Bezüge können entfernt und an der Luft getrocknet werden. Trocknungsversuche mit Hilfsmitteln wie etwa einem Fön sind gefährlich und sollten unterlassen werden. Auch sollte die Innenverkleidung nicht ausgebaut werden, da sie verzieht und später nicht mehr eingebaut werden kann.

• Auf keinen Fall darf der Motor eines überschwemmten Fahrzeugs gestartet werden.

• Ein Fachmann muss die Batterie abklemmen.

Datenrettung nasser Datenträger

Voraussetzung für eine erfolgreiche Datenrettung nasser Datenträger ist schnelles Handeln. Im Inneren von Festplatten befindet sich nicht wie weitläufig angenommen ein Vakuum, sondern staubfreie Luft. Bei thermischen Veränderungen wird sogar über einen gefilterten Schneckengang Luft von der Außenwelt angesaugt oder in die Umgebung abgegeben. Wird eine Festplatte lange Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt, kann Wasser in das Innere der Festplatte vordringen. Am besten wickelt man die noch nassen Festplatten mit einem feuchten Tuch ein und verpackt sie in einem Plastikbeutel luftdicht. Keinesfalls dürfen die Festplatten unter Strom gesetzt oder mit einem Fön getrocknet werden. Unkontrolliertes Trocknen kann zu Korrosion führen, wodurch die Datenrekonstruktion erheblich erschwert wird.

Wichtig sind bei der Schadenmeldung folgende Daten

• Versicherungsscheinnummer

• Was ist beschädigt und in welchem Umfang?

• Eine erste Schätzung zur Schadenhöhe

• Gegebenenfalls Fotos vom Schaden, aus denen der Schadenumfang hervorgeht

• Telefonnummer für Rückfragen

Vorbeugender Überschwemmungsschutz

Wer in einem durch Überschwemmung gefährdeten Gebiet wohnt, muss grundsätzlich besondere Vorsicht walten lassen: Bei einer Überschwemmung können Heizöltanks lecken und erhebliche Schäden an Gebäuden, Hausrat, Gewässern und Nutzflächen anrichten. Behälter und Rohrleitungen sollten von vornherein gegen Aufschwimmen, Zutritt von Wasser über Befüll-, Entlüftungs- und sonstige Öffnungen sowie gegen Beschädigungen durch Treibgut und Wasserdruck gesichert werden. Wie man das am besten macht, ist in der jeweiligen Verordnung über Anlagen zum Umgang mit Wasser gefährdenden Stoffen (VAwS) der Bundesländer geregelt. Wer ein Haus baut, sollte sich bewusst sein, dass man Schäden durch Überschwemmung auch mit baulichen Maßnahmen entgegenwirken kann. Das Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes vom Mai 2005 verpflichtet erstmals bundesweit einheitlich jeden, „der von Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwasser und zur Schadensminderung zu treffen“.

Quelle

Datenrettung Attingo.at/ Allianz Deutschland AG

Eine Entspannung dieser Situation ist in vielen Hochwassergebieten vorerst nicht in Sicht: Der Deutsche Wetterdienst sagte auch für den Montag zum Teil kräftigen Regen voraus. So gab es für Südbayern und das Erzgebirge Warnungen vor extremem Unwetter.

Die tschechischen Behörden kämpfen ebenfalls gegen die Wassermassen, auch die Prager Altstadt ist bedroht. Die Zahl der Hochwasser-Opfer ist mittlerweile auf fünf gestiegen. Mindestens vier weitere Menschen galten nach Polizeiangaben am Montagmorgen als vermisst, darunter zwei Männer, die auf einem Hochwasser führenden Fluss eine Rafting-Tour unternommen hatten. Die Regierung rief am Sonntagabend nach einer Krisensitzung den Notstand über die Provinz Böhmen aus.

Rund 3000 Bewohner der Region Mittelböhmen rund um die tschechische Hauptstadt Prag mussten sicherheitshalber ihre Häuser verlassen, tausende Haushalte waren ohne Strom. Die Armee war mit 2000 Soldaten im Einsatz gegen die Fluten. In Prag waren weite U-Bahn-Abschnitte gesperrt, zahlreiche Bahnstrecken und Straßen waren unterbrochen, Schüler bekamen schulfrei. Für weite Teile des Landes gilt der Ausnahmezustand, genauso wie in weiten Teilen Österreichs.

Niederösterreichs Donau-Bezirke waren am Sonntagabend etwa zum Katastrophengebiet erklärt worden. Die Pegel stiegen weiter gefährlich an, bei Kienstock in der Wachau wurden am Morgen 9,59 Meter gemessen. Für den frühen Abend lautete die Prognose 10,92 Meter, was dem „Jahrhunderthochwasser“ vom August 2002 entsprechen würde.

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