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11.03.2014

16:09 Uhr

Hoeneß-Prozess

Und stündlich wächst die Steuerschuld

VonCornelia Knust

Immer neue Summen werden bekannt und kosten Uli Hoeneß weiter an Glaubwürdigkeit. Die Steuerfahnderin sagt aus, er habe zusätzliche Millionen und damit insgesamt 27,2 Millionen hinterzogen. Hoeneß schien den Tränen nah.

Steuerprozess

Zerknirscht und unsicher: Hoeneß' zweiter Tag vor Gericht

Steuerprozess: Zerknirscht und unsicher: Hoeneß' zweiter Tag vor Gericht

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München„Ein großer Schuhkarton voll Daten“ – so nennt Richter Rupert Heindl das, was den Finanzbehörden, der Staatsanwaltschaft und auch ihm selbst gerade vorliegt. Der Vorsitzende der 5. Strafkammer am Landgericht München II, der mit seinen Kollegen seit gestern über den Steuersünder Ulrich Hoeneß zu Gericht sitzt, zeigt sich vom Aufklärungswillen des Angeklagten immer noch nicht beeindruckt.

Was die heutige Zeugin, die Steueramtsrätin Gabriele H. aus Rosenheim, über das Jahr von Hoeneß Selbstanzeige am 17. Januar 2013 bis zur plötzlichen Übergabe großer Datenmengen am 27. Februar 2014 berichtet, ist nicht gerade dazu angetan, das Vertrauen in diesen Willen zu vergrößern. Monatelange Geduld mit dem prominenten Angeklagten wurde nicht belohnt; im Gegenteil, man musste sich von Hoeneß verschaukelt fühlen.

Die Summe der angeblich hinterzogenen Steuern wächst immer weiter: In der Anklageschrift hatte der Staatsanwalt noch einen Betrag von 3,5 Millionen aufgeführt – bei 33 Millionen zu versteuerndem Gewinn. Am ersten Prozesstag dann die große Enthüllung: Hoeneß räumte ein, dass es sogar 15 Millionen mehr und damit 18,5 Millionen hinterzogene Steuern seien.

Doch damit immer noch nicht genug: Am Dienstagmittag sagte eine Rosenheimer Steuerfahnderin aus, es handele sich bei der dem Fiskus vorenthaltenen Summe um mindestens 23,7 Millionen Euro. Die Berechnung dieser Steuerschuld basierte demnach auf neu eingereichten Unterlagen für die Jahre 2003 bis 2006. Die von der Staatsanwaltschaft genannte Zahl 3,5 Millionen käme damit noch obendrauf. Damit hätte Hoeneß, sofern die Angaben stimmen, 27,2 Millionen Euro hinterzogen.

Hoeneß entlasten könnte auch ...

... die freiwillige Selbstanzeige

Sollten die Richter zu der Überzeugung gelangen, dass Uli Hoeneß seine Selbstanzeige aus freien Stücken eingereicht hat, könnte dies für ihn strafmildernd berücksichtigt werden.

... die freiwillige Selbstanzeige II

Die freiwillige Selbstanzeige steht der taktischen Selbstanzeige entgegen. Sollten die Richtern zu dem Schluss kommen, dass Hoeneß erst handelte, als ihm bereits klar war, dass ihm Medien auf der Spur waren, kann er in diesem Punkt nicht mit Strafmilderung rechnen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater

Strafmildernd in Betracht könnten die Richter auch, dass Hoeneß bei der Selbstanzeige mit einem Experten, seinem Steuerberater, kooperiert hat, sich von ihm hat beraten lassen.

... die Kooperation mit seinem Steuerberater II

„Das Gericht hat die Aufgabe, den Sachverhalt vollumfänglich zu würdigen, und insbesondere alle Umstände zu berücksichtigen, die für den Mandanten sprechen“, sagt Christine Varga, Rechtsanwältin bei Rödl & Partner. Die Tatsache, dass Hoeneß sich habe beraten lassen, sollten die Strafverteidiger in jedem Falle aufgreifen.

Entsprechend niedergeschlagen sitzt Hoeneß auf seinem Stuhl in der Anklagebank. Vor den Fotografen gelingt ihm noch ein Lächeln; für den Rest des Tages sieht er so aus, als wolle er jeden Moment in Tränen ausbrechen. Zum Spiel seines Vereins heute Abend wird er aber auf jeden Fall kommen; das sagte sein Sprecher – von Hoeneß erst am vergangenen Freitag engagiert – auf Anfrage in einer Verhandlungspause.

