Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2011

12:15 Uhr

Hostienbäckerei

Wo der Kirchentag die Backeisen zum Glühen bringt

Backen rund um die Uhr - das ist in der einzigen Hostienbäckerei Mitteldeutschlands in Dresden zur Zeit angesagt. Wegen des Kirchentages herrscht hier Hochbetrieb. Maschinelle Fertigung ist trotzdem fehl am Platz.

In einer waffeleisenähnlichen Form werden die münzgroßen Hostien gebacken. Quelle: ap

In einer waffeleisenähnlichen Form werden die münzgroßen Hostien gebacken.

Dresden Still ist es in der Hostienbäckerei der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt Dresden. Gewissenhaft stanzen Schwester Elfriede Weihrauch und die junge Claudia Ripp Hostien aus, bis alle 70 aus der Teigplatte herausgelöst sind. Ruhig, aber flink überprüft Schwester Gudrun Reichelt die kleinen Oblaten nach Fehlern, sortiert die weniger Gelungenen aus und die Guten in den Versandkarton ein: 100 bilden eine Reihe, bei 500 ist der Karton voll. Alle paar Minuten durchdringt ein Zischen die Stille, wenn Carola Schmied neuen Teig in das Hostieneisen füllt und er bei 143 Grad zu dampfen beginnt.

Auch dieser Tage herrscht keine Hektik in dem kleinen hellen Raum mit dem Kruzifix an der Wand, obwohl die Diakonissen und ihre Mitarbeiterinnen wegen des Deutschen Evangelischen Kirchentages alle Hände voll zu tun haben. "Im April kamen die ersten Sonderbestellungen", erzählt Schwester Christine Ullmann, die Leiterin der Bäckerei. Seit einigen Wochen werde auch nachmittags und am Wochenende gebacken, Freiwillige aus der Gemeinde würden aushelfen.

Eine Million Hostien backen die Diakonissen und ihre Helfer im Jahr - vor kirchlichen Feiertagen mehr als die durchschnittlichen 20.000 Stück pro Woche, zu anderen Zeiten weniger. Wie viele mehr es in den vergangenen Wochen aufgrund des Kirchentages waren, kann Ullmann nicht genau sagen. "Die Kirchentagsleitung hat Hostien bestellt und die Gemeinden in Dresden und Umgebung auch mehr als sonst." Ihre Vorratsschränke seien so gut wie leer.

Seit 145 Jahren werden in der Dresdner Diakonissenanstalt die kleinen runden Teigplättchen hergestellt, die beim Abendmahlsgottesdienst an die Gläubigen verteilt werden. Der Rektor der Anstalt, in der heute etwa 40 Frauen als Diakonissen in einer Glaubensgemeinschaft zusammenleben, habe 1866 die Idee einer eigenen Hostienbäckerei aus Neuendettelsau in Franken mitgebracht, erzählt Ullmann. Seitdem würden in Dresden Hostien gebacken.

Heute sei ihre Hostienbäckerei die einzige in Mitteldeutschland, erzählt die Diakonisse, und in ganz Deutschland neben Neuendettelsau eine der wenigen, vielleicht sogar die einzige, die ohne maschinelle Fertigung auskomme. "Das möchten wir so belassen, so lange es geht", sagt sie. Keine Backautomaten, keine Verpackungsmaschinen - das sei schon etwas Besonderes.

Die einzigen Zutaten für die Hostien sind fein gemahlenes Weizenmehl aus Dresdner Mühlen und kaltes Wasser, wie Schwester Ullmann bei einem Rundgang durch die Bäckerei erklärt. "Ungesäuertes Brot, wie es im Alten Testament steht." Eine Maschine verrührt beides zu einem glatten Teig, den die Mitarbeiterin Carola Schmied mit einer Schöpfkelle in den waffeleisenähnlichen Backautomaten füllt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×