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10.10.2013

17:19 Uhr

Hohe Baukosten

Limburger Staatsanwaltschaft prüft Untreueverdacht

Zuerst die Protz-Diskussion, dann ein Strafbefehl wegen Falschaussage und jetzt der Untreueverdacht: Die Limburger Staatsanwaltschaft nimmt die Kostenexplosion beim Bau des Bischofssitzes unter die Lupe.

Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg, in der Kapelle des Bischofshauses: Der 53-Jährige gerät immer mehr in Bedrängnis. dpa

Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg, in der Kapelle des Bischofshauses: Der 53-Jährige gerät immer mehr in Bedrängnis.

Limburg/DüsseldorfNach dem Eingang mehrerer Strafanzeigen gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geht die Staatsanwaltschaft Limburg einem Untreueverdacht im Zusammenhang mit der Kostenexplosion beim Bau des Bischofssitzes in Limburg nach. „Wir prüfen den konkreten Anfangsverdacht der Untreue“, bestätigte ein Sprecher der Behörde am Donnerstag einen Vorabbericht des „Wiesbadener Kuriers“.

Dem Sprecher zufolge gingen seit Mittwoch insgesamt vier Strafanzeigen gegen Tebartz-van Elst bei der Staatsanwaltschaft ein. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass die Kosten für den Bau des Bischofssitzes in Limburg auf mindestens 31 Millionen Euro gestiegen sind. Ursprünglich war ein einstelliger Millionenbetrag veranschlagt worden. Tebartz-van Elst steht daher wegen Verschwendungsvorwürfen in der Kritik.

Für den 53-Jährigen wird die Luft immer dünner: Aus der zunächst moralischen Diskussion über die Verhältnismäßigkeit der Baukosten für seine Residenz hat sich inzwischen eine juristische Angelegenheit entwickelt. Im Zusammenhang mit einem Indien-Besuch soll der Limburger Bischof falsche eidesstattliche Versicherungen in zwei Fällen abgegeben haben. Deswegen will die Staatsanwaltschaft Hamburg Strafbefehl beantragen.

Auch Robert Zollitsch, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, distanzierte sich öffentlich von Tebartz-van Elst und wird den Fall in Rom mit dem Papst erörtern. Von den Baukosten in Höhe von inzwischen 31 Millionen sei er „genauso überrascht“ wie alle anderen, erklärte er vor Pressevertretern in Berlin.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ legte Tebartz-van Elst nahe, sein Amt zumindest ruhen zu lassen, solange die Ermittlungen laufen. Bisher zumindest zeigte sich Tebartz-van Elst stur und verteidigte in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung die Kosten für den Umbau der Bischofsresidenz. Allmählich verdichten sich aber die Anzeichen, dass seine Absetzung näher rückt – notfalls auf Anordnung des Papstes, dessen demütige Art samt Annäherung an die Armen so gar nicht zu dem Bild passt, das der Limburger Bischof vermittelt.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

10.10.2013, 17:48 Uhr

Worauf ich schon längere Zeit wartete - heute hat ein kirchlicher Würdenträger erstmals angedeutet, dass der Bischoff auch “krank” sein könnte.
Ohne diesem Herrn zu nahe zu treten: ich denke, Körpersprache und Physiognomie sagen allein schon Einiges aus.
Hinzu kommt die greifbare Realität: Wer mit solcher Chuzpe derart viel fremdes Geld ausgibt, ohne rot zu werden und es sogar noch verteidigt, also ganz offensichtlich nicht die Spur eines schlechten Gewissens zeigt, der kann doch eigentlich nicht so ganz von dieser Welt sein.

Aber vielleicht hat der Bischoff auch nur von unseren Euro-Rettern gelernt. Die machen es ja täglich vor, wie leicht es ist, fremdes Geld zum Fenster hinaus zu werfen und als Rechtfertigung den merkwürdigen Grund anzugeben, ohne dieses Hinauswerfen käme es noch viel teurer. ALLES geht eben, wenn man nur genug Gläubige hinter sich hat.

Account gelöscht!

10.10.2013, 18:07 Uhr


"Untreuverdacht" heißt doch nichts anderes als, Herr Bischof hat Vitamin "B" erhalten, wurde also korrumpiert.

SenecAAA

10.10.2013, 18:24 Uhr

Mag sein, dass er "krank" ist, weil er ja auch so schön debil aussieht und die Medien seinen Gesichtsausdruck regelrecht ins Zentrum der Berichterstattung stellen. Mag aber auch sein, dass schlicht der konservative Teil des Klerus kalt gestellt werden soll, weil er sich (noch) nicht dem Relativismus-Diktat des Westens unterworfen hat wie ein Zollitsch und ggfs. auch der neue Papst. In einer Phase der politischen und wirtschaftlichen Implosion eines Regimes - wie wir dieses in dieser Zeit im gesamten Westen erleben - geht dieses umso härter gegen überlebende historische Institutionen vor, die in einer Nach-Wende-Zeit von den Menschen als Alternativen oder als Brücken zu Alternativen in Betracht kommen könnten. Dies war zu allen Zeiten und unter allen Regimen so. Mal offen (Stalin, Hitler), mal subtil (wie heute im Westen). Die wahre katholische Kirche, die einen Absolutheitsanspruch vertritt und biblisch vertreten muss, wird auch diese Zeit überstehen.

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