Werden die Fans ihm immer noch zujubeln, nachdem sich nun andeutet, dass der Präsident ihres Vereins und Aufsichtsratschef der zugehörigen AG einen zweistelligen Millionenbetrag an Steuern nachzahlen muss? Ist er trotzdem noch ihr Uli?

Audi-Chef Rupert Stadler hat ihn jedenfalls nicht fallengelassen auf der heutigen Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens, das an der FC Bayern AG beteiligt und im Aufsichtsrat vertreten ist. Er will nach wie vor ein rechtskräftiges Urteil über Hoeneß abwarten. Das könnte nun doch erst später als ursprünglich geplant an diesem Donnerstag fallen; eine Sprecherin des Landgerichts deutet dies heute an.

Ob der Prozess angesichts des des prall gefüllten Daten-Schuhkartons, dessen Auswertung Monate dauern könnte, verlängert werden muss, entscheidet sich laut Gerichtssprecherin Andrea Titz am Mittwoch. Zuvor hatte sie eine Urteilsverkündung wie geplant am Donnerstag als „nicht mehr sehr wahrscheinlich“ bezeichnet.

Fraglich ist, ob man Hoeneß nicht auch verurteilen kann, ohne den besagten Schuhkarton, vor allem ohne die komplizierten Devisenspekulationsgeschäfte, genau gesichtet und nachvollzogen zu haben. Denn diese Geschäfte stecken ja offenbar hinter der Riesensumme von 15 oder 20 Millionen Euro zusätzlich hinterzogenen Steuern.

Für Mittwoch sind zwei zusätzliche Zeugen vor dem Münchner Landgericht geladen, darunter ein Betriebsprüfer. Danach will das Gericht beschließen, ob weitere Verhandlungstage notwendig sind. Zudem habe die Verteidigung des FC-Bayern-Präsidenten nun Gelegenheit, die Berechnungen der Rosenheimer Steuerfahndung zu einer noch höheren Steuerschuld zu überprüfen

Kommentare (41)

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11.03.2014, 15:13 Uhr

Ab ins Café Viereck...

Account gelöscht!

11.03.2014, 15:35 Uhr

Zitat : Die Rosenheimer Steuerfahnderin sagt aus, er habe 23,7 Millionen und damit fünf Millionen mehr hinterzogen als gestern eingeräumt

- das Gericht sollte sich mehr Zeit nehmen und die 70.000 Seiten durchforsten lassen ( könnten auch Praktikanten machen ) !

Da werden dann locker mal aus den 23 Mio. € schnell über 50 Mio. € !

Der Einsatz macht sich allemal bezahlbar !

Und dann ab hinter schwedische Gardinen, Herr Präsident des FC Bayern !

Account gelöscht!

11.03.2014, 15:35 Uhr

Die Staatsanwaltschaft geht doch schon von 2,7 Mill. mehr aus, also mindestens 26,X Mill. Euro insgesamt. Die Summe verändert sich fast schon stündlich nach oben. Der Prozess wird morgen garantiert unterbrochen bis mal Klarheit besteht.
Wieso gibt Hoeneß einen ein Jahr alten Datensatz erst Ende Februar 2014 dem Finanzamt?! So etwas muss er sich, wenn er so was machen will, von der Bank ganz neu und aktuell schicken lassen und dann abgeben. Warum hat er ein so teures Verteidigerteam, wenn da laufend groteske Fehler fabriziert werden. Der bettelt ja geradezu um Knast!
Er hatte am Anfang die Möglichkeit sich pauschal und ohne Nachweis selbst wegen des Steuerbetrugs von wenigstens 30 Mill. Euro anzuzeigen und diese Summe plus 10 Prozent an das Finanzamt zu überweisen. Er hätte argumentieren können, das er die genaue Summe mit den entsprechenden Unterlagen und Belegen nachreicht, wenn er die Unterlagen von seiner Schweizer Bank erhalten hat. Innerhalb dieser Summe hätte die strafbefreiende Selbstanzeige ihre Gültigkeit gehabt, es dürfte dann natürlich nicht über die am Anfang genannte Summe hinaus gehen. Diese unnötige Panik war absolut kontraproduktiv, jetzt muss er in der Knastnäherei wohl doch noch FC Bayern Trikots nähen.

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