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03.06.2016

16:52 Uhr

Hochwasser in Frankreich

Paris evakuiert den Louvre

VonThomas Hanke

Die französische Hauptstadt steht unter Wasser und hat den Notfallplan aktiviert: Kunstschätze werden in Sicherheit gebracht, die Polizei ist im Dauereinsatz. Die Gewerkschaft überlegt währenddessen, wieder zu streiken.

Die Seine, die durch Paris fließt, tritt über die Ufer in der französischen Hauptstadt. Der Louvre musste bereits evakuiert werden. Reuters

Unter Wasser

Die Seine, die durch Paris fließt, tritt über die Ufer in der französischen Hauptstadt. Der Louvre musste bereits evakuiert werden.

ParisFrankreich bleibt nichts erspart: Nach Streiks, Treibstoffknappheit und ausfallenden Zügen droht nun auch noch der Hauptstadt eine Überschwemmung. Am Freitagmittag erreichte die Seine im Zentrum von Paris einen Pegelstand  von sechs Metern, Tendenz steigend. Ab diesem Niveau müssen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Der Louvre, in dessen Kellern Kunstwerke von unschätzbarem Wert lagern, wird bereits teilweise evakuiert und ist für Besucher geschlossen. Ähnlich ist es im Musée d’Orsay. Es ist ebenfalls geschlossen, und aus den Kellern werden Gemälde in die höheren Etagen geschaffen.

Sogar die Politik ist betroffen. Der Premierminister hat einen Notfallplan in Gang gesetzt. Mehrere Ministerien und auch der Palast des Präsidenten, der Elysée, liegen im Einzugsbereich eines starken Hochwassers. Sollte der Pegel weiter stark ansteigen, müsste Präsident Francois Hollande mit seiner Mannschaft umziehen, ins Chateau de Vincennes am Stadtrand von Paris.

Krise, Katastrophe, Katastrophenalarm – wann gilt was?

Begriffserklärung

Die Begriffe Krisen und Katastrophen nach verheerenden Unwettern oder anderen Notsituationen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft gleichgesetzt. Eine Begriffserklärung.

Krise

Im Bevölkerungsschutz und der Katastrophenhilfe wird mit dem Begriff Krise eine Lage bezeichnet, bei der Sachschäden drohen oder bereits entstanden sind, und Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr diese Lage nicht mehr allein bewältigen können. Eine Krisenlage kann durch Naturereignisse (Stürme, Starkniederschläge, Hochwasser, Waldbrände, Epidemien) ausgelöst werden oder zivilisatorische Ursachen haben – diese reichen von technischem Versagen oder Fahrlässigkeit bei Unfällen und Havarien bis zu Terroranschlägen.

Katastrophe

Sind Gesundheit oder Leben vieler Menschen, deren natürliche Lebensgrundlagen und bedeutende Sachwerte in ungewöhnlichem Ausmaß bedroht, sprechen die Behörden von einer Katastrophe. Für die Bewältigung dieses „Großschadensereignisses“ reichen die normalen technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der betroffenen Gemeinden oder Kreise nicht aus. Zudem erfordert die Abwehr und Bekämpfung die einheitliche Leitung durch die zuständige (Katastrophenschutz-)Behörde.

Katastrophenalarm

Ein Katastrophenalarm (Katal) wird ausgelöst, wenn ein Notfall die besondere Koordination der Hilfskräfte verlangt beziehungsweise für dessen Bewältigung die technischen und finanziellen Mittel oder rechtlichen Befugnisse der normalerweise zuständigen Gemeinden nicht ausreichen. Die Bewältigung von Katastrophen und das Krisenmanagement liegen in Deutschland grundsätzlich in der Verantwortung der 16 Bundesländer. Der Katastrophenfall wird demzufolge entsprechend dem Katastrophenschutzgesetz des jeweiligen Landes festgestellt. Dies war auch im niederrheinischen Hamminkeln der Fall, wo ein Dammbruch am Fluss Issel befürchtet wurde.

Seit Jahrzehnten lebt Paris in der furchtsamen Erwartung eines neuen katastrophalen Hochwassers wie 1910, als weite Teile der Stadt überschwemmt wurden. Damals wurde allerdings ein Pegel von zehn Metern erreicht, wovon man noch weit entfernt ist. Experten rechnen damit, dass am Freitag bei 6,30 der Höchstwert erreicht wird und das Wasser anschließend zurückgeht. Denn in den Nebenflüssen der Seine werden bereits wieder sinkende Wasserstände gemessen.

In den vergangenen Jahren wurde Vorsorge getroffen: Im Osten von Paris wurden vier große künstliche Seen angelegt, die bei Bedarf geflutet werden können. Wunder verbringen diese Überschwemmungsräume aber nicht: Man rechnet damit, dass sie den Wasserstand der Seine in Paris um 70 Zentimeter absenken.

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