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19.01.2012

17:40 Uhr

Hohe Strahlung

Sonde untersucht havariertes Atomkraftwerk

Hohe Strahlung, Dampf und rostige Metallteile: Mithilfe einer ferngesteuerten Sonde hat Tepco Bilder aus dem Inneren von Reaktorblock zwei gemacht. Zum geschmolzenen Brennstoff konnte die Sonde indes nicht vordringen.

Foto aus Reaktorblock 2. Tepco tastet sich mithilfe einer Sonde in das zerstörte Atomkraftwerk vor. dapd

Foto aus Reaktorblock 2. Tepco tastet sich mithilfe einer Sonde in das zerstörte Atomkraftwerk vor.

TokioMehr als zehn Monate nach der Havarie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ist die Radioaktivität im Inneren immer noch hoch. Die ersten Bilder aus dem Reaktor zwei seit der Kernschmelze zeigen weiter hohe Strahlung, Dampf und rostige Metallteile, wie die Betreiberfirma Tepco am Donnerstag mitteilte. Das Unternehmen hatte die Fotos mithilfe einer ferngesteuerten Sonde gemacht. Es sei zwar kein Brennstoff und kein Kühlwasser gesehen worden, die Temperaturen seien jedoch konstant und die Schäden durch das Erdbeben im März hielten sich in Grenzen, sagte ein Sprecher.

Einige der Teile, die im Sicherheitsbehälter fotografiert wurden, konnten bislang noch nicht zugeordnet werden. Laut Tepco zeigen die Bilder auch die innere Wand des durch Hitze und Feuchtigkeit stark angegriffenen Behälters. Die Firma hofft, mit den Untersuchungen Risse und Löcher zu entdecken und besser reparieren zu können. Außerdem registriert die Sonde auch unter anderem die Temperatur. Am Donnerstag wurden innerhalb des Sicherheitsbehälters den Angaben zufolge 44,7 Grad Celsius gemessen. Der Wert bestätigt die japanische Regierung, die das Kernkraftwerk im Dezember als stabil bezeichneten hatte. Das gilt nur, wenn es im Reaktorkern kühler als 100 Grad heiß ist.

Sonde muss noch verbessert werden
Nach der ersten 70-minütigen Messung am Donnerstag sollen auch Bilder aus den zwei weiteren Reaktoren gemacht werden, in denen es zur Kernschmelze kam. Tepco sieht den ersten Versuch als Erfolg. „In Anbetracht der schwierigen Verhältnisse haben wir es ganz gut bewältigt“, sagte der Sprecher. Es sei ein erster Schritt. „Leider haben wir kein Anzeichen des Brennstoffes entdeckt“. Auch sei kein Kühlwasser zu sehen. Das deute darauf hin, dass der Wasserstand niedriger sei als erwartet, und stelle damit die Genauigkeit der bisherigen Messgeräte infrage.

Der Sprecher sagte weiter, es seien mehr Zeit und bessere Technik nötig, um bis zum geschmolzenen Brennstoff vorzudringen. Dieser ist demnach in einen Bereich gefallen, den das Endoskop nicht erreichen kann. Um Bilder in den beiden anderen Reaktoren mit Kernschmelze machen zu können, sind laut Tepco besser angepasste Geräte und geringere Strahlenwerte notwendig.

Das Atomkraftwerk war bei einem Erdbeben und nachfolgenden Tsunami im März 2011 schwer beschädigt worden, sodass das Kühlsystem ausfiel. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit der Explosion eines Reaktors im ukrainischen Tschernobyl.

 

Von

dapd

Kommentare (1)

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Ein-Buerger

19.01.2012, 19:35 Uhr

Der Artikel ist gar nicht schlecht geschrieben - wir bewegen uns wieder mehr in Richtung Objektivität. Aber warum lautet die Überschrift nicht "Reaktor stabil" anstatt "Hohe Strahlung"?

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