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01.09.2011

11:42 Uhr

Höchststand in Berlin

Grundwasser steigt bedrohlich

Der Hauptstadt steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals. Weil die Berliner immer weniger Trinkwasser verbrauchen, steigen die Grundwasserstände. Ohne Pumpen geht es in vielen Kellern nicht mehr.

Das Grundwasser in Deutschland steigt durch den sinkenden Wasserverbrauch. dapd

Das Grundwasser in Deutschland steigt durch den sinkenden Wasserverbrauch.

BerlinDas Grundwasser wird für Berlin zur Bedrohung: Die Metropole kann sich zwar fast vollständig mit Trinkwasser aus dem eigenen Stadtgebiet versorgen. Doch weil die Berliner seit Anfang der 1990er Jahre immer weniger Wasser verbrauchen, steigen die unterirdischen Grundwasserstände teilweise wieder auf das vorindustrielle Niveau an. Zu spüren bekommen das sowohl Hausbesitzer als auch Betriebe. 

Als Klaus Seiler aus dem Urlaub heimkehrte, war der Schock groß. „Obwohl die Pumpe im Keller die ganze Zeit lang gelaufen war, stand das Wasser 15 Zentimeter hoch“, erzählt der 69-Jährige. Seiler lebt in Berlin-Rudow, in einem Urstromtal, das quer durch Berlin verläuft. Hier steht das Grundwasser besonders hoch, etwa drei Meter unter der Erdoberfläche. In Feuchtgebieten sind sogar nur 50 Zentimeter Abstand. 

Jahrzehntelang war das für Seiler kein Problem, denn das benachbarte Wasserwerk Johannisthal sorgte für einen niedrigen Grundwasserspiegel. Doch seit es nicht mehr mit voller Leistung arbeitet, steht bei Seiler und den Nachbarn das Wasser immer wieder im Keller. Schadenersatzklagen gegen das Land blieben erfolglos. Als Notmaßnahme hat die Verwaltung Brunnen in die Siedlung gebaut, damit nicht alle Häuser absaufen. Den Steuerzahler kostet das jährlich bis zu 300.000 Euro. Laut Umweltverwaltung sind etwa 20 Häuser bedroht. 

Die Siemens AG greift seit Jahren zur Selbsthilfe. Das Wasserwerk Jungfernheide wurde 2001 stillgelegt, was sich schnell im Industrie- und Gewerbegebiet Siemensstadt bemerkbar machte. Auf eigene Kosten lässt das Unternehmen nun das Wasserwerk bei Bedarf weiter arbeiten. Die Verwaltung hat den Bau eines eigenen Wasserwerks genehmigt. Das sei für das Unternehmen günstiger, erklärt der Geologe Alexander Limberg von der Umweltverwaltung. 

„Berlin ist dicht am Wasser gebaut. Das Ganze hier war einmal eine Sumpflandschaft“, sagt Limberg. Von seinem Büro aus schaut er auf die Spree, die etwa drei Meter tiefer verläuft als die Straße. „So hoch steht auch das Grundwasser im Zentrum“, erklärt er. „Der Kurfürsten- oder der Siemensdamm wurden einst als Dämme errichtet, damit man überhaupt trockenen Fußes durch die Stadt kam.“ 

Während Berlin wuchs und die Industrie boomte, trocknete die Sumpflandschaft immer mehr aus. Jahrzehntelang wurde großflächig der Grundwasserspiegel gesenkt, bevor gebaut wurde. Anfang der 1980er musste das Grundwasser sogar mit Wasser aus Havel und Spree künstlich wieder angereichert werden, damit die Baumstämme, auf denen viele Häuser stehen, nicht verrotten. 

Kommentare (2)

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wasserfreunde

15.03.2012, 10:37 Uhr

tja, das passiert halt, wenn man seine Wasserbetriebe an private Investoren verkauft. dann kümmert man sich nicht mehr um das grundwassermanagement, sondern gibt - um die aktionäre zu erfreuen - die wasserwerke samt wasserschutzgebiete auf, um die grundstücke teuer zu bebauen ....
und der bevölkerung steht das wasser bis zum hals

"Privatisierung ist nur am ersten Tag schön, wenn man einen Verkaufserlös kassieren kann. Aber dann kommt, dass man keinen Einfluss mehr hat, keine Gestaltungsmöglichkeit. Man ist den Investitionsentscheidungen von fernen Konzernzentralen ausgeliefert. Man hat keinen Einfluss auf die Preise, auf die ökologische Qualität. Man hat eigentlich als Gemeinderat abgedankt.” (Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. In: Water makes money. 2010)

peterkittel

03.11.2012, 09:07 Uhr

(Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. In: Water makes money. 2010)

Tja, das hat sich von der Münchner bis zur Berliner SPD wohl noch nichtrumgesprochen. Seinen "Denkzettel" wird Wowereit aber bekommen. Ganz sicher.

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