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23.01.2011

11:08 Uhr

Hochwasser

Kritik an der australischen Kohleindustrie

VonUrs Wälterlin

In Australien hat die Suche nach möglichen Schuldigen für die Hochwasserkatastrophe der letzten Wochen begonnen, die bis zu 30 Menschenleben gekostet haben dürfte. Einzelne Ökonomen rechnen mit einem Gesamtschaden von bis zu 30 Mrd. australischen Dollar.

Das Handout vom 07.01.2011 zeigt Überschwemmungen im australischen Queensland. Das Jahrhunderthochwasser hat den beschaulichen Brisbane River in einen reißenden Strom verwandelt. Quelle: dpa

Das Handout vom 07.01.2011 zeigt Überschwemmungen im australischen Queensland. Das Jahrhunderthochwasser hat den beschaulichen Brisbane River in einen reißenden Strom verwandelt.

CANBERRA. Die Überschwemmung ganzer Stadteile von Brisbane vor rund zwei Wochen hätte möglicherweise verhindert werden können. Zu diesem Schluss kommt die australische Tageszeitung "The Australian" am Wochenende. Die stufenweise Senkung des Pegels in einem Damm hinter der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland am 11. Januar durch die Verantwortlichen sei "zur schlimmstmöglichen Zeit" vorgenommen worden, zitiert das Blatt nicht namentlich genannte Experten.

Kritiker glauben, die Behörden hätten die Schleusen des nach wochenlangen Regenfällen vom Überfliessen bedrohten Wivenhoe-Dammes zu spät geöffnet und damit zum Ansteigen des bereits hohen Brisbaneflusses und der Überflutung von Teilen der Stadt beigetragen. Andere Kommentatoren sind der Meinung, die Anlage habe eine grössere Katastrophe verhindert. Der Damm war nach den verheerenden Überschwemmungen von 1974 gebaut worden. Die Regierung von Queensland hat inzwischen eine Untersuchung eingeleitet.

Bis zu 30 Tote

Mit der Debatte hat in Australien die Suche nach möglichen Verantwortlichen für die Katastrophe begonnen, die bis zu 30 Menschenleben gekostet haben dürfte. Einzelne Ökonomen rechnen mit einem Gesamtschaden an privatem und öffentlichen Eigentum von bis zu 30 Mrd. australischen Dollar.

Mindestens 5.400 Häuser wurden über das erste Stockwerk überflutet, nachdem in Brisbane und Ipswich steigende Flüsse ganze Stadtteile überspült hatten. Weitere 21.000 Gebäude standen teilweise unter Wasser. 90.000 Kilometer Strassen im Bundesstaat sind beschädigt, tausende von Quadratkilometern Argrarland bleiben vorerst unbenutzbar. Die Kohleindustrie kommt nach der Überflutung dutzender Minen und der Zerstörung von Eisenbahnstrecken nur langsam wieder in Gang.

Stich ins Wespennest

Doch genau dieser wichtige Wirtschaftszweig kommt nun auch unter Beschuss. Der Chef der australischen Grünen, Bob Brown, stach in ein Wespennest, als er die Überflutungen mit dem Klimawandel in Verbindung brachte. Die Kohleindustrie sei mit verantwortlich für die Erwärmung der Erdatmosphäre, meinte er. Sie solle sich deshalb an den Kosten für die Schäden beteiligen. Australien ist der größte Exporteur von Kohle auf der Welt. Die Industrie, angeführt von den Unternehmen BHP Billiton, Rio Tinto und Xstrata, genießt seit Jahren einen Rohstoffboom. Der Bundesstaat Queensland ist die wichtigste Quelle für Kokskohle, die in der Stahlherstellung verwendet wird. Bei voller Produktion verschifft Queensland pro Tag Kohle im Wert von 100 Millionen australischen Dollar.

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