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05.04.2016

13:13 Uhr

Hunde auf Diät

Rehkopf statt Fertigfutter

In Großstädten setzen Hundehalter auf eine neue Futtermethode. Beim Barfen sollen Hunde auf ursprüngliche Weise ernährt werden. Händler mit Frischfleischtheken verdienen am Trend. Und manche liefern sogar nach Hause.

Ein Hund schnuppert im Barfshop von Anne Kroenke in Berlin an einem tiefgefrorenen Rehkopf.+ dpa

Frischfleisch für Hunde

Ein Hund schnuppert im Barfshop von Anne Kroenke in Berlin an einem tiefgefrorenen Rehkopf.+

BerlinDienstag ist Liefertag bei Schmackofatz. Statt Pizza oder Sushi liegen aber etwas andere Snacks in der Tiefkühlbox: Anne Kroenke fährt Jungbullenherzen, Pansen und getrocknete Bullenpenisse durch Berlin. Ihre Kunden setzen auf eine spezielle Rohfleisch-Diät für Großstadthunde.

Kundin Kerstin hat in Berlin-Weißensee ungeduldig auf die Lieferung gewartet. Die 56-Jährige steht in rosa Pantoffeln breitbeinig in ihrer Küche, die Fäuste in die Hüfte gestemmt. Auf einer Arbeitsfläche lassen ein Plastikeimer mit Popcorn und ein geöffnetes Glas Miracel Whip auf ein eben vollzogenes Abendessen schließen.

Was ist Barf?

Wofür stehen die vier Buchstaben?

Über die Bedeutung der Worte streiten sich die Experten. Kurzsätze wie „Biological Appropriated Raw Food“ und „Bones and Raw Food“ kursieren im Englischen. Die Amerikanerin Debbie Tripp führte als erstes die Abkürzung Barf ein und nannte die Hundebesitzer, die ihre Tiere wieder ursprünglich ernähren wollen „Born Again Raw Feeders“ – „Wiedergeborene Rohfütterer“.

Quelle: www.barinfo.de/rp-online.de

Keine reine Rohfleischfütterung

Barfer füttern nicht nur rohes Fleisch, sondern generell „Rohkost“. Sprich: Gemüse, Obst, Ei, Salat, Knochen – und natürlich auch Fleisch. Diese Lebensmittel werden in roher Form verfüttert.

Futter nach Wünschen zusammenstellen

Der größte Vorteil von Barf ist, dass der Hundehalter genau weiß, was im Hundenapf landet – kein Knochel- oder Fleischmehl, keine Abfallprodukte, keine unnötige Chemie, keine giftigen Substanzen und keine Geschmacksverstärker. Sollte der Hund unter Allergien leiden, kann der Hundebesitzer ausschließen, dass auch nur kleinste Mengen des Allergens ins Futter gelangt sein können.

Barf-Ernährung ist umstritten

Befürworter der Rohkost sind der Meinung, ihren Hund so zu ernähren, wie er sich in freier Wildbahn ernähren würde. Die Gegner bezweifeln allerdings, dass Haushunde ernährt werden sollten wie ein Wolf. Tierärztliche Vereinigungen und Ernährungswissenschaftler raten eher von Barf ab.

Risiken

Es gibt keine nachweislichen Vorteile, aber zahlreiche Risiken. Durch das rohe Fleisch könnten Krankheitserreger übertragen werden, auch auf den Menschen. Falsche Dosierungen könnten zu Nährstoffmangel führen. Dass alle Bestandteile einwandfrei sind, ist daher besonders wichtig.

Die Frau mit schwarz-glänzenden Locken nuckelt an einer Limoflasche, in der Jogginghose kramt sie nach Geldscheinen. 1,2 Kilo Pansen - also Magenteile - und zwei Kilo Herz wechseln für 14 Euro den Besitzer.

Neben Kerstins Abendbrot - geschnittenen Gewürzgurken und Kartoffelscheiben, die in Mayonnaise untergehen - legt die Lieferantin einen prall gefüllten Beutel ab. Eine teils blutrote, teils graue Masse schimmert durch die Plastikhülle. „Und nächstes Mal, biste so lieb und bringst mir 'nen Entenschlund? Und was auch gut war, das war der Kehlkopf. Der Hund muss kauen“, sagt Kerstin.

Ein schüchternes Augenpaar blickt durch den Türspalt. Ein Beagle hat sein Abendessen erschnüffelt. „Das duftet gut, was, Sherry?“, sagt Kerstin. Nur noch rohes Fleisch, Knochen und Innereien kommen für sie in die Tüte. Roh müsse es sein, ursprünglich.

